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Eine Begegnung

Besuch der alten Dame


Für eine größere Ansicht anklicken.
Fotograf: Uli
 (© Eckdose)


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Sie sieht mich. Aus unmittelbarer Entfernung blickt sie mich an. Unsere Augen treffen sich. Kein beschämter U-Bahn-Blick, den man schnellstmöglich unterbricht. Den Moment zu beschreiben versucht, legt sich ein Wort wie „Vertrautheit“ nahe. Da sitzt sie und schaut mich an.

Ich sehe sie. Aus unmittelbarer Entfernung blicke ich sie an. Unsere Augen treffen sich. Kein Blick Fremder, flüchtig und falsch. Den Eindruck versucht in Worte zu fassen, ergibt sich ein warmes, freundliches, tiefes Gefühl. Da sitze ich und schaue sie an.

Frage mich, was sie denkt. Denkt sie überhaupt etwas? Sie, die alte Dame, die so viel Weisheit und Lebenserfahrung ausstrahlt? So viel mehr als ich scheint sie zu wissen – vom Leben, von einem, das an den eigenen Grenzen scheitert. Was mag das für ein Gefühl sein, im Alter umsorgt werden zu müssen, weil man selbst sich sein Essen nicht mehr bereiten kann, weil man nicht mehr in der Lage ist, die eigenen vier Wände zu verlassen? Verschlossen sind die Türen. Sie könnte weglaufen, nicht mehr wissen, wo sie ist. Irgendwo würde man dann irgendwann die verwirrte Dame wieder finden, sie wieder zurückbringen, dorthin, wo ihr nichts passieren kann, wo man sie im Zweifelsfall auch ruhig stellen kann.

Die Augen der Dame scheinen zu sagen, dass sie um all das weiß. Sprechen kann sie nicht. Weil sie es nicht kann, traut man ihr auch keine Selbstverantwortung zu. Entmündigt redet man ihr gut zu wie einem kleinen, unfähigen Kind.

Seltsam. Einen Vorwurf lese ich in ihren Augen nicht. Wie viel Grund sie doch hätte, den jungen Menschen die Bevormundung vorzuwerfen. Sie tut es nicht. Sie schaut lediglich. Aus bannenden, traurigen Augen.

Ist es wahr, dass sie nicht mit den Betreuern kommuniziert, bloß weil sie nicht spricht? Sagen ihre Augen nicht viel mehr?

Während ich das Gefühl habe, mich nach einem bedrückenden wie bewegenden Besuch im Altersheim nun verabschieden zu müssen, werfe ich einen letzten Blick in den Gorilla-Käfig. In mitteilende Augen. Lasse jene zurück und gehe mit Meinesgleichen weiter.

Sie sieht mich. Aus unmittelbarer Entfernung blickt sie mich an. Unsere Augen treffen sich. Kein beschämter U-Bahn-Blick, den man schnellstmöglich unterbricht. Den Moment zu beschreiben versucht, legt sich ein Wort wie „Vertrautheit“ nahe. Da sitzt sie und schaut mich an.

Ich sehe sie. Aus unmittelbarer Entfernung blicke ich sie an. Unsere Augen treffen sich. Kein Blick Fremder, flüchtig und falsch. Den Eindruck versucht in Worte zu fassen, ergibt sich ein warmes, freundliches, tiefes Gefühl. Da sitze ich und schaue sie an.

Frage mich, was sie denkt. Denkt sie überhaupt etwas? Sie, die alte Dame, die so viel Weisheit und Lebenserfahrung ausstrahlt? So viel mehr als ich scheint sie zu wissen – vom Leben, von einem, das an den eigenen Grenzen scheitert. Was mag das für ein Gefühl sein, im Alter umsorgt werden zu müssen, weil man selbst sich sein Essen nicht mehr bereiten kann, weil man nicht mehr in der Lage ist, die eigenen vier Wände zu verlassen? Verschlossen sind die Türen. Sie könnte weglaufen, nicht mehr wissen, wo sie ist. Irgendwo würde man dann irgendwann die verwirrte Dame wieder finden, sie wieder zurückbringen, dorthin, wo ihr nichts passieren kann, wo man sie im Zweifelsfall auch ruhig stellen kann.

Die Augen der Dame scheinen zu sagen, dass sie um all das weiß. Sprechen kann sie nicht. Weil sie es nicht kann, traut man ihr auch keine Selbstverantwortung zu. Entmündigt redet man ihr gut zu wie einem kleinen, unfähigen Kind.

Seltsam. Einen Vorwurf lese ich in ihren Augen nicht. Wie viel Grund sie doch hätte, den jungen Menschen die Bevormundung vorzuwerfen. Sie tut es nicht. Sie schaut lediglich. Aus bannenden, traurigen Augen.

Ist es wahr, dass sie nicht mit den Betreuern kommuniziert, bloß weil sie nicht spricht? Sagen ihre Augen nicht viel mehr?

Während ich das Gefühl habe, mich nach einem bedrückenden wie bewegenden Besuch im Altersheim nun verabschieden zu müssen, werfe ich einen letzten Blick in den Gorilla-Käfig. In mitteilende Augen. Lasse jene zurück und gehe mit Meinesgleichen weiter.

sophie in Philosophie am 07.09.2010 um 09.54 Uhr

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