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Der Blog des Goldseelchen-Verlags
für Tagfalter und Nachtdenker

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Zum Gebrauch der Wendung „Art und Weise“

Weg oder Wesen


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Doppelworte wie „Art und Weise“ haben in der deutschen Sprache ein schweres Schicksal. Bei unbedachtem Gebrauch verlieren sie ihre Aussagekraft. Wenn der Sprecher meint, mit mehr Worten auch mehr zu sagen, leidet darunter das, was er sagen möchte. Das ist schade, denn feste Doppelworte haben ihren eigenen Sinn. Sie sind nicht einfach nur ein aufgeblähtes Synonym eines Bestandteils.

Ein echtes Doppelwort sagt nicht zweimal dasselbe. Es entsteht dort, wo einem Menschen mit Feingefühl für Sprache ein Wort fehlt. Wenn das, was er sagen möchte, nicht präzise von den Begriffen, die zur Verfügung stehen, beschrieben wird. Das kann zum Beispiel eine fehlende Sammelbezeichnung sein: Jene Vorstellungen und Grundlagen, die das Denken und Handeln eines Menschen in einer Gemeinschaft bestimmen, wie heißen sie, will man sie an der Schule vermitteln? In Niedersachsen wurde das Ersatzfach für den Religionsunterricht aus Verlegenheit „Werte und Normen“ genannt. Darin sind einerseits individuelle und übergreifende Wertvorstellungen enthalten, die sich auch relativ schnell verändern können. Die Normen, andererseits, sind durch Gebrauch festgesetzte Vorstellungen in der Gesellschaft, die den Rahmen der Handlungen beschreiben.

Es wirkt unfreiwillig komisch, wird der übergreifende Name des Schulfachs unbedacht verwendet für Ethos, Moral, Prinzipien, sogar Ziele. Manche machen das.

Weiter verbreitet findet sich die Unsitte, das Doppelwort „Art und Weise“ bis zum Sinnverfall zu nutzen. Wendungen wie „Diese Art und Weise ist mir unbekannt“, „Die Art und Weise, wie du das tust ...“, „Die Art und Weise, wie diese Debatte geführt wird...“.

„Art und Weise“ meint nicht, dass Art oder Weise gemeint sind. Art und Weise sagen nicht das Gleiche. Die Weise ist ein Weg, etwas durchzuführen. Als Synonym zur Melodie wird das deutlich. Eine Volksweise etwa, also eine Melodie, deren Ursprung im Volk angenommen wird, bedeutet: So, wie das Volk diesen Text vorträgt.

Wenn jemand etwas falsch herum angeht, dann geschieht das auf „falsche Weise“.

Die Weise ist mit dem Durchführen verbunden.

Auf der anderen Seite der Handlung findet sich die Art. Die Art ist das Wesen, das etwas oder jemandem anhaftet. Manche Eigenschaft kann angelernt sein, eine andere Eigenschaft ist durch den Körper festgelegt.

Jedenfalls ist die Art nahezu untrennbar mit dem Ausführenden oder der ausgeführten Sache verbunden.

Wenn die Art und Weise, wie jemand etwas tut, falsch ist, dann bedeutet das, dass sowohl die Eigenschaft, die jemand hat, falsch ist, als auch der Weg, wie jemand es durchführt, falsch ist.

Um mehr zu sagen, kann die Art und Weise aufgetrennt werden. Ist es das Wesen, das gemeint ist? Oder ist es der Weg der angesprochen wird?

Wer weiß, was er sagen möchte, kann dies auch mit den richtigen Worten tun.

Es ist nicht nötig, sich hinter Doppelworten zu verstecken.

Uli in Philosophie am 10.09.2013 um 09.12 Uhr


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