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Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Glaubenskritik: Sonntagsrede mal wieder voll daneben

Was des Kaisers ist


Urheber: Uli
 (Creative Commons)

„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“, sagte einmal ein weiser Mann, als er zu weltanschaulichen Fragen über finanzielle Dinge gefragt wurde. Frei übersetzt schiebt er damit die geldlichen Angelegenheiten heraus aus dem spirituellen Bereich. Glauben, so heißt es, ist der eine Teil. Wer seine Welt begründet hat in Vorstellungen, die jenseits aller Physik liegen, der sollte dann kein Problem damit haben, Sachen in der Physik zu regeln. Also auch, Geld zu verdienen und Steuern zu zahlen.

Schön, wir haben also eine Gruppe von Menschen, Christen genannt, die im Großen und Ganzen den Lehren des weisen Mannes folgen. Sie halten sich für fromm, sich fern von den Ungläubigen und betonen immer wieder, von Gesetz und Weltlichkeit befreit zu sein. Diese Befreiung dürfe man freilich nur im Übertragenen verstehen. Man ist ja als gläubiger Christ zugleich aufgeklärter Staatsbürger im Sinne Kants. Als solchem gelingt es dem Christen vortrefflich, das Weltliche so sehr zu akzeptieren, dass er Geld anhäuft, Steuern spart und nach irdischem Reichtum strebt. Ohne, natürlich, sich selbst zu verleugnen.

Ein moderner Christ gibt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Hat er ja schließlich selbst genug davon. Geld regiert die Welt. Mehr, als es der Weltenherrscher tut, den er in seinem Glaubens- und Traditionsbewusstsein mit einem gewaltigen Überlegenheitsgefühl einen jeden Sonntag in seiner Vorortgemeinde preist.

Da schickt es sich gut, dass in einem zehnminütigen Abkündigungsblock von großzügigen Einzelspenden geredet wird, Firmen und stinkreichen Organisationen Honig ums Maul geschmiert wird, wenn Kredite „unkompliziert“ vergeben worden waren. Und am Ende wird abermals Geld gefordert – für die Bauprojekte des Dekanats. Wird dann kommende Woche womöglich noch ein Gottesdienst für den Großmut des Millionärs gestiftet, der einen weiteren Tausender von der Steuer absetzen konnte? Warum blickt keiner mehr auf die einsame Rentnerin, die, vier Kinder großgezogen, von ihrem Unterhalt kaum leben kann, und sich dennoch Gottesdienst für Gottesdienst, Woche für Woche, zwanzig Euro abspart (vgl. Mk 12,43)?

Es scheint als sei die Kirche ziemlich „des Kaisers“ geworden.

Uli in st.eckdose am 21.03.2010 um 11.46 Uhr

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