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Der Blog des Goldseelchen-Verlags
für Tagfalter und Nachtdenker

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Entwurf eines Alptraums

Dystopia


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Bild: Uli
 (© Eckdose)

Wie wäre es, wir würden in einem totalitären Staat leben? Die Staatsform würde sich „demokratisch“ nennen, am Besten, das Land hätte als Namensbestandteil „Republik“. Ähnlich wie die „Volksrepublik China“ oder die „Deutsche Demokratische Republik“ wäre dem Regierenden wie auch dem Bürger seine Gleichberechtigung offenbar. Der unbedarfte Ausländer und manipulierte Bürger hätte beim wohlklingenden Staatsnamen sofort eine Form nach dem Vorbild attischer Polisdemokratie oder römischer Republik vor Augen.

Der Name aber ist nicht das Wichtigste. Bürger sollten Rechte haben, die sie nicht nur scheinbar, sondern auch ganz legal, im Zweifel vor Gericht, erhalten können. Dabei denke ich an immer wieder lakaienhaft betonte gewisse Menschenrechte, die auch von anderen Staaten verletzt werden können, woraufhin dann ein Aufschrei der Empörung durch die Öffentlichkeit gehen soll. Das wäre doch fesch, dem Bürger einen ganzen Katalog zu geben, dass er sich so richtig wohl fühlt. In der „DDR“ gab es das Recht auf Arbeit. Das klingt nett, ist aber manchem noch zu diktatorisch. Eingeschränktes lässt sich besser verstecken, wenn pauschalisiert wird.

Reden wir für unseren Staat von Menschenwürde und ergänzen diese um ein paar nicht weiter schädliche Freiheiten wie Meinungsfreiheit oder Freizügigkeit. Dass niemand diskriminiert werden darf, das schreiben wir auch in unsere Verfassung. Die Gesellschaft würde schon aufpassen, dass niemand „Neger“ sagt. Alles andere kann der oder die Betroffene bei einem entsprechenden Polizeiverhör sowieso nicht nachweisen.

Die Freizügigkeit ist ganz nett, wir schränken sie gerne mit einer Sondermethode ein. Weil sich die Bürger in ihrer unermesslichen Faulheit nicht gerne zur Arbeit berechtigen lassen, führen wir Schweigegelder ein, von denen man mit Bequemlichkeit gut leben kann. Damit diese Menschen auch dort bleiben, wo wir sie beobachten möchten, dürfen sie ihr Geld nur an der Schweigegeldstelle ihres Ortes abholen. Das Schweigegeld nennen wir „soziale Stütze“, damit die Zufriedenen sich fühlen wie bei Roms Panem et Circenses. Das lässt außerdem an Sozialstaat denken.

Unsere Meinungsfreiheit stützt das ganze System. Jeder darf sagen und schreiben, was er will. Je mehr Menschen das tun, desto weniger hört man noch Sinnvolles. Wir lassen einfach alle durcheinander brabbeln, dann ist jeder glücklich, dass er endlich sagen darf, was er denkt. Sollte dazwischen doch noch eine Stimme sein, die die Wahrheit erkennt und verbreitet, dabei auch noch vernommen wird, dann brauchen wir diese Stimme nicht zu erschlagen. Das machen die blindgläubigen Manipulierten bereits, indem sie die Stimme für verrückt erklären. Gebetsmühlenartig sprechen die Regimesprecher vor unseren gleichgeschalteten Medien davon, dass ja Meinungsfreiheit und Demokratie herrsche, die Bürger in regelmäßigen Abständen sich Mitglieder der Regierung an die Spitze wählen dürften und somit die Macht beim Volk läge.

Unsere Medien lassen wir in festgesteckten Gebieten von Verlagen verwalten, die allesamt das drucken, was ihnen diktiert wird. Unterschiede finden sich in der Länge der Nachrichtenmeldungen, sehr selten in der Wahl verschiedener Aufmacherbilder auf den Titeln der Zeitungen. Ganz vorsichtig wird mit höchster Professionalität Propaganda für einzelne Regierungsmitglieder betrieben. Das Prinzip ist dabei, nicht über Geschehnisse und Wahrheiten zu berichten, sondern die Regimemeinung unter Meldungen zu mischen, einfallslose Kommentare dagegen schreiben zu lassen und euphorische Jubelrufe in die Regimemeinung einstimmen zu lassen. Die meisten Nachrichten und Meldungen sind sowieso Spekulationen und Ideen, deren Zweck einzig Ablenkung und Manipulation ist.

Hin und wieder lassen wir die Menschen gesteuert ihre Beteiligung zu Wort kommen. Wir inszenieren Demonstrationen, die durch als unbeliebt inszenierte Projekte provoziert werden. Umweltbewusste Bürger sollen aufstehen gegen Atomkraft – und wir lassen dazu ein paar umweltbewusste Politiker zu Wort kommen. Ganz beliebt sind auch Protestmärsche gegen „Rechts“ und für „Toleranz“, um unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und die gelungene Integration aller zu betonen. So glaubt jeder halbintellektuelle Bürger, dass er dazugehört, liberal und tolerant ist. Damit sind die besonders nervigen Besserwisser, die glauben, sich in Politik einmischen zu müssen, ruhig gestellt und zufrieden.

Besonders abartig an unserer Dystopie eines totalitären Staates finde ich, dass dann die Mehrheit des Volkes an die Lügen glaubt. Die Scheindemokratie wirkt so perfekt, dass kaum einem Bürger Gedanken an ein besseres System kommen könnten. Einmal „gewählt“, können die Regimesprecher immer wieder auf ihre „Legitimation“ durch das Volk verweisen, im Zweifelsfall märtyrerhaft in „Opposition“ gehen oder kommende „Wahlen“ ankündigen.

Und munter plappern in unserer Vorstellung im Internet die freien Meinungsäußerungen durcheinander, brüllen die Schlagzeilen der gleichgeschalteten Medien die immer selben Nachrichten, zeigen die verarschten Bürger auf die armen unterdrückten Menschen, die in Diktaturen leben müssen.

Bin ich froh, dass das nur eine rein fiktive, alptraumhafte Staatsvorstellung ist.

Uli in Gesellschaft am 04.10.2010 um 12.01 Uhr

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