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Bedeutungsunterschiede bei Fragewörtern

Wozu, weshalb, warum?

Buntstiftbild: Eine Banane liegt krumm am Boden. Dahinter eine Birne und ein Apfel mit Gesichtern. Die Birne fragt den Apfel: Warum ist die Banane krumm? Der Apfel: Hä?
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Bild: Uli
 (© Eckdose)

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Fragewörter im Bananentest

Gehen wir die Fragewörter einmal durch:

„Warum“

Dieses Adverb eignet sich am besten, um offen Hintergründe zu erfragen. Die Antwort wird kein einzelnes Wort sein, sondern eine Vorgeschichte hervorbringen. Ich kann nach jeder Antwort weiter nach „Warum“ fragen und werde jeweils weitere Hintergründe auftun. Eltern werden dies bestätigen können. Auf die Frage nach der Bananenkrümmung ist letztlich keine zufriedenstellende Antwort möglich.

„Warums“ Wortursprung ist eine Zusammensetzung aus den Vorläufern unserer heutigen Wörter „Wo“* und „Um“. Um diesen Ursprung nachzuzeichnen, wäre eine Satzfrage passend: „Woher kommt es, dass es sich ereignete?“

(* Das „r“ kommt übrigens nicht von „her-um“, sondern ist ein Überbleibsel am „Wo“, aus einer alten Form „wār“. Im Englischen ist es mit „where“ und im Niederländischen mit „waar“ erhalten.)

„Weshalb“

Wem die Frage nach dem „Warum“ nicht ausreicht, der kann mit „Weshalb“ nachlegen und präzisieren. Eine Entsprechung ist „Weswegen“. Sie zielen auf Ursachen, bei Menschen auf Motive. Wortursprung sind das Fragewort „Was“ im Genitiv, sowie in der zweiten Hälfte „-halb“, wie in „der Ordnung halber“, bzw. „wegen“, wie in „meinetwegen“.

Passende Antworten auf „Weshalb“ oder „Weswegen“ werden Begründungen sein. Kann ich auf die Frage „Warum ist die Banane krumm?“ noch korrekt, aber nicht zufriedenstellend, antworten: „Weil sie sonst keine Banane wäre“, so müsste auf die Frage „Weshalb ist die Banane krumm?“ die Antwort auf die biologischen oder logistischen Gründe eingehen.

„Wieso“

Unverständnis drückt „Wieso“ aus und verlangt danach, dass ein Sachverhalt erklärt oder begründet wird. Semantisch hat es in etwa die Präzision der umgangssprachlichen Universalfrage „“: Es ist ein Allgemein-Platzhalter für eine Verständnisnachfrage. Zurück geht „Wieso“ auf eine Frageeinleitung: „Wie ist es so, dass…“. Parallele Konstruktionen als Frage habe ich auch schon gehört: „Wie das(s)?“ oder „Wie jetzt?“. Sie bedeuten dasselbe.

Relevant ist jeweils das „Wie“, wie es in den fünf „W-Fragen“ enthalten ist, allerdings zielt es nun auf die Vorgänge vor dem Geschehen und fordert zur Erklärung auf – und zwar in Richtung der Ursachen wie auch des Sinns.

Dass „Warum“ präziser nach Gründen fragt, wird am Beispiel mit der Banane deutlich: „Wieso ist die Banane krumm?“ kann wie ein überraschtes Infragestellen der Bananenkrümmung klingen. Entsprechend fragen die Rumpelwichte die verunfallte Ronja auch nicht, „warum“ sie das Dach zerstört hat (schließlich fehlt ihnen jedes Verständnis), sondern „wieso“. „Wieso“ als konkrete Rückfrage auf Handlungen ist so offen, dass es leicht auf dem Vorwurfs-Ohr gehört werden kann.

„Wodurch“

Wenn ich Prozesse oder Auslöser erfahren will, hilft dieses Fragewort. Die Rückfrage beschränkt auf Instrumentales. „Wodurch ist die Banane krumm?“ – möglicherweise ist hier der maßgebende Verursacher, also der dichte Fruchtbesatz gemeint, der dafür sorgt, dass sich die Bananen vom Stamm zur Sonne krümmen müssen.

Ein ähnliches instrumentales Bedeutungsspektrum wie „Wodurch“ bringt „Womit“ auf. Das kleine enthaltene „Mit“ engt jedoch noch stärker auf Werkzeuge ein. Darum eignet sich dieses Fragewort nicht so universell wie die anderen hier beschriebenen und ist manchmal unpassend. Ausreichende Antworten können einzelne Wörter sein, z. B. „Womit wurde die Banane geerntet?“ – „Mit einem Messer.“

„Wozu“

Auf den ersten Blick wirkt die Zweckfrage „Wozu“ wie ein gleichwertiges Synonym von „Warum“ und „Wieso“. Schließlich begegnet sie genauso alltagssprachlich als einzeln stehende Rückfrage. Während „Warum“ den Blick auf die Entstehung richtet und „Wieso“ allgemeine Erklärung fordert, will „Wozu“ – und das bedeutungsähnliche „Wofür“ – wissen, was mit einer Handlung erreicht werden soll oder sollte. In einer Befragung könnte ein Täter auf das „Warum“ hin seine komplette verkorkste Kindheit auspacken. Auf das „Wozu“ wird er sein Ziel hinter dem Vorhaben preisgeben müssen (z. B. um an Geld zu kommen). Der feine Unterschied zu „Weshalb“ ist, dass ausschließlich der Zweck, jedoch nicht die vorangehende Entwicklung mit gefragt wird. Bei „Weshalb“ wäre eine mögliche Antwort, dass er kein Geld habe und deshalb welches brauche.

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Uli in Gesellschaft am 02.01.2026 um 20.29 Uhr

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