Zur Startseite Eck.Dose

Der Blog des Goldseelchen-Verlags
für Tagfalter und Nachtdenker

Der Blog des Goldseelchen-Verlags



Kommentar zum Berliner „Gebetsverbot“

Gebet und Ritual


Für eine größere Ansicht anklicken.
Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

„Junger Muslim darf nicht in der Schule beten“, titelt die „Zeit“. Armer Yunus M., dass nicht nur Lehrer seine Religionsfreiheit einschränken, sondern auch noch die Gerichte. Wäre es hier tatsächlich um Religionsfreiheit und den Wunsch, zu beten, gegangen, würde ich der Ansicht zustimmen, dass hier ein allgemeiner Angriff auf die Überzeugungsfreiheit von Christen, Muslimen, sogar von Atheisten gestartet wurde. Mir stellt sich – möglicherweise durch ein verschobenes Bild dessen, was Gebet sein soll – das Urteil nur als Einzelfall-Entscheidung dar.

Individuelles Gebet und Gruppen-Ritual

Mit der Überschrift in den Medien klingt es so, als sei einem Glaubenden das „Gespräch mit Gott“ verboten worden. Davon abgesehen, dass weder Gott noch ein Gespräch zu ihm verboten werden können, wollte Yunus in der Pause, so schließe ich aus den Fall-Schilderungen, nicht nur ein Gespräch mit Gott führen. Er wollte dieses Gespräch im Ritual, in Gemeinschaft mit Anderen, bewusst vor anderen Schüler führen. Sonst hätten sich Lehrer auch nicht angegriffen gefühlt, und sonst hätte er – so die Berichte – den ihm später von Gerichten zugeschriebenen Raum auch genutzt.

Meiner Meinung nach besteht ein Unterschied zwischen dem individuellen Gebet und öffentlichem Gruppen-Ritual. In der laizistischen Türkei ist es für Muslime kein Problem, alleine in einem ruhigen Raum am Rande des Geschehens ihren Gebetsteppich auszurollen. So gingen und gehen auch andere gläubige Muslime im öffentlichen Leben in Deutschland ihrer Gebetspflicht nach.

Eine Einzelfall-Entscheidung

Der gegenwärtige Fall klingt nach Provokation einerseits und radikalen Ängsten andererseits. Mit etwas Selbstbewusstsein hätten die Lehrer das Gebet auch in der Gruppe und im Ritual ermöglichen können, ohne einen Streit vom Zaun zu brechen und ohne religiöse Formen an der Schule generell in Frage zu stellen. Der Ton macht die Musik, und darum ist der Hinweis des Gerichts, das Verbot sei eine Einzelfall-Entscheidung, für mich von Bedeutung.

Artikel-Seite:
12

Uli in st.eckdose am 01.12.2011 um 11.11 Uhr


Text von https://eckdose.de?art=259 . Alle Rechte vorbehalten.