Der Blog des Goldseelchen-Verlags
für Tagfalter und Nachtdenker

Der Blog des Goldseelchen-Verlags für Tagfalter und Nachtdenker

Der Blog des Goldseelchen-Verlags



Ostern leben

Sozialer Tod und soziale Auferstehung?


Für eine größere Ansicht anklicken.
Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Wie über den Lebensbeginn ist die Wissenschaft über das Lebensende uneins. Da gibt es den Herztod, den Hirntod, das Ende der Verdauungsfunktionen. Die Bibel und die Sozialwissenschaften kennen noch den sozialen Tod. Vom körperlichen Tod befreit die Auferstehung. Gibt es zum sozialen Tod auch die soziale Auferstehung?


Für eine größere Ansicht anklicken.
Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Wie über den Lebensbeginn ist die Wissenschaft über das Lebensende uneins. Da gibt es den Herztod, den Hirntod, das Ende der Verdauungsfunktionen. Die Bibel und die Sozialwissenschaften kennen noch den sozialen Tod. Vom körperlichen Tod befreit die Auferstehung. Gibt es zum sozialen Tod auch die soziale Auferstehung?

Der soziale Tod ist kein Tod, der besonders „sozialverträglich“ ist – wie etwa ein Dahinscheiden zum Renteneintritt. Der soziale Tod bedeutet, von Gemeinschaft und Gesellschaft so ausgegrenzt zu sein, als wäre der Mensch bereits gestorben. Als Großstadtphänomen ist bekannt, dass manche Körper unentdeckt monatelang in ihrer Wohnung tot liegen und nur noch die aufgeschlagene Zeitung vom vergangenen September davon erzählt, dass diese Menschen einst gelebt hatten. Das ist nur möglich, wenn die Menschen vorher bereits sozial tot sind. Für die Umgebung macht es dann keinen Unterschied, ob die Menschen körperlich noch am Leben sind oder nicht.

Im Alten Testament treten einige Klagen von Menschen zu Tage, die sich fühlen, als seien sie bereits gestorben. In den Psalmen klagen Beter zu Gott, dass die Gesellschaft sie ausgrenzt und nicht mehr teilhaben lässt. Zwar würden die Anderen sicherlich mitbekommen, wenn die Ausgegrenzten tatsächlich stürben. Das Gefühl dürfte aber ähnlich sein, wie wenn alte und nicht so alte Menschen längst vergessen in ihren Wohnungen die Stunden zählen, bis sie nicht mehr die aktuelle Zeitung aufschlagen werden.

Hiob, der ausgegrenzt wird, weil er mit seiner Krankheit als unrein gilt, verflucht den Tag seiner Geburt. Er wäre lieber schon jetzt tot, als dass er noch länger den sozialen Tod ertragen müsste. Der soziale Tod findet im Alten Testament nur auf zwei Weisen seinen Abschluss. Entweder nimmt einen die Gemeinschaft wieder auf, oder aber ein Mensch stirbt körperlich.

Im Gegensatz zum Alten Testament hat sich die Grenze des sozialen Todes heute verschoben. Der soziale Tod tritt nicht mehr zeitgleich mit dem körperlichen ein. Im Internet leben manche Menschen über ihren Tod hinaus. Nachrichten können lange nach dem Datum der Sterbeurkunde verschickt werden. Man kann im Chat den Verstorbenen erzählen, was man heute gemacht hat. Facebook ermöglicht auch fünf Jahre nach dem körperlichen Tod noch, zum Geburtstag zu gratulieren. Manche Gedenkseiten mit Bildern und Zitaten sind so eingebunden in das soziale Leben der Hiergebliebenen, als dürfte man die Lebenden nicht bei den Toten suchen.

Wenn Christen glauben, dass auf den irdischen Tod die Auferstehung folgt, was haben sie dann zum sozialen Tod zu sagen? Folgt nach ihm die soziale Auferstehung? Und wenn ja, wann?

Eine Antwort wäre so, wie es Hiob wünscht: der irdische Tod wäre das Ende des sozialen Todes – mit der Folge der Auferstehung. Aber der Mensch muss nicht sterben, um zu leben. Das hat Jesus bereits getan. Doch Jesus stand auch nicht auf und fuhr sogleich in den Himmel auf. Als er auferstanden ist, hat Jesus die Gemeinschaft mit den Traurigen und Verlassenen gesucht. Jesus kam zu denen, die dachten, ihr Leben sei schon zu Ende gegangen, obwohl sie noch am Leben waren.

So zum Beispiel bei den Jüngern von Emmaus. Zwei Nachfolger Jesu sind derart erschlagen vom Tod ihrer Hoffnung, dass sie mit gesenktem Blick ihren Weg nebeneinander gehen. Was links und rechts von ihnen ist, sehen sie nicht mehr. Sie nehmen nicht einmal den wahr, der sie auf ihrem Weg begleitet und genauso traurig ist, wie sie selbst. Die beiden sind gemeinsam so tot, dass sie nicht einmal mehr merken, dass sie es gemeinsam sind. So würden sie den Weg noch ewig traben, wenn da nicht der Auferstandene wäre. Er schließt sich den beiden an, geht still ein Stück Weges mit und feiert schließlich die Gemeinschaft mit ihnen. Als er wieder weg ist, sind die beiden befreit, sich gegenseitig sehen zu können. Sie sind nicht mehr gemeinsam tot, sondern haben die soziale Auferstehung erlebt. Den weiteren Weg gehen sie nicht mehr nebeneinander, sondern miteinander.

Emmaus heißt heute vielleicht nicht mehr Emmaus, sondern Mehrfamilienhaus oder Internetforum. Der Weg nach Emmaus kann der Weg zur Nachbarin oder zum Nachbarn sein oder ehrliche Worte im Nachrichtenverlauf.

Jesus ist auferstanden. Er hat uns befreit, Auferstehung zu leben.

Der soziale Tod ist kein Tod, der besonders „sozialverträglich“ ist – wie etwa ein Dahinscheiden zum Renteneintritt. Der soziale Tod bedeutet, von Gemeinschaft und Gesellschaft so ausgegrenzt zu sein, als wäre der Mensch bereits gestorben. Als Großstadtphänomen ist bekannt, dass manche Körper unentdeckt monatelang in ihrer Wohnung tot liegen und nur noch die aufgeschlagene Zeitung vom vergangenen September davon erzählt, dass diese Menschen einst gelebt hatten. Das ist nur möglich, wenn die Menschen vorher bereits sozial tot sind. Für die Umgebung macht es dann keinen Unterschied, ob die Menschen körperlich noch am Leben sind oder nicht.

Im Alten Testament treten einige Klagen von Menschen zu Tage, die sich fühlen, als seien sie bereits gestorben. In den Psalmen klagen Beter zu Gott, dass die Gesellschaft sie ausgrenzt und nicht mehr teilhaben lässt. Zwar würden die Anderen sicherlich mitbekommen, wenn die Ausgegrenzten tatsächlich stürben. Das Gefühl dürfte aber ähnlich sein, wie wenn alte und nicht so alte Menschen längst vergessen in ihren Wohnungen die Stunden zählen, bis sie nicht mehr die aktuelle Zeitung aufschlagen werden.

Hiob, der ausgegrenzt wird, weil er mit seiner Krankheit als unrein gilt, verflucht den Tag seiner Geburt. Er wäre lieber schon jetzt tot, als dass er noch länger den sozialen Tod ertragen müsste. Der soziale Tod findet im Alten Testament nur auf zwei Weisen seinen Abschluss. Entweder nimmt einen die Gemeinschaft wieder auf, oder aber ein Mensch stirbt körperlich.

Im Gegensatz zum Alten Testament hat sich die Grenze des sozialen Todes heute verschoben. Der soziale Tod tritt nicht mehr zeitgleich mit dem körperlichen ein. Im Internet leben manche Menschen über ihren Tod hinaus. Nachrichten können lange nach dem Datum der Sterbeurkunde verschickt werden. Man kann im Chat den Verstorbenen erzählen, was man heute gemacht hat. Facebook ermöglicht auch fünf Jahre nach dem körperlichen Tod noch, zum Geburtstag zu gratulieren. Manche Gedenkseiten mit Bildern und Zitaten sind so eingebunden in das soziale Leben der Hiergebliebenen, als dürfte man die Lebenden nicht bei den Toten suchen.

Wenn Christen glauben, dass auf den irdischen Tod die Auferstehung folgt, was haben sie dann zum sozialen Tod zu sagen? Folgt nach ihm die soziale Auferstehung? Und wenn ja, wann?

Eine Antwort wäre so, wie es Hiob wünscht: der irdische Tod wäre das Ende des sozialen Todes – mit der Folge der Auferstehung. Aber der Mensch muss nicht sterben, um zu leben. Das hat Jesus bereits getan. Doch Jesus stand auch nicht auf und fuhr sogleich in den Himmel auf. Als er auferstanden ist, hat Jesus die Gemeinschaft mit den Traurigen und Verlassenen gesucht. Jesus kam zu denen, die dachten, ihr Leben sei schon zu Ende gegangen, obwohl sie noch am Leben waren.

So zum Beispiel bei den Jüngern von Emmaus. Zwei Nachfolger Jesu sind derart erschlagen vom Tod ihrer Hoffnung, dass sie mit gesenktem Blick ihren Weg nebeneinander gehen. Was links und rechts von ihnen ist, sehen sie nicht mehr. Sie nehmen nicht einmal den wahr, der sie auf ihrem Weg begleitet und genauso traurig ist, wie sie selbst. Die beiden sind gemeinsam so tot, dass sie nicht einmal mehr merken, dass sie es gemeinsam sind. So würden sie den Weg noch ewig traben, wenn da nicht der Auferstandene wäre. Er schließt sich den beiden an, geht still ein Stück Weges mit und feiert schließlich die Gemeinschaft mit ihnen. Als er wieder weg ist, sind die beiden befreit, sich gegenseitig sehen zu können. Sie sind nicht mehr gemeinsam tot, sondern haben die soziale Auferstehung erlebt. Den weiteren Weg gehen sie nicht mehr nebeneinander, sondern miteinander.

Emmaus heißt heute vielleicht nicht mehr Emmaus, sondern Mehrfamilienhaus oder Internetforum. Der Weg nach Emmaus kann der Weg zur Nachbarin oder zum Nachbarn sein oder ehrliche Worte im Nachrichtenverlauf.

Jesus ist auferstanden. Er hat uns befreit, Auferstehung zu leben.

Uli und sophie in st.eckdose am 16.04.2017 um 12.03 Uhr

 Drucken | 

Auch ansehen: