Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Moral bleibt stärker als Geld

Gottes neue Kleider


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Das Geschäft mit Gott läuft nicht ganz einfach. Es könnte sein, dass der Gott den Menschen eine moralische Haltung auferlegt. Moralische Haltungen könnten sich gegen Geschäftemachen richten. Nächstenliebe, umweltbewusstes Einkaufen, Eintreten für Ausgebeutete und Mittellose sind solche Moralideen, die Gottgläubige durchaus leiten können.


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Fotograf: Uli
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Das Geschäft mit Gott läuft nicht ganz einfach. Es könnte sein, dass der Gott den Menschen eine moralische Haltung auferlegt. Moralische Haltungen könnten sich gegen Geschäftemachen richten. Nächstenliebe, umweltbewusstes Einkaufen, Eintreten für Ausgebeutete und Mittellose sind solche Moralideen, die Gottgläubige durchaus leiten können.

Für einen Konsumrausch, eine Überflutung mit Einkäufen, ein besinnungsloses Geldausgeben als gäbe es keine Öffnungszeiten mehr ist dann kein Platz mehr. Das Geschäft mit Gott lässt sich nicht mit Gehirnwäsche zum bedingungslosen totalen Einkaufskrieg verbinden. Vor allem dann nicht, wenn Gott plötzlich Mensch wird und seine zentrale Botschaft die Liebe ist. Wie vermittle ich Liebe, Nachsichtigkeit, Vergebung und Selbstaufopferung, wenn ich als Geschäftsmann Hass hege auf Konkurrenten, jeden Mitarbeiter weitmöglich schröpfe, jeden Dieb, und sei er noch so hungrig ins tiefste Loch sperre und die Rendite gegenüber dem Vorjahr noch steigern will?

Klar, das Geschäft mit Gott erfordert Gerissenheit. Ich muss diese Gefühle aus Liebe, Nachsichtigkeit, Freude befördern. Wichtiger noch ist aber, dann zu betäuben, ehe die Gefühle echt werden und Gott eine Stimme erhält. Die leichteste Methode ist, als Trittbrettfahrer auf Gefühlsfeste aufzuspringen. Ich nehme eine Gelegenheit, an der die Gläubigen ihre Liebe zum Nächsten ausdrücken und biete bloß die Möglichkeiten – schnell und schmerzlos erreichbar.

Weihnachten, das Fest der Geburt, wird seit Jahrzehnten umgebaut. Gott verschwindet immer mehr. Und mit ihm wird aus der Liebe zum Nächsten die Liebe zu sich selbst. Dir wird nichts geschenkt? Kein Problem. Bist ja nicht Du, der so unfreundlich war, dass Dich die anderen nicht lieben. Kauf Dir doch einfach selbst Deine Geschenke. Wozu brauchst Du Gott, wenn Du doch Geld hast?

Aber das Geschäft ohne Gott läuft auch nicht ganz einfach. Menschen fragen immer wieder nach dem Sinn. Welchen Grund gäbe es zu schenken, wenn im Anlass („Fest“) das Schenken nicht grundlegend verankert wäre? Der alte Anlass, dass Gott sich als Kind der Welt schenkt, der lässt nur wenig an Geld denken. Gott legte schließlich nicht eine neue Multimedia-Anlage in die Krippe, auch keinen teuren Flachbildschirm. Die personifizierte Liebe war es, die da aus der Krippe uns anlächelte.

Und so wurde Gott einfach ganz aus „Weihnachten“ gestrichen. Man ersetzte ihn durch eine ähnlich gütige, weißbärtige Gestalt. Mit seinem Namen „Weihnachtsmann“ wird er zur zentralen Gestalt des Weihnachtsgeschehens. Keiner braucht mehr an die geweihte Nacht mit dem Christuskind denken. Wozu noch Kirche, Gott und Liebe? Der Weihnachtsmann verteilt im Gründungsmythos von Weihnachten die Geschenke. Unser modernes Weihnachtsfest ist dann das irdische Abbild dieses Ur-Weihnachtens.

Damit der Mythos vom schenkenden Weihnachtsmann etwas glaubwürdiger wird, damit die Figur möglichst greifbar ist, bekommt sie noch ein bisschen Schmuck dazu. Schließlich muss der Weihnachtsmann-Mythos oft genug erzählt werden, müssen Lieder seine Taten und Erlebnisse in die neue gesteuerte Konsumreligion einbringen, damit die haltlose Leere der Geldwelt nicht so sehr auffällt.

Und so verschwindet Gott aus Weihnachten, verblasst mit seiner Geburt der ganze Christus, wird der Kern des Schenkens, die Liebe, ganz und gar vergessen. Am Ende fällt der Glauben und wird Gott zu Grabe getragen?

Nein, Gott lässt sich nicht so leicht von den Geschäften vereinnahmen und umbringen.

Längst ranken sich Legenden um den scheinbar neuen Gott, den liebenden Weihnachtsmann. Christliche Moral hält Einzug in den Hofstaat des roten Alten. Der Weihnachtsmann mag zwar den Geschäften gute Gewinne versprechen, aber er öffnet die Tür für den erneuten Einzug Gottes in die Welt. Schon jetzt können wir beobachten, wie Santa in den neuen Mythen nicht nur Geschenke bringt, sondern als die Liebe selbst Streit schlichtet unter kindlichen Rentieren, die Benachteiligten bedenkt und grimmigen geldgeilen Gnomen am Nordpol die Herzen erwärmt.

Das Geschäft mit Gott ist eben nicht so ganz einfach, trotz rotem Gewand.

Für einen Konsumrausch, eine Überflutung mit Einkäufen, ein besinnungsloses Geldausgeben als gäbe es keine Öffnungszeiten mehr ist dann kein Platz mehr. Das Geschäft mit Gott lässt sich nicht mit Gehirnwäsche zum bedingungslosen totalen Einkaufskrieg verbinden. Vor allem dann nicht, wenn Gott plötzlich Mensch wird und seine zentrale Botschaft die Liebe ist. Wie vermittle ich Liebe, Nachsichtigkeit, Vergebung und Selbstaufopferung, wenn ich als Geschäftsmann Hass hege auf Konkurrenten, jeden Mitarbeiter weitmöglich schröpfe, jeden Dieb, und sei er noch so hungrig ins tiefste Loch sperre und die Rendite gegenüber dem Vorjahr noch steigern will?

Klar, das Geschäft mit Gott erfordert Gerissenheit. Ich muss diese Gefühle aus Liebe, Nachsichtigkeit, Freude befördern. Wichtiger noch ist aber, dann zu betäuben, ehe die Gefühle echt werden und Gott eine Stimme erhält. Die leichteste Methode ist, als Trittbrettfahrer auf Gefühlsfeste aufzuspringen. Ich nehme eine Gelegenheit, an der die Gläubigen ihre Liebe zum Nächsten ausdrücken und biete bloß die Möglichkeiten – schnell und schmerzlos erreichbar.

Weihnachten, das Fest der Geburt, wird seit Jahrzehnten umgebaut. Gott verschwindet immer mehr. Und mit ihm wird aus der Liebe zum Nächsten die Liebe zu sich selbst. Dir wird nichts geschenkt? Kein Problem. Bist ja nicht Du, der so unfreundlich war, dass Dich die anderen nicht lieben. Kauf Dir doch einfach selbst Deine Geschenke. Wozu brauchst Du Gott, wenn Du doch Geld hast?

Aber das Geschäft ohne Gott läuft auch nicht ganz einfach. Menschen fragen immer wieder nach dem Sinn. Welchen Grund gäbe es zu schenken, wenn im Anlass („Fest“) das Schenken nicht grundlegend verankert wäre? Der alte Anlass, dass Gott sich als Kind der Welt schenkt, der lässt nur wenig an Geld denken. Gott legte schließlich nicht eine neue Multimedia-Anlage in die Krippe, auch keinen teuren Flachbildschirm. Die personifizierte Liebe war es, die da aus der Krippe uns anlächelte.

Und so wurde Gott einfach ganz aus „Weihnachten“ gestrichen. Man ersetzte ihn durch eine ähnlich gütige, weißbärtige Gestalt. Mit seinem Namen „Weihnachtsmann“ wird er zur zentralen Gestalt des Weihnachtsgeschehens. Keiner braucht mehr an die geweihte Nacht mit dem Christuskind denken. Wozu noch Kirche, Gott und Liebe? Der Weihnachtsmann verteilt im Gründungsmythos von Weihnachten die Geschenke. Unser modernes Weihnachtsfest ist dann das irdische Abbild dieses Ur-Weihnachtens.

Damit der Mythos vom schenkenden Weihnachtsmann etwas glaubwürdiger wird, damit die Figur möglichst greifbar ist, bekommt sie noch ein bisschen Schmuck dazu. Schließlich muss der Weihnachtsmann-Mythos oft genug erzählt werden, müssen Lieder seine Taten und Erlebnisse in die neue gesteuerte Konsumreligion einbringen, damit die haltlose Leere der Geldwelt nicht so sehr auffällt.

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Uli in st.eckdose am 11.12.2010 um 10.04 Uhr

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