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Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Fall und Aufstieg der Margot K.

Die inszenierte Sünde


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

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Die angebliche Menge des Blutalkohols und die Tatsache, dass die Presse sofort davon erfahren hatte, erscheinen auch heute noch merkwürdig. Man kann Absicht unterstellen, weil es letztlich so gut gepasst und geklappt hat.

Binnen Tagen war Käßmann vom Sünder zum Opfer geworden. Eine kurze Erklärung, eine öffentliche Ent-Schuldigung und eine überzogene Bußmaßnahme haben sie nicht nur rehabilitiert, sondern gleich zur Heiligen gemacht. Mit einem Streich war der Wind aus den Segeln der Angreifer genommen, war die andauernde Medien-Aufmerksamkeit vom Amt abgezogen und auf Käßmanns Person übertragen worden und die Beschädigung des Amtes repariert.

Seither hat Margot Käßmann keine Verpflichtung mehr, dafür eine Aufmerksamkeit und Anerkennung, die nicht abreißt. Bei Veranstaltungen darf sie umjubelte Reden halten. Sie ist zum Gesicht der EKD geworden, ohne offiziell mit einem Amt in Verbindung stehen zu müssen. Man hat sie zur Luther-Botschafterin ernannt, druckt ihr Foto auf Selbstfindungsratgeber und Seelentrösterbroschüren. Käßmann ist in, ist Idol, ist Identifikation.

Hätte ihr jemals jemand die Alkoholfahrt zum Vorwurf gemacht, so wäre er ab dem Zeitpunkt der Umkehr zum Sünder geworden, der andere mit Steinen bewirft.

In dem Augenblick, indem er der Sünder seine Schuld anerkennt und seine Tat bereut, erhält er Vergebung. Indem nicht auf andere gezeigt wird, sondern der Balken im eigenen Auge benannt wird, erscheint der Sünder vor seinen Mitmenschen glaubwürdig. Bereits Paulus hat sich zum Wortführer erhoben, indem er seine blutrünstige Vergangenheit als Christenverfolger bekannt hat.

Die Inszenierung von Fall und Aufstieg der Margot Käßmann ist ein gelungenes Musterbeispiel evangelisch-lutherischer Medienarbeit.

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Uli in Medien am 01.05.2013 um 20.28 Uhr

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