Der Blog des Goldseelchen-Verlags
für Tagfalter und Nachtdenker

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Gedanken zum unverhofften Feiertag

Der geschenkte Tag


Für eine größere Ansicht anklicken.
Fotograf: sophie
 (© Eckdose)

Wenn der Wecker zur selben Zeit klingelt, wie er immer klingelt, man ihm aber mit Genugtuung einen kleinen Klaps geben, sich umdrehen und einfach weitersnoozen kann, dann läuft hier irgendetwas anders als sonst. Kein Weg zur Arbeit, keine Sieben-komma-soundsoviel-Stunden, unterbrochen von einer kleinen Mittagspause. Keine Feierabendfahrt durch das Tagesdunkel. Kein normaler Tag. Ein geschenkter Tag.


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Fotograf: sophie
 (© Eckdose)

Wenn der Wecker zur selben Zeit klingelt, wie er immer klingelt, man ihm aber mit Genugtuung einen kleinen Klaps geben, sich umdrehen und einfach weitersnoozen kann, dann läuft hier irgendetwas anders als sonst. Kein Weg zur Arbeit, keine Sieben-komma-soundsoviel-Stunden, unterbrochen von einer kleinen Mittagspause. Keine Feierabendfahrt durch das Tagesdunkel. Kein normaler Tag. Ein geschenkter Tag.

Heute hat man also Sieben-komma-soundsoviel-Stunden mehr Zeit zur Verfügung als sonst, den Fahrtweg noch gar nicht mitgerechnet. Was macht man da?

Wenn man Kinder hat, geht man vielleicht in den Zoo. Oder wenn der Zoo zu weit weg ist, dann geht man vielleicht Enten füttern im Park. Wenn man keine Kinder hat, aber trotzdem raus will, kann der Sportliche ausgiebig joggen gehen, der weniger Sportliche kann der Körperpflege im Wellness-Bad nachgehen und die Mediumsportlichen machen vielleicht einen Spaziergang durchs Herbstlaub. Man könnte auch endlich mal wieder ein Buch lesen. Oder was backen wäre doch eigentlich auch nicht schlecht – die Läden haben ja sowieso zu. Deswegen gibt sich bestimmt auch mancher dem Online-Shopping hin oder wühlt sich einfach so durchs Netz: Vielleicht gibt’s ja einen neuen Text auf der Eckdose und wenn nicht dann wenigstens ein lustiges Katzenvideo auf Youtube.

Zeit. Einfach so.

Zeit. Immer noch.

Zeit. Sieben-komma-soundsoviel-Stunden.

Eigentlich ein tolles Geschenk, einfach so Zeit geschenkt zu bekommen. Es hängt nur kein Kärtchen am Geschenk: „Lieber Beschenkte, hiermit schenke ich Dir Zeit. Mach doch mal eine Radtour.“ oder „Liebe Beschenkte, hiermit schenke ich Dir Zeit. Ruf doch mal wieder Deine Oma an.“ Da ist eher so das imaginäre Kärtchen: „Liebe Beschenkte, hiermit schenke ich Euch Zeit. Nehmt sie Euch und macht was draus. Ich schreibe Euch da nichts vor, sonst wärs ja kein Geschenk. Ich vertraue Euch.“

Vorgeschrieben ist da also nichts, aber irgendwie in der Verantwortung fühlt man sich dann vielleicht doch. Wenn man zum Beispiel einen Gutschein geschenkt bekommt, dann will man den ja in der Regel auch nicht einfach verfallen lassen. Es wäre schade drum. Also hat man Zeit und will die irgendwie doch auch sinnvoll nutzen. Manchmal merkt man das auch erst hinterher – wenn man einige Stunden rumgegammelt hat und feststellt, dass es jetzt doch irgendwie auch schon zu spät ist, um „was Richtiges“ anzufangen.

Und genau genommen gilt das nicht nur für so einen geschenkten Tag.

Lebenszeit. Einfach so.

Lebenszeit. Immer noch.

Lebenszeit. Und man weiß selbst nicht, wie viele Stunden.

Eigentlich ein tolles Geschenk, die Lebenszeit. Und vielleicht hängt an ihr ja auch so ein kleines imaginäres Kärtchen: „Liebe Beschenkte, hiermit schenke ich Euch Lebenszeit. Nehmt sie Euch und macht was draus. Ich schreibe Euch da nichts vor, sonst wärs ja kein Geschenk. Ich vertraue Euch.“

  

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Das Bild ist übrigens ein Auszug aus dem neuen Goldseelchen-Buch »Achtsam leben. Worte zum Verweilen«. Es kommt Mitte November in die Regale. Mehr darüber folgt bald.

Heute hat man also Sieben-komma-soundsoviel-Stunden mehr Zeit zur Verfügung als sonst, den Fahrtweg noch gar nicht mitgerechnet. Was macht man da?

Wenn man Kinder hat, geht man vielleicht in den Zoo. Oder wenn der Zoo zu weit weg ist, dann geht man vielleicht Enten füttern im Park. Wenn man keine Kinder hat, aber trotzdem raus will, kann der Sportliche ausgiebig joggen gehen, der weniger Sportliche kann der Körperpflege im Wellness-Bad nachgehen und die Mediumsportlichen machen vielleicht einen Spaziergang durchs Herbstlaub. Man könnte auch endlich mal wieder ein Buch lesen. Oder was backen wäre doch eigentlich auch nicht schlecht – die Läden haben ja sowieso zu. Deswegen gibt sich bestimmt auch mancher dem Online-Shopping hin oder wühlt sich einfach so durchs Netz: Vielleicht gibt’s ja einen neuen Text auf der Eckdose und wenn nicht dann wenigstens ein lustiges Katzenvideo auf Youtube.

Zeit. Einfach so.

Zeit. Immer noch.

Zeit. Sieben-komma-soundsoviel-Stunden.

Eigentlich ein tolles Geschenk, einfach so Zeit geschenkt zu bekommen. Es hängt nur kein Kärtchen am Geschenk: „Lieber Beschenkte, hiermit schenke ich Dir Zeit. Mach doch mal eine Radtour.“ oder „Liebe Beschenkte, hiermit schenke ich Dir Zeit. Ruf doch mal wieder Deine Oma an.“ Da ist eher so das imaginäre Kärtchen: „Liebe Beschenkte, hiermit schenke ich Euch Zeit. Nehmt sie Euch und macht was draus. Ich schreibe Euch da nichts vor, sonst wärs ja kein Geschenk. Ich vertraue Euch.“

Vorgeschrieben ist da also nichts, aber irgendwie in der Verantwortung fühlt man sich dann vielleicht doch. Wenn man zum Beispiel einen Gutschein geschenkt bekommt, dann will man den ja in der Regel auch nicht einfach verfallen lassen. Es wäre schade drum. Also hat man Zeit und will die irgendwie doch auch sinnvoll nutzen. Manchmal merkt man das auch erst hinterher – wenn man einige Stunden rumgegammelt hat und feststellt, dass es jetzt doch irgendwie auch schon zu spät ist, um „was Richtiges“ anzufangen.

Und genau genommen gilt das nicht nur für so einen geschenkten Tag.

Lebenszeit. Einfach so.

Lebenszeit. Immer noch.

Lebenszeit. Und man weiß selbst nicht, wie viele Stunden.

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sophie in st.eckdose am 31.10.2017 um 12.25 Uhr

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