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Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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und ich lass dir deinen Fanatismus

Lass mir meine Religion


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Religionen würden dem Frieden schaden, meint mancher ihrer Verächter. Allein schon, dass Menschen an etwas glauben, würde reichen, dass Kriege, Terror und Gewalt entstehen. Eine beliebte Begründung für ein Nichtglaubenkönnen oder Nichtglaubenwollen ist der Verweis auf Geschichte und Gegenwart des Religiösen. Vorwurfsvoll werden die Wörter „Kreuzzüge“, „Hexenverbrennungen“ und „Inquisition“ zusammengestellt.

Immer wieder wenden die Verteidiger der Religion ein, es seien in erster Linie Menschen, die Kriege führten, für Terror sorgten und Gewalt übten. Jede Religion könne von Fanatikern missbraucht werden.

Anstatt zuzuhören und zu fragen, was der Zweck der Religion sei, möchten ihre Verächter sie am liebsten abschaffen und verbieten. Kurzschlüssig ist dies. Denn nicht eine Religion macht Menschen gewalttätig, sondern die Ideologie, die eine Religion mit sich bringt, kann möglicherweise die Gewalt kanalisieren.

Eine Ideologie schafft in erster Linie Identität. Wer bin ich – und wozu gehöre ich? Gruppen werden durch gemeinsame Ideologie geschaffen.

In zweiter Linie bietet eine Ideologie konkrete Hilfe im Leben. Das kann durch einen Aufruf zu Nachbarschaftshilfe, Nächstenliebe oder einen Katalog guter Werke erfolgen. Eine gute Ideologie hilft aber schon bei der so genannten Kontingenzbewältigung: Wozu bin ich, wieso bin ich sterblich und wieso bin ich so, wie ich bin?

Kein Mensch kann leben, ohne sich die Welt zu erklären. Bereits die Antwort „Alles ist Zufall, es gibt keine Antwort.“, ist eine nicht beweisbare, ideologische Erklärung. Ein Mensch, der glaubt zu wissen, dass alles, was es gibt, die Folge von zufälligen Ereignissen ist, kann aggressiv werden, wenn ihm ein anderer erzählt, dass er wisse, dass Gott alles geschaffen hat. Nicht derjenige, der von Gott erzählt, und damit der Religiöse ist, verursacht hier die Aggression. Sondern dass zwei Weisen, die Welt zu erklären, nicht zusammen passen.

Wo Ideologien aufeinander treffen, drohen Welten zusammen zu stürzen.

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Uli in Philosophie am 30.01.2013 um 16.33 Uhr

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