Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Im Internet verliert der Tod seine Wirklichkeit

Nie da, aber erreichbar


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)


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Nana war eine Internet-Bekanntschaft. Irgendwann war sie im Ort aufgetaucht. Man hat sich gut unterhalten. Dann verschwand sie wieder.

Damals gab es noch ICQ. Um gefunden zu werden, nutzte ich meinen Klarnamen. Es gab ja auch kein Profil, das öffentlich einsehbar war. Sie wurde fündig.

Gelegentlich folgten Gespräche in Textform. Austausch über Neuigkeiten. Musik. Gedanken zur Welt. Gedanken über Gott. Und auch seelischen Beistand, als das mit ihrem ersten Freund nicht so gut lief. Sie war erreichbar, wenn ich jemanden brauchte, der zuhörte.

Manchmal nervte sie, mit ihrer meist dunklen Sicht auf die Welt.

Manchmal faszinierte sie, mit ihrem Interesse an der dunklen Sicht auf die Welt.

Die Erreichbarkeit über das Chatprogramm wurde mir mit der Zeit unpraktisch. War man online, konnte man nichts anderes gleichzeitig tun. Immer seltener meldete ich mich an.

Wenn ich doch jemandem schreiben wollte, konnte ich mich immer noch anmelden. Nana war meist da. Und wenn nicht, war sie eine Woche später wieder da. Sie war häufiger auch irgendwo ohne Internet unterwegs, obwohl das Netz ihr ein Zuhause war.

Irgendwann wurde der Kontakt einseitig. Sie appellierte an die Freundschaft. Fühlte sich allein gelassen. Auch von mir. Aber am meisten von denen, die neunzehn Jahre zuvor beschlossen hatten, ein Kind zu bekommen. Die, deren Solidarität sie sich wünschte, aber nicht bekam.

Ich wusste: Wenn ich mich mit Nana austauschen wollte, brauchte ich mich nur anzumelden und ihr zu schreiben. Oder ich könnte sie googeln. In irgendeiner Community war sie immer angemeldet. Dort würde ich sie erreichen.

Nana war nie da. Aber sie war erreichbar.

Wie es andersherum war, weiß ich nicht. Sie schrieb mir manchmal in das Gästebuch auf meiner Homepage. Wünschte sich Solidarität.

Dann kam eine verzweifelte E-Mail. Ob ich ihr Aufmerksamkeit schenken würde, fragte sie indirekt.

Meine Antwort erfreute sie dann. Obgleich sie nicht damit gerechnet hatte, sie zu erhalten. Alleine das Beantworten dieser Schreiben und das Zuhören meinerseits seien ihr Hilfe genug.

Mit der Antwort auf die weitere E-Mail lies ich mir Zeit. Eine richtige Antwort wollte ich schreiben. Eine Reaktion darauf erhielt ich nicht.

Vielleicht war sie verletzt von der Art der Antwort. Oder sie war unterwegs.

Ich wusste: Wenn ich mich mit Nana austauschen wollte, brauchte ich mich nur anzumelden und ihr zu schreiben. Oder ich könnte sie googeln. In irgendeiner Community war sie immer angemeldet. Dort würde ich sie erreichen.

Tatsächlich fand ich sie. Über Google. Ihr Name stand auf einer Traueranzeige. Darunter standen die Namen derer, deren Solidarität sie sich gewünscht hatte.

Längst ist die Traueranzeige wieder offline.

Es fühlt sich unwirklich an. Kaum etwas hat sich geändert. Ich finde sie immer noch bei Google. In irgendeiner Community ist sie noch angemeldet. Ihre Beiträge könnten von vergangener Woche stammen.

Nana war nie da. Aber sie war erreichbar.

Nana war eine Internet-Bekanntschaft. Irgendwann war sie im Ort aufgetaucht. Man hat sich gut unterhalten. Dann verschwand sie wieder.

Damals gab es noch ICQ. Um gefunden zu werden, nutzte ich meinen Klarnamen. Es gab ja auch kein Profil, das öffentlich einsehbar war. Sie wurde fündig.

Gelegentlich folgten Gespräche in Textform. Austausch über Neuigkeiten. Musik. Gedanken zur Welt. Gedanken über Gott. Und auch seelischen Beistand, als das mit ihrem ersten Freund nicht so gut lief. Sie war erreichbar, wenn ich jemanden brauchte, der zuhörte.

Manchmal nervte sie, mit ihrer meist dunklen Sicht auf die Welt.

Manchmal faszinierte sie, mit ihrem Interesse an der dunklen Sicht auf die Welt.

Die Erreichbarkeit über das Chatprogramm wurde mir mit der Zeit unpraktisch. War man online, konnte man nichts anderes gleichzeitig tun. Immer seltener meldete ich mich an.

Wenn ich doch jemandem schreiben wollte, konnte ich mich immer noch anmelden. Nana war meist da. Und wenn nicht, war sie eine Woche später wieder da. Sie war häufiger auch irgendwo ohne Internet unterwegs, obwohl das Netz ihr ein Zuhause war.

Irgendwann wurde der Kontakt einseitig. Sie appellierte an die Freundschaft. Fühlte sich allein gelassen. Auch von mir. Aber am meisten von denen, die neunzehn Jahre zuvor beschlossen hatten, ein Kind zu bekommen. Die, deren Solidarität sie sich wünschte, aber nicht bekam.

Ich wusste: Wenn ich mich mit Nana austauschen wollte, brauchte ich mich nur anzumelden und ihr zu schreiben. Oder ich könnte sie googeln. In irgendeiner Community war sie immer angemeldet. Dort würde ich sie erreichen.

Nana war nie da. Aber sie war erreichbar.

Wie es andersherum war, weiß ich nicht. Sie schrieb mir manchmal in das Gästebuch auf meiner Homepage. Wünschte sich Solidarität.

Dann kam eine verzweifelte E-Mail. Ob ich ihr Aufmerksamkeit schenken würde, fragte sie indirekt.

Meine Antwort erfreute sie dann. Obgleich sie nicht damit gerechnet hatte, sie zu erhalten. Alleine das Beantworten dieser Schreiben und das Zuhören meinerseits seien ihr Hilfe genug.

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Uli in Lebenskunde am 20.09.2013 um 11.55 Uhr

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