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Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Beschönigungen korrumpieren Sprache

Euphemia


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

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Auch Medien übernehmen unreflektiert die Euphemismen aus den Propaganda- und Pressestellen der Regierungen, schreiben teils ohne Anführungszeichen von „friedenssichernden Einsätzen“ der Bundeswehr – dabei muss doch schon Krieg herrschen, damit die Bundeswehr dorthin darf. Oder etwa nicht? Dass der Frieden nicht größer wird, wo Freiheiten oder Sicherheiten „verteidigt“ werden, ist mittlerweile eine Binsenweisheit, wie die IS-Kriegerinnen und -Krieger im friedensgesicherten Irak zeigten.

Der Krieg ist nicht genug

Was die Karriere der Kriegsministerien vormachte, wird auch in anderen gegenwärtigen Bereichen deutlich. Ein Beispiel ist das so genannte Gesundheitswesen – die Auswirkungen zeichnen sich noch in Zukunft ab. Krankenhäuser und Arztpraxen werden zu „Gesundheitszentren“ umbenannt. Um Obst zu essen und Yoga zu machen, muss kein Mensch in ein Gesundheitszentrum gehen. Dabei konstatierte schon Jesus, dass die Gesunden keinen Arzt brauchen.

Krankenkassen tragen als Untertitel „Ihre Gesundheitskasse“. Das Krankenkassen-Kärtchen verwandelt sich seit einem Jahrzehnt per Gesetz in die „elektronische Gesundheitskarte“, die aber erstaunlicherweise nicht meine Jahre ohne Krankheit, sondern nur die Krankheiten, Arztbesuche und Diagnosen aufzeichnet. Die einstige Krankenschwester wurde zur „Gesundheitspflegerin“; und das Ministerium, das sich dem Krieg gegen Seuchen und Krankheiten widmet, nennt sich Ministerium für Gesundheit.

Wehret den Anfängen

Orwells Roman „1984“, die düstere Dystopie einer totalen Diktatur, ist Karikatur der faschistischen und kommunistischen Regimes der 1940er Jahre und zugleich mahnendes Vorbild der sprachlichen Manipulation durch Regierungen. Durch das Austauschen von Wörtern mit ihrem Gegenteil - „Neusprech“ genannt - stellt in der Handlung des Romans die Regierung sicher, dass das Volk mitzieht. Widerspruch wird allein schon dadurch schwieriger, dass ihm die Worte entzogen werden. Wenn das Wort „Frieden“ Krieg bedeutet, wie kann man sich dann für Frieden einsetzen?

Unsere Sprache macht eine bedrohliche Entwicklung, wenn ihre Wandlungsfähigkeit missbraucht wird, um negative Begriffe willentlich durch ihr Gegenteil zu ersetzen. Vom Friedensministerium sind wir nicht mehr weit entfernt.

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Uli in Philosophie am 27.01.2018 um 14.32 Uhr

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