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Vorteile des Bilderverbots

Macht Sinn


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)


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„Kannst du mir mal ein Bild von dir schicken?“, fragt der Gesprächs-Partner im Internet. „Dann kann ich mir besser vorstellen, mit wem ich mich gerade so gut unterhalte.“ Ganz so, als sei das Gespräch davon abhängig, wie die Augenbrauen des Gegenübers geformt sind.

Anscheinend ist es das. Wir sind verunsichert, wenn jemand „irgendwie anders“ aussieht. Erzählen wir jemandem etwas, dieser hört zu und grinst dabei unentwegt, stört uns das. Wir brauchen ein Bild von dem, womit wir es zu tun haben. Verläuft ein Gespräch allein in Texten, stellen sich die Schreibenden zumindest vage vor, wer dort am anderen Ende sitzt. Groß ist dann das Überraschen beim ersten Treffen oder ersten Blick auf die Fotografie: „Dich habe ich mir ganz anders vorgestellt.“

Bildhafte Eindrücke braucht der Mensch nicht nur für andere Menschen. In unserer Kultur gilt etwas dann als wahrhaftig, wenn es sichtbar ist. Baupläne von Häusern werden nicht in wortreichen Beschreibungen übermittelt. Einfache Linien und schraffierte Flächen sind es, die deutlich machen, dass das Gebäude einmal stehen wird.

Erzählt jemand etwas unglaubwürdiges, lautet die erste Reaktion meist: „Das muss ich sehen.“ Ein Unfall an der Straße ist von vielen Schaulustigen gesäumt. Erst der Anblick, das Bild, macht das Unvorstellbare vorstellbar. Nach Amokläufen greifen Boulevardzeitungen auf besonders phantasievolle Grafiker zurück, um das Tatgeschehen auszumalen.

Das Vertrauen auf die Kraft des Bildes ist eine alte menschliche Eigenschaft. Überall schufen sich die Kulturen ihre Götterbilder. So konnten die Betenden und Opfernden sich besser vorstellen, wie ihr Gott aussah. Dabei war den Menschen meist bewusst, dass das Bild an sich nicht der Gott selbst sei. Anhand des Bildes konnte die Gottheit besser verehrt werden. Es gab einen Ort, zu dem der Gläubige kommen konnte, was nicht so leicht ging, wenn es nur eine innere, gedankliche Vorstellung von dem Gott gab. Die Gottheit konnte in der Statue als Gegenüber auftreten.

Schwierig wurde es, als das Bild dazu überging, mehr als ein Bild zu sein. Wenn plötzlich nicht mehr die Gottheit, sondern das Bild der Gottheit verehrt wird, hat sich der Mensch auch seiner Freiheit beraubt. Bekannt ist das Bilderverbot aus den monotheistischen Religionen. Im Zweiten Buch Mose heißt es unter den Zehn Geboten:

„Du sollst dir kein Götzenbild machen, auch keinerlei Abbild dessen, was oben im Himmel oder was unten auf der Erde oder was im Wasser unter der Erde ist. Du sollst dich vor ihnen nicht anbetend niederwerfen und ihnen nicht dienen.“

Ein klares Verbot von Bildern aller Art? Man kann es so sehen, würde damit den Zweck des Gesetzes falsch verstanden haben. Dem Menschen wird mit dem Gebot gesagt, dass er seine gedanklichen Bilder für sich behalten soll. Er soll sein Gottes-, Himmel- und Weltbild nicht so ausformen, dass er es mit dem verwechselt, was wirklich ist. Ein deutlicher Schutz liegt hier vor: Bilder bleiben vom Menschen geschaffene Bilder. Sie zu verehren, ihnen zu dienen, wäre pure Zeit- und Kraftverschwendung. Gleiches gilt auch für einige Abbilder, die die Naturwissenschaft geschaffen hat. Betrachtet oder erforscht wird oft nicht mehr die Wirklichkeit an sich. Hängt der Mensch seine Welt zu fest an Modellen auf, könnte er bei abweichenden Ereignissen in Krisen stürzen, ohne dass sich die Welt an sich geändert hätte.

Indem ich mir ein gedankliches Bild von Gott mache, wird mir Gott zum Gegenüber. So kann ich lernen, für mich die Welt zu verstehen. Indem ich dieses Bild nicht als fertige Figur, als handfestes Abbild ausforme, lasse ich dem Unsichtbaren in der Welt Raum, mein Bild zu bewegen. Stets sollte ich mir dessen bewusst bleiben, dass es nur mein Bild ist, was ich vor Augen habe, wenn ich „Gott“ höre. Ebenso sollte ich die Vorstellungen anderer akzeptieren. Das Bilderverbot muss dann greifen, wenn ein Bild zementiert wird.

Letztlich – überträge ich das Bilderverbot auf den Menschen – schade ich mir selber, wenn ich ein gutes Gespräch abbreche, nur weil mir die Brauenform des Menschen auf dem Foto nicht gefällt.

„Kannst du mir mal ein Bild von dir schicken?“, fragt der Gesprächs-Partner im Internet. „Dann kann ich mir besser vorstellen, mit wem ich mich gerade so gut unterhalte.“ Ganz so, als sei das Gespräch davon abhängig, wie die Augenbrauen des Gegenübers geformt sind.

Anscheinend ist es das. Wir sind verunsichert, wenn jemand „irgendwie anders“ aussieht. Erzählen wir jemandem etwas, dieser hört zu und grinst dabei unentwegt, stört uns das. Wir brauchen ein Bild von dem, womit wir es zu tun haben. Verläuft ein Gespräch allein in Texten, stellen sich die Schreibenden zumindest vage vor, wer dort am anderen Ende sitzt. Groß ist dann das Überraschen beim ersten Treffen oder ersten Blick auf die Fotografie: „Dich habe ich mir ganz anders vorgestellt.“

Bildhafte Eindrücke braucht der Mensch nicht nur für andere Menschen. In unserer Kultur gilt etwas dann als wahrhaftig, wenn es sichtbar ist. Baupläne von Häusern werden nicht in wortreichen Beschreibungen übermittelt. Einfache Linien und schraffierte Flächen sind es, die deutlich machen, dass das Gebäude einmal stehen wird.

Erzählt jemand etwas unglaubwürdiges, lautet die erste Reaktion meist: „Das muss ich sehen.“ Ein Unfall an der Straße ist von vielen Schaulustigen gesäumt. Erst der Anblick, das Bild, macht das Unvorstellbare vorstellbar. Nach Amokläufen greifen Boulevardzeitungen auf besonders phantasievolle Grafiker zurück, um das Tatgeschehen auszumalen.

Das Vertrauen auf die Kraft des Bildes ist eine alte menschliche Eigenschaft. Überall schufen sich die Kulturen ihre Götterbilder. So konnten die Betenden und Opfernden sich besser vorstellen, wie ihr Gott aussah. Dabei war den Menschen meist bewusst, dass das Bild an sich nicht der Gott selbst sei. Anhand des Bildes konnte die Gottheit besser verehrt werden. Es gab einen Ort, zu dem der Gläubige kommen konnte, was nicht so leicht ging, wenn es nur eine innere, gedankliche Vorstellung von dem Gott gab. Die Gottheit konnte in der Statue als Gegenüber auftreten.

Schwierig wurde es, als das Bild dazu überging, mehr als ein Bild zu sein. Wenn plötzlich nicht mehr die Gottheit, sondern das Bild der Gottheit verehrt wird, hat sich der Mensch auch seiner Freiheit beraubt. Bekannt ist das Bilderverbot aus den monotheistischen Religionen. Im Zweiten Buch Mose heißt es unter den Zehn Geboten:

„Du sollst dir kein Götzenbild machen, auch keinerlei Abbild dessen, was oben im Himmel oder was unten auf der Erde oder was im Wasser unter der Erde ist. Du sollst dich vor ihnen nicht anbetend niederwerfen und ihnen nicht dienen.“
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Uli in st.eckdose am 24.08.2011 um 12.48 Uhr

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