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Käßmanns Rücktritt als Chance - für sie selbst und die Kirche

Konsequente Kehrtwende


Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Hat die Moral gesiegt? Oder ist Margot Käßmanns nun erfolgter Rücktritt nicht einfach nur ein Beispiel einer Person, die ihr Fehlverhalten mit bewundernswerter Geradlinigkeit beantwortet? Die wichtigste Frau der evangelischen Kirche hat sich mit ihrer Entscheidung über viele Bitten, Vorschläge und Kommentare hinweggesetzt. Der Bundeskanzlerin Angela Merkel zollte das „Bedauern und Respekt“. Ob nun der gewichtige Schritt als Vorbild dienen kann, ist zu fragen – und zu beobachten.


Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Hat die Moral gesiegt? Oder ist Margot Käßmanns nun erfolgter Rücktritt nicht einfach nur ein Beispiel einer Person, die ihr Fehlverhalten mit bewundernswerter Geradlinigkeit beantwortet? Die wichtigste Frau der evangelischen Kirche hat sich mit ihrer Entscheidung über viele Bitten, Vorschläge und Kommentare hinweggesetzt. Der Bundeskanzlerin Angela Merkel zollte das „Bedauern und Respekt“. Ob nun der gewichtige Schritt als Vorbild dienen kann, ist zu fragen – und zu beobachten.

Was die vorderen Reihen der eigenen Institution betrifft, scheint für diese Konsequenz kein Verständnis zu bestehen. Ihr kommissarischer Nachfolger und bisheriger Stellvertreter Nikolaus Schneider äußerte in einem Synodenpapier: „Ihr Rücktritt ist ein schwerer Verlust für den deutschen Protestantismus.“ Damit verschließt er die Augen für die Chance aus der vermeintlichen Niederlage und die Linie, die so beschritten werden kann: Käßmann lebt weiter.

Fehlverhalten in öffentlichen Vorbildrollen soll nicht „in“ sein. Moralische Integrität hat zu zählen und kann zählen, beweist Käßmann. Integrität hätte sie nicht mehr vorzeigen können, Autorität und Urteilskraft wären stets mit ihrem schlichtweg unbedachten Fehltritt aufgewogen worden.

„Für sie persönlich ist der Schritt richtig. Für uns alle, für den Protestantismus ist die Entscheidung schlecht.“ So äfft, in der Presse zitiert, der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer den Kommentar Schneiders nach. Für Schorlemmer scheint nicht klar zu sein, dass Käßmann auch ihn, auch sein Amt gerettet, zumindest vor einem weiteren Ver-Ruf bewahrt hat. Für Menschen ist Platz in der Kirche, zeigt der Rücktritt von allen Ämtern. Dass die Ex-Bischöfin nun Pfarrerin bleiben will, unterstreicht die Vorstellung. Be- oder erhält Kirche eine moralische Leitfunktion dank moralischer Integrität bis in die Spitze?

Als Schachzug ist der einigermaßen überraschende Tatsachenvollzug auch zu werten. Ein Jeder zollt Käßmann Respekt und drückt sein Bedauern aus. Vorbildlich, wahrhaftig, ist der gerade Weg. Aber ist der Rücktritt nicht mehr als ein Bleiben im Amt, ein Beharren an der Machtposition? Kritiker müssen nun verstummen, hat sie schließlich alle Forderungen erfüllt. Gegner können still werden, denn nun ist sie gänzlich von der Zielscheibe verschwunden. Was bleibt, ist eine rehabilitierte Margot Käßmann, die einst ethische Leitfigur zu werden schien. Sie lebt weiter. So ist ihr zu wünschen, dass der nun eingeschlagene Weg näher an ihre Ziele führt, als der soeben verlassene.

Was die vorderen Reihen der eigenen Institution betrifft, scheint für diese Konsequenz kein Verständnis zu bestehen. Ihr kommissarischer Nachfolger und bisheriger Stellvertreter Nikolaus Schneider äußerte in einem Synodenpapier: „Ihr Rücktritt ist ein schwerer Verlust für den deutschen Protestantismus.“ Damit verschließt er die Augen für die Chance aus der vermeintlichen Niederlage und die Linie, die so beschritten werden kann: Käßmann lebt weiter.

Fehlverhalten in öffentlichen Vorbildrollen soll nicht „in“ sein. Moralische Integrität hat zu zählen und kann zählen, beweist Käßmann. Integrität hätte sie nicht mehr vorzeigen können, Autorität und Urteilskraft wären stets mit ihrem schlichtweg unbedachten Fehltritt aufgewogen worden.

„Für sie persönlich ist der Schritt richtig. Für uns alle, für den Protestantismus ist die Entscheidung schlecht.“ So äfft, in der Presse zitiert, der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer den Kommentar Schneiders nach. Für Schorlemmer scheint nicht klar zu sein, dass Käßmann auch ihn, auch sein Amt gerettet, zumindest vor einem weiteren Ver-Ruf bewahrt hat. Für Menschen ist Platz in der Kirche, zeigt der Rücktritt von allen Ämtern. Dass die Ex-Bischöfin nun Pfarrerin bleiben will, unterstreicht die Vorstellung. Be- oder erhält Kirche eine moralische Leitfunktion dank moralischer Integrität bis in die Spitze?

Als Schachzug ist der einigermaßen überraschende Tatsachenvollzug auch zu werten. Ein Jeder zollt Käßmann Respekt und drückt sein Bedauern aus. Vorbildlich, wahrhaftig, ist der gerade Weg. Aber ist der Rücktritt nicht mehr als ein Bleiben im Amt, ein Beharren an der Machtposition? Kritiker müssen nun verstummen, hat sie schließlich alle Forderungen erfüllt. Gegner können still werden, denn nun ist sie gänzlich von der Zielscheibe verschwunden. Was bleibt, ist eine rehabilitierte Margot Käßmann, die einst ethische Leitfigur zu werden schien. Sie lebt weiter. So ist ihr zu wünschen, dass der nun eingeschlagene Weg näher an ihre Ziele führt, als der soeben verlassene.

Uli in Gesellschaft am 24.02.2010 um 20.46 Uhr

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Kommentare

Kommentar:

Schade... kein Rock'n'Roll an der Spitze meiner Kirche
Ich persönlich find's irgendwie schade... rein aus dem Bauch heraus... aber ich hab ja auch schon böse Sachen gemacht

Nunja... für das Kollektiv Kirche war es wohl dennoch die bessere Entscheidung.

Wer wird das nächste Ziel der Skandalpresse? Jan Hofer? Harald Schmidt? Der Dalai Lama? Der Autor des Artikels? Ich? Wetten bei mir einreichen... danke.

Bosso am 26.02.2010 um 01.20 Uhr.


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