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Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Leben zwischen Überwachung und Bequemlichkeit

Wie weit geht Vorsicht?


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Verfolgungswahn macht vorsichtigen Menschen das Leben schwer. Etwa, wenn ich hinter der bequemen Möglichkeit, bargeldlos zu bezahlen, auch die Überwachung meines Einkaufs durch meine Bank sehe. Will ich nicht überwacht werden, bleibt als Ausweg nur, vor jedem Gang zum Supermarkt den Geldbestand in meinem Geldbeutel zu überprüfen. Und Menschen, die sich nicht verfolgt fühlen, macht der Verfolgungswahn anderer das Leben auch nicht leichter. Der Supermarktbetreiber muss das Bargeld, das er von mir bekommen hat, zur Bank tragen.

Um es leichter zu haben, könnte der Supermarktbetreiber nur noch bargeldlose Zahlungen akzeptieren. Dann würden aber Menschen, die das nicht möchten, nur noch bei der Bargeld-Konkurrenz einkaufen. Weil das der Supermarktbetreiber auch nicht will, erlaubt er mir meine Paranoia. Und behält den Aufwand mit meinem Bargeld. Kaufe ich im Internet ein, sollte mir sowieso bewusst sein, dass Banken, Zahlungsdienste und Verkaufsplattformen fleißig mitlesen und speichern, was ich so bequem per Mausklick kaufe.

In den Vereinigten Staaten haben einige Supermärkte die Überwachung direkt geschaltet. Die Medien sind voll von Berichten kritischer Journalisten, die nach dem Einkauf bestimmter Medikamente oder Babynahrung „zufällig“ zutreffende Anfragen von Krankenkassen bezüglich Krankheitsbilder oder Schwangerschaften bekamen. Mit Klubkarten bekommen Kunden „Rabatte“, die auf den Preisschildern bereits ausgeschrieben sind. Auch mit Klubkarte zahlen Kunden mehr als in Supermärkten, die keine Klubkarten „anbieten“. Wenn ich etwa bei Safeways einkaufe, kann ich mich vorm Bezahlen als Klubmitglied anmelden und profitiere bereits. Der Supermarkt kann so ein schönes Überwachungsprofil anlegen und meine Daten an die Krankenkasse verkaufen. Den Soziologen zeigt das Kaufverhalten, dass Menschen ihre Freiheit gegen das Gefühl tauschen, etwas gespart zu haben.

In Deutschland hat Ikea mit seiner Ikea-Family ein ähnliches System. Statt Geld gibt es ein Heißgetränk. Jedes Mal, wenn ich mir einen Kaffee hole, speichert das Möbelhaus, dass ich wieder da war. Gleich mehrere Läden überwachen mich mit der so genannten Packback-Karte. Ob ich Drogerie-Artikel oder Gemüse kaufe: Gemeinsam wissen die Partnerunternehmen, was für ein Mensch da an Centbeträgen spart. Überzeugend für die deutschen Verbraucher scheint zu sein, dass sie nur eine Klubkarte für viele Läden brauchen.

Ähnlich wie auf das Sparen reagieren Menschen auf das Gefühl, gebraucht zu werden. Wer sich das Gefühl nicht aus seinem Weltbild oder einer sinnstiftenden Tätigkeit ziehen kann, ist anfällig für Hilferufe und solche, die sich danach anhören. Je zugänglicher die Leistung ist, die man erbringen muss, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass viele mitziehen. Das Phänomen ist sicherlich nützlich. So kann nach Katastrophen schnell Geld gesammelt werden. Oder so können wichtige Anliegen viele Unterstützer-Unterschriften finden.

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Uli in Gesellschaft am 22.06.2015 um 21.19 Uhr

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