Der Blog des Goldseelchen-Verlags
für Tagfalter und Nachtdenker

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Auf den Spuren eines kollektiven Selbstbetrugs

Das Christkind ist eine Lüge!


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)


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Beim fröhlichen Zusammensitzen am vierten Advent kam die Rede auf Weihnachten und die schönen Erinnerungen aus der Kindheit. Eine Beteiligte mit katholischer Erziehung nannte das Christkind als Leitfigur: „Ich habe die schenkende Lichtgestalt immer als Mädchen empfunden, was ja ganz falsch ist, schließlich ist das doch Jesus.“ Die Information, dass das Mädchen schon so richtig ist, sorgte für verdutzte Gesichter. Enttäuscht fiel die Reaktion darüber aus, dass Martin Luther Urheber des Christkind-Brauches ist. Der Reformator hat das Christkind als ein „Christen-Kind“ propagiert. Ein Kind – und das konnte durchaus ein Mädchen sein – sollte stellvertretend für die Christenheit die Menschen anlässlich der Geburt des Heilands beschenken. Zuvor hatten Füchse und andere volkstümliche Gestalten für die Bescherung gesorgt. Das Christkind ist also weder das Jesuskind noch ursprünglich katholisch.

Nach dieser Episode erzählte ein anderer Anwesender von seinen Bekannten. Die hätten doch tatsächlich ihrem Kind weder Christkind noch Weihnachtsmann vorgestellt. Als Erklärung für die Bescherung diente bei ihnen: „An Weihnachten ist Jesus geboren. Und weil wir uns darüber freuen, schenken wir uns etwas.“

Betroffene, entsetzte Stille stand in der Luft.

„Ja genau. Und beim Fußball ist übrigens auch alles geschoben.“, brachte es einer auf den Punkt. Nehmt den Kindern doch nicht den letzten Zauber aus der Welt.

Unausgesprochene Einigkeit schien in der Runde zu herrschen darüber, dass man... ja, worüber denn? Dass hier Eltern ihrem Kind den wahren Grund für die sonst grundlose Schenkerei nennen? Oder eher, dass hier einem Kind das ungeschriebene Recht auf sinnlose Mythen verweigert wird?

Kindern ist es vollkommen egal, wer ihnen die Geschenke bringt. Kindern sind auch die Geschenke egal, wenn sie wahre Wertschätzung, Geborgenheit und Liebe erfahren können. Kinder brauchen außerdem keine Mythen. Die Geschichte vom Weihnachtsmann, vom Christkind oder vom Fuchs ist für kein Kind hilfreich oder gar in der Entwicklung notwendig. Es ist ein kindisches Rollenspiel, das auch im liberal-intellektuellen Milieu mit einer Überzeugung veranstaltet wird, als würden die Eltern selbst das Christkind für wahr halten. Diese Rituale sind reine Ergötzung für die Eltern – oder verbirgt sich ein anderer Grund hinter diesem Puppenspiel ohne Puppen?

Die Empörung in erwähnter Runde macht klar, dass Luthers Idee mit dem Christkind ihr Ziel verfehlt hat. Das Christkind sollte ja gerade helfen, die Erfindung nichtrealer Figuren zu vermeiden. Warum also halten Erwachsene so am Unsinn fest?

Vielleicht, weil ihnen der Glaube fehlt. Der Glaube daran, dass Gott vom Leben eines jeden einzelnen Menschen weiß. Konkreter: Dass da jemand ist, der weiß, wie man sich als Kind fühlt. Der versteht, wie man sich fühlt, wenn man Angst hat, wenn man traurig ist, wenn man sich ungeliebt fühlt. Es fehlt vielen Eltern der Glaube daran, dass Gott ansprechbar ist.

Kommt das Kind dahinter, dass das Christkind möglicherweise gar nicht die Geschenke bringe, wird mit Eiden und Beteuerungen die Geschichte aufrecht erhalten, werden Beweise gefälscht. Doch sobald ein Kind alt genug ist, um den Kleiderschrank im elterlichen Schlafzimmer selbst aufzuschließen, wird ihm feierlich verkündet, dass es jetzt alt genug sei, um zu erfahren, dass es das Christkind nicht gibt. Erst belügen, dann belehren?

Doch hat man selbst mal an das Christkind geglaubt. Man erinnert sich an die Erfahrungen, die man mit dem unsichtbaren Engelwesen in Verbindung gebracht hat. Man schämt sich halb der Naivität, die man mit kindlicher Leichtigkeit den elterlichen Erzählungen und Beteuerungen entgegen gebracht hat. Und dann kommen all die anderen Erfahrungen und Geborgenheiten in der Erinnerung hoch. Es wird einem peinlich, dass man überhaupt etwas glaubt, von dem man nur hören kann.

So beschließt man dann auch noch, dass die Kinder jetzt auch über das Alter hinaus seien, am Esstisch oder vor dem Einschlafen zu beten. Als wären Gebete nichts, als wäre man selbst der Grund der Existenz. Als sei der Schöpfer der Welt und der Herr über Leben und Tod in der selben Kategorie einzuordnen wie eine Lüge, die man selbst verbreitet hat. Diese Lüge, die darüber hinwegtäuscht, dass man den Anlass für die Geschenke aus dem eigenen Leben ausgesperrt hat.

Beim fröhlichen Zusammensitzen am vierten Advent kam die Rede auf Weihnachten und die schönen Erinnerungen aus der Kindheit. Eine Beteiligte mit katholischer Erziehung nannte das Christkind als Leitfigur: „Ich habe die schenkende Lichtgestalt immer als Mädchen empfunden, was ja ganz falsch ist, schließlich ist das doch Jesus.“ Die Information, dass das Mädchen schon so richtig ist, sorgte für verdutzte Gesichter. Enttäuscht fiel die Reaktion darüber aus, dass Martin Luther Urheber des Christkind-Brauches ist. Der Reformator hat das Christkind als ein „Christen-Kind“ propagiert. Ein Kind – und das konnte durchaus ein Mädchen sein – sollte stellvertretend für die Christenheit die Menschen anlässlich der Geburt des Heilands beschenken. Zuvor hatten Füchse und andere volkstümliche Gestalten für die Bescherung gesorgt. Das Christkind ist also weder das Jesuskind noch ursprünglich katholisch.

Nach dieser Episode erzählte ein anderer Anwesender von seinen Bekannten. Die hätten doch tatsächlich ihrem Kind weder Christkind noch Weihnachtsmann vorgestellt. Als Erklärung für die Bescherung diente bei ihnen: „An Weihnachten ist Jesus geboren. Und weil wir uns darüber freuen, schenken wir uns etwas.“

Betroffene, entsetzte Stille stand in der Luft.

„Ja genau. Und beim Fußball ist übrigens auch alles geschoben.“, brachte es einer auf den Punkt. Nehmt den Kindern doch nicht den letzten Zauber aus der Welt.

Unausgesprochene Einigkeit schien in der Runde zu herrschen darüber, dass man... ja, worüber denn? Dass hier Eltern ihrem Kind den wahren Grund für die sonst grundlose Schenkerei nennen? Oder eher, dass hier einem Kind das ungeschriebene Recht auf sinnlose Mythen verweigert wird?

Kindern ist es vollkommen egal, wer ihnen die Geschenke bringt. Kindern sind auch die Geschenke egal, wenn sie wahre Wertschätzung, Geborgenheit und Liebe erfahren können. Kinder brauchen außerdem keine Mythen. Die Geschichte vom Weihnachtsmann, vom Christkind oder vom Fuchs ist für kein Kind hilfreich oder gar in der Entwicklung notwendig. Es ist ein kindisches Rollenspiel, das auch im liberal-intellektuellen Milieu mit einer Überzeugung veranstaltet wird, als würden die Eltern selbst das Christkind für wahr halten. Diese Rituale sind reine Ergötzung für die Eltern – oder verbirgt sich ein anderer Grund hinter diesem Puppenspiel ohne Puppen?

Die Empörung in erwähnter Runde macht klar, dass Luthers Idee mit dem Christkind ihr Ziel verfehlt hat. Das Christkind sollte ja gerade helfen, die Erfindung nichtrealer Figuren zu vermeiden. Warum also halten Erwachsene so am Unsinn fest?

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Uli in st.eckdose am 23.12.2015 um 12.58 Uhr


Text von https://eckdose.de?art=346 . Alle Rechte vorbehalten.