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Der Blog des Goldseelchen-Verlags
für Tagfalter und Nachtdenker

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Bild: Uli
 (© Eckdose)

Sehr geehrte Damen und Herren,

nicht ohne Genugtuung wende ich mich heute an Sie, um Ihnen meine fristlose Kündigung mitzuteilen. Ja, Sie lesen richtig. Ich bin mir dessen bewusst, dass meine Formulierung möglicherweise unangebracht erscheint. Das macht sie aber nicht weniger ehrlich. Sie werden im Laufe dieses Schreibens noch weitere vermeintliche Unverschämtheiten zu lesen bekommen. Und Sie werden sich denken, dass Sie als Zuständige der Personalabteilung damit sowieso nichts zu tun haben. Aber da irren Sie sich. Mein Schreiben trifft und betrifft alle in diesem Unternehmen. Auch Sie, die dies hier nun lesen.

Ich würde mir wünschen, dass Sie sich mein Schreiben zu Herzen nehmen und einmal gründlich darüber nachdenken. Leider musste ich bereits früher erkennen, dass alles, was man hier in diesem Laden tut oder mitteilt, niemanden interessiert. „Konstruktive Kritik“ war angeblich erwünscht. Als ich das noch glaubte, fuhr man mir gewaltig über den Mund. Ehrlichkeit ist fehl am Platz. Lob will man hören. Aber austeilen, da sind alle stark drin. Anzeigen wegen Mobbing in jüngerer Zeit konnte ich gerade noch verhindern. Dabei war ich nur ehrlich gewesen. Ich hatte auf die eigene Unzufriedenheit der Betroffenen hingewiesen. Wenn sie ehrlich zu sich wären, hatte ich ihnen gesagt, wüssten sie doch genau, dass es ihre Einstellung sei, die alles so schlecht werden ließ.

Jahre hat es mich gekostet, bis die scheinbar Gemobbten mich nur noch ignorierten, statt mich zu beschimpfen. Einige wollten mich dennoch loswerden. Sie sprachen mit dem Betriebsrat, dass man mir kündigen sollte. Meine Anwesenheit würde ihre Gefühle verletzen, so hieß es damals wörtlich. Dass ich all dies mitbekommen hatte, tat niemandem Leid. Ja, man verlangte von mir auch noch Verständnis. Man könne doch weiterhin auf mich zählen. Schließlich sei niemand außer mir so großzügig zu allen in der Firma. In meiner Naivität stimmte ich auch noch zu. Die Gefühlsverletzten, so hieß es, hätten nur ihr Leben nicht im Griff und seien neidisch, erzählten mir einige. Einlullen ließ ich mich. Gutgläubig wie ich war.

Ja, lästern, das können Sie gut. Über die anderen. Es waren ja immer die anderen. Dass Sie genauso schlimm waren, das haben Sie nie bemerkt. Sie werden es nie merken. Darum schmeiße ich den Job hin. Und, wissen Sie, mir ist es so was von egal, dass Sie nie damit gerechnet hätten. Ich bin es einfach überdrüssig. Sie brauchen gar nicht versuchen, mich umzustimmen oder mir eine reduzierte Arbeitszeit vorzuschlagen. Ich höre auf. Ein Zeugnis benötige ich nicht, da meine Referenzen trotz all dem, was Sie mit mir machen, sehr gut sind. Ein Zeugnis von Ihnen betrachte ich mittlerweile als Beleidigung.

Oder, wissen Sie was: Schreiben Sie ein Zeugnis und packen Sie damit Ihre bescheuerten Geschenke ein. Dann haben diese wenigstens eine Verpackung, die dem Müll auch gerecht wird.

Wenn Sie nun der Ansicht sind, dass das beleidigend sei, übersehen Sie etwas. Es ist nicht meine Meinung, die beleidigt. Sondern jedes Geschenk, das Sie im Zusammenhang mit mir verschenken, ist eine einzige, bodenlose Frechheit; eine Frechheit mir und dem Empfänger gegenüber. Und der Empfänger wird es natürlich auf mich schieben.

Damit auch Ihnen klar wird, was ich meine, bringe ich ein paar Beispiele: Ein schlechtes Gewissen lässt sich nicht durch Geschenke beruhigen, sondern durch eine ehrliche Entschuldigung. Fehlende Liebe lässt sich durch Ehrlichkeit erklären, nicht durch teure Geschenke. Ganzjährige Unaufmerksamkeit lässt sich nicht verringern, wenn man dem anderen irgendetwas schenkt. Sie schwindet nur dann, wenn man den anderen als Gegenüber wahrnimmt. Daran krankt diese Firma. Wenn einem jemand egal ist, merkt der andere das auch trotz Geschenk.

Aber wenn jemand einen anderen gern hat, merkt der andere das auch ohne Geschenk.

Meine Meinung zu den Geschenken hier ist nichts als die Wahrheit. Da gibt es kein Aber und kein Trotzdem. Mich ärgert einfach und immer mehr, dass die Geschenke, die ich vorschlage und mitbringe, abgelehnt werden. Wenn Sie auf meine Geschenke pfeifen, hätte mir auch das Recht zustehen sollen, Ihre Geschenke von Unehrlichkeit, Falschheit und Egoismus abzulehnen. Dass Sie das nicht akzeptieren wollten, ist ein weiterer Grund für diese Kündigung.

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Uli in Gesellschaft am 22.12.2013 um 16.45 Uhr

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