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nach den Erschütterungen von Paris

Ablenkung statt Mitgefühl


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Schmerzgeleitetes Aufschreien. Besonnene Mäßigungsbitte. Hasserfüllte Racheforderungen. Jeder Mensch trauert anders. Jede Erschütterung ruft im Betroffenen unterschiedliche Antworten hervor. Psychologen ermutigen zur Trauer. Schweigen und die Unterdrückung der erschütterten Gefühle nagt innerlich. Es frisst Löcher, erst in die Seele, dann in den Körper. Ewig kann kein Mensch verdrängen. Gefühle müssen ihren Ausdruck finden, ihren Druck abbauen. Jeder Mensch trauert anders. Aber er muss trauern.

Von einer hässlichen, menschenverachtenden Ideologie geleitete Menschen haben Paris erschüttert. Sie haben willkürlich Selbstjustiz geübt und die Todesstrafe verhängt. Ihre Opfer waren gleichermaßen ausgewählt und zufällig. Für diese Erschütterung des Glaubens an Sicherheit, Gerechtigkeit und ein friedliches Miteinanderleben fehlt jede Begründung.

Schnell ist den Erschütterten klar: Was auch immer die Täter verleitete. Nach einem ersten entsetzten Aufschreien ist Trauer die Reaktion. In heruntergeschluckter Wut teilen Erschütterte der Welt mit, dass sie mit-leiden. Sie identifizieren sich mit den Opfern. Das ist eine Form des Ausdrucks.

In Deutschland begegnet weit verbreitet als Reaktion auf die Erschütterung nur ein Aufruf zur Toleranz. Zur Toleranz gegenüber Muslimen. Man solle seinen Hass nicht freien Lauf lassen, sondern im offenen, friedlichen Gespräch den Mitmenschen, die einer bestimmten Religion angehören, begegnen.

Anhänger der hässlichen, menschenverachtenden Ideologie, die wir Nationalsozialismus nennen, erschütterten über mehrere Jahre mit Anschlägen das Land. Danach kam es weder zu einer verbreiteten Identifikation mit den Opfern. Noch gab es einen Aufruf zur Toleranz gegenüber konservativ-bürgerlichen Deutschen, die ihre qua Geburt erworbenen Pfründe verteidigen möchten und die Union wählen.

Anhänger der hässlichen, menschenverachtenden Ideologie des Radikalkommunismus erschütterten über mehrere Jahre mit Anschlägen das Land. Zwar die Identifikation mit den Opfern oder eine Trauer um sie. Doch fehlte auch da der Aufruf zur Toleranz gegenüber Sympathisanten eines Sozialismus oder Wählern der Sozialdemokraten.

Jeder besonnene Mensch, der sich nicht von einer menschenverachtenden oder egoistischen Ideologie verleiten lässt, ist in der Lage, zwischen Ideologie und Menschen zu unterscheiden.

Deswegen betrachtete es auch niemand für nötig, zum Dialog mit oder zur Toleranz gegenüber Anhängern gemäßigter Varianten der Ideologien von Nationalismus und Sozialismus aufzurufen. Besonders die Deutschen hatten sich bereits in der Lage gezeigt, einen Unterschied zwischen Ideologie und ihren Anhängern zu sehen. Schließlich sind sie die Erfinder der Stunde Null, die aus Mördern Väter, aus Mittätern Mütter machte und die Schuld „dem“ Nationalsozialismus gab.

Und doch wird nun nicht unterschieden. Nicht bei „den anderen“.

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Uli in Gesellschaft am 11.01.2015 um 11.22 Uhr

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