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Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Aufgabe des Menschen: Gib den Dingen Namen

Etikettenschwindel


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

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Vordergründig sind es vier verschiedene Namen. Doch kommen nicht nur vier Kinder zur Welt, sondern deutlich mehr. Eltern und solche, die es werden möchten, greifen für ihre Etikettierung aber nicht auf die Fülle an möglichen Namen zurück. Stattdessen orientieren sie sich an einer winzigen Auswahl, bei denen die nächsten Modenamen bereits feststehen. Auf der Suche nach Namen, die scheinbar individuell sind, wird dann das Etikett beschlossen, das noch kein bekanntes Kind besitzt. Ist das Kind dann aber Jahre später da, könnte eine vierzügige Grundschule mit Ben-, Mia-, Elias- und Sophieklassen gefüllt werden.

Erstaunlicherweise wird die Auswahl durch die weltweite Vernetzung nicht größer, sondern nur gleicher. So zeichnet sich die Tendenz ab, Modenamen mit Buchstaben-Wechseln vermeintlich individueller zu gestalten. Ben wird Ken, Mia wird Lia, Elias zu Liam, Sophie zu Sofia. Passender wird dadurch kein Name. Der Mensch verkündet durch das Etikett nur seine Unfähigkeit, der Benennungs-Aufgabe nachzukommen.

Was er sich sogar sparen könnte. Ein Kind wird selten bei seinem Etikett gerufen. Piepst eine Mutter „Mäuschen“ oder „Schätzchen“ in den Raum, fühlen sich alle Ben, Mia, Elias und Sophie zugleich angesprochen.

Früher war es jedoch kaum besser. Im Mittelalter gab es Heinrich und Konrad, Mechthild und Kunigunde in solchen Mengen, dass man Familiennamen zur Unterscheidung einführen musste. Die altdeutschen zweigliedrigen Personennamen hatten noch ihre Bedeutung, waren Wünsche oder Herkunftsanzeigen. Bernhard etwa ist der Bärenstarke, Walburga die Beschützerin der Helden. Theoderich – wörtlich etwa der „Reiche aus der Gesellschaft“ – war Vater von Amalaswinta. Der erste Namensteil „Amala-“ verweist auf ihre Herkunft aus dem Geschlecht der Amaler. Ob da das Wesen der Benannten besser getroffen wurde als mit Mia oder Elias, lässt sich heute nicht mehr klären.

Die eigene Namenswahl einem Menschen selbst zu überlassen, wie es in China Sitte ist, eignet sich auch nicht für jeden. Heutzutage sind viele überfordert, sich aus freien Stücken für eine Weltanschauung, ja sogar für ein Tattoo zu entscheiden, dem sie ein Leben lang treu bleiben. Sollte das Benennen der Mitgeschöpfe tatsächlich eine Aufgabe des Menschen sein, dann ist diese Aufgabe zu schwer für ihn.

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Uli in Gesellschaft am 19.04.2015 um 18.58 Uhr

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