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Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Bedeutungsunterschiede bei Fragewörtern

Wozu, weshalb, warum?


Ein synchronisierter amerikanischer Film. Einer Figur ist gerade etwas geschehen, das sie nicht einordnen kann. Sie reißt den Mund auf zu einem einsilbigen Stoßgebet des Unverständnisses. Aus dem Lautsprecher kommt die zweisilbige Frage: „Wieso?“ Gleiches höre ich auch bei den schwedischen Rumpelwichten, in deren Höhlendach Ronja Räubertochter versehentlich einbricht: „Wieso tut sie das bloß?“ - „Wieso hast du unser Dach kaputtgemacht?“

Synchronisationen bringen uns manche Wörter in einer Häufigkeit, wie sie der alltägliche deutsche Sprachgebrauch gar nicht kennt. „Wieso“ taucht in übersetzten Filmen inflationär auf, in vernünftigen Gesprächen allerdings seltener. „Wieso“ ist das so? Ich vermute, das einsilbige „Why“ wird einfach regelmäßig mit dem in Lippenbewegungen ähnlich wirkenden „Wieso“ übertragen. Dabei bietet die deutsche Sprache so viel mehr Fragewörter, um Klarheit über Motive oder Gründe zu erlangen.

Die fünf W-Fragen

Eine schöne Liste enthält das Titellied der Sesamstraße: „Der, die, das. Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm.“ Die ersten drei sind einfach zu verstehen: „Wer“ fragt nach einer Person. „Wie“ fragt nach einer zeitlichen Abfolge oder der Weise des Geschehens. „Was“ ist die Frage nach einem Objekt, einem Ding oder nach der Handlung.

Wenn in der Grundschule im Deutschunterricht der Sachbericht dran ist, lehren die Lehrpersonen die fünf „W-Fragen“: „Was (ist geschehen)“, „Wer (ist beteiligt)“, „Wie (ging es vor sich)“, „Wann (fand es statt)“, „Wo (passierte es)“ sind die wichtigsten, um ein Geschehen zu schildern. Mit Antworten auf die Fragen präsentieren Schülerinnen und Schüler einen Sachverhalt nüchtern und möglichst objektiv. Später hilft das Wissen auch, einen präzisen Notruf abzusetzen.

Fünf Wörter mit leichten Unterschieden

Mit „Wieso, Weshalb, Warum“ wird es schon schwieriger. Übersetze ich diese drei Wörter auf Englisch, erhalte ich „Why, why, why“. Sie scheinen synonym zu sein. Doch sind sie es nicht. Es gibt feine Bedeutungsunterschiede. Dazu gesellen sich noch ein viertes und fünftes Fragewort, die in eine ähnliche Richtung gehen: „Wozu“ und „Wodurch“.

Gemeinsam ist ihnen: Ich möchte Hintergründe erfahren. Ich will Motive, Ziele, Zwecke aufdröseln. Während mir bei den fünf objektiven „W-Fragen“ vor Gericht Zeugenaussagen oder andere Quellen zu einem objektiven Bild des Geschehens verhelfen, kann ich mich den wahren Motiven, Zielen, Zwecken nur annähern. Nebenbei: Für unser Rechtssystem, das bei Taten (z. B. Tötung) je nach Motiv unterschiedliches Strafmaß anlegt, ist das ein Problem. Das ist jedoch ein anderes Thema.

Fragewörter im Bananentest

Gehen wir die Fragewörter einmal durch:

„Warum“

Dieses Adverb eignet sich am besten, um offen Hintergründe zu erfragen. Die Antwort wird kein einzelnes Wort sein, sondern eine Vorgeschichte hervorbringen. Ich kann nach jeder Antwort weiter nach „Warum“ fragen und werde jeweils weitere Hintergründe auftun. Eltern werden dies bestätigen können. Auf die Frage nach der Bananenkrümmung ist letztlich keine zufriedenstellende Antwort möglich.

„Warums“ Wortursprung ist eine Zusammensetzung aus den Vorläufern unserer heutigen Wörter „Wo“* und „Um“. Um diesen Ursprung nachzuzeichnen, wäre eine Satzfrage passend: „Woher kommt es, dass es sich ereignete?“

(* Das „r“ kommt übrigens nicht von „her-um“, sondern ist ein Überbleibsel am „Wo“, aus einer alten Form „wār“. Im Englischen ist es mit „where“ und im Niederländischen mit „waar“ erhalten.)

„Weshalb“

Wem die Frage nach dem „Warum“ nicht ausreicht, der kann mit „Weshalb“ nachlegen und präzisieren. Eine Entsprechung ist „Weswegen“. Sie zielen auf Ursachen, bei Menschen auf Motive. Wortursprung sind das Fragewort „Was“ im Genitiv, sowie in der zweiten Hälfte „-halb“, wie in „der Ordnung halber“, bzw. „wegen“, wie in „meinetwegen“.

Passende Antworten auf „Weshalb“ oder „Weswegen“ werden Begründungen sein. Kann ich auf die Frage „Warum ist die Banane krumm?“ noch korrekt, aber nicht zufriedenstellend, antworten: „Weil sie sonst keine Banane wäre“, so müsste auf die Frage „Weshalb ist die Banane krumm?“ die Antwort auf die biologischen oder logistischen Gründe eingehen.

„Wieso“

Unverständnis drückt „Wieso“ aus und verlangt danach, dass ein Sachverhalt erklärt oder begründet wird. Semantisch hat es in etwa die Präzision der umgangssprachlichen Universalfrage „“: Es ist ein Allgemein-Platzhalter für eine Verständnisnachfrage. Zurück geht „Wieso“ auf eine Frageeinleitung: „Wie ist es so, dass…“. Parallele Konstruktionen als Frage habe ich auch schon gehört: „Wie das(s)?“ oder „Wie jetzt?“. Sie bedeuten dasselbe.

Relevant ist jeweils das „Wie“, wie es in den fünf „W-Fragen“ enthalten ist, allerdings zielt es nun auf die Vorgänge vor dem Geschehen und fordert zur Erklärung auf – und zwar in Richtung der Ursachen wie auch des Sinns.

Dass „Warum“ präziser nach Gründen fragt, wird am Beispiel mit der Banane deutlich: „Wieso ist die Banane krumm?“ kann wie ein überraschtes Infragestellen der Bananenkrümmung klingen. Entsprechend fragen die Rumpelwichte die verunfallte Ronja auch nicht, „warum“ sie das Dach zerstört hat (schließlich fehlt ihnen jedes Verständnis), sondern „wieso“. „Wieso“ als konkrete Rückfrage auf Handlungen ist so offen, dass es leicht auf dem Vorwurfs-Ohr gehört werden kann.

„Wodurch“

Wenn ich Prozesse oder Auslöser erfahren will, hilft dieses Fragewort. Die Rückfrage beschränkt auf Instrumentales. „Wodurch ist die Banane krumm?“ – möglicherweise ist hier der maßgebende Verursacher, also der dichte Fruchtbesatz gemeint, der dafür sorgt, dass sich die Bananen vom Stamm zur Sonne krümmen müssen.

Ein ähnliches instrumentales Bedeutungsspektrum wie „Wodurch“ bringt „Womit“ auf. Das kleine enthaltene „Mit“ engt jedoch noch stärker auf Werkzeuge ein. Darum eignet sich dieses Fragewort nicht so universell wie die anderen hier beschriebenen und ist manchmal unpassend. Ausreichende Antworten können einzelne Wörter sein, z. B. „Womit wurde die Banane geerntet?“ – „Mit einem Messer.“

„Wozu“

Auf den ersten Blick wirkt die Zweckfrage „Wozu“ wie ein gleichwertiges Synonym von „Warum“ und „Wieso“. Schließlich begegnet sie genauso alltagssprachlich als einzeln stehende Rückfrage. Während „Warum“ den Blick auf die Entstehung richtet und „Wieso“ allgemeine Erklärung fordert, will „Wozu“ – und das bedeutungsähnliche „Wofür“ – wissen, was mit einer Handlung erreicht werden soll oder sollte. In einer Befragung könnte ein Täter auf das „Warum“ hin seine komplette verkorkste Kindheit auspacken. Auf das „Wozu“ wird er sein Ziel hinter dem Vorhaben preisgeben müssen (z. B. um an Geld zu kommen). Der feine Unterschied zu „Weshalb“ ist, dass ausschließlich der Zweck, jedoch nicht die vorangehende Entwicklung mit gefragt wird. Bei „Weshalb“ wäre eine mögliche Antwort, dass er kein Geld habe und deshalb welches brauche.

Und jetzt nochmal alle Fragewörter auf einem Blick

Möglicherweise hilft eine Tabelle, die Unterschiede deutlicher zu zeigen. Die Spalte „Dimension“ soll eine grobe Gruppierung ermöglichen.

Hast du weitere Ideen oder kennst du weitere Fragewörter? Ich freue mich über Rückmeldungen in den Kommentaren!

Wort Frage als Satz Dimension Antwort auf Bananenfrage
Ich verstehe nichts. allgemein Die Banane ist ein Obst! Sie wächst gekrümmt nach oben!
Wann Was ist der Zeitraum des Sachverhalts? Fakten Sobald sie anfängt zu wachsen, bis sie gegessen wird.
Warum Was ist der Grund oder Hintergrund des Sachverhalts? Vorgeschichte Weil die eng sitzenden Früchte der Sonne entgegen wachsen.
Was Worum handelt es sich beim Sachverhalt? Fakten Die Banane ist eine Südfrucht, die gekrümmt wächst.
Wer Wer sind die beteiligten Personen des Sachverhalts Fakten Die Banane.
Weshalb/weswegen Was ist die Begründung des Sachverhalts? Vorgeschichte/Motive Damit die Früchte ausreichend Sonne für den Reifungsprozess abbekommen.
Wie Was sind Ereignisse, Abfolge, Qualität des Sachverhalts? Fakten, allgemein Sie ist krumm.
Wieso Was sind Hintergründe, Begründungen, Gründe, Zwecke, Sinn des Sachverhalts? allgemein Weil sie sonst keine Banane wäre.
Wo An welchem Ort befindet sich der Sachverhalt? Fakten In den Tropen, aber auch beim Transport und im Obstregal.
Wodurch Was war Auslöser oder maßgeblicher Prozess? Vorgeschichte/Motive Durch eine evolutions- und züchtungsbedingte hohe Fruchtmenge sind manche Bananen besonders krumm.
Womit Welche Mittel kamen zum Einsatz? Fakten Mit Wachstum.
Wozu/wofür Welchem Zweck oder Nutzen hat der Sachverhalt? Motive Damit sie Platz zum Wachsen und Licht zum Reifen hat.

Uli in Gesellschaft am 02.01.2026 um 20.29 Uhr

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