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Von Raumfahrern und dem Himmelfahrer

Wie ein Astronaut?


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)


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„Ich heb ab, nichts hält mich am Boden, alles blass und grau, bin zu lange nicht geflogen, wie ein Astronaut“, singt Andreas Bourani im Kehrvers des Sido-Lieds aus dem vergangenen Jahr. Die Hymnenstimme ist ein Garant für einen Volltreffer, zumal der Text mit ethischen Appellen und Sehnsüchten spielt.

Der Versuch, diesem Lied religiösen Beiklang zu entnehmen, erschöpft sich darin, dass hier durchs Abheben der schrecklichen Wirklichkeit der Welt entkommen wird. Ein Astronaut: In eine Raketenkapsel oder einen Raumanzug gesperrt, angewiesen auf Maschinen, um atmen zu können. Die Freiheit ist in diesem Bild nicht vollkommen. Die Transzendenz wird in Worte des technisch Möglichen gefasst.

Wie denn auch sonst? Transzendenz zeichnet sich ja eben dadurch aus, dass sie die Grenzen der Welt überschreitet. Worte sind rein weltlicher Natur (abgesehen von der Macht, die sie über unsere Gefühle haben). Will ich die Hintergrenzwelt beschreiben, kann ich mich nur der diesseitigen Sprache bedienen. Transzendenz aus diesseitiger Warte bleibt, zumindest sprachlich, auf dem Boden weltlicher Tatsachen.

Genau das macht die Himmelfahrt Christi zu einem sperrigen Ereignis. Der Osterbericht ist noch sehr klar. Die Evangelien sprechen davon, dass das Grab leer ist, dass die Tücher zusammengelegt sind und der Auferstandene herumgeht. Bei der Himmelfahrt, 40 Tage später, ist die frühe Gemeinde versammelt. Vor aller Augen geht der gestorbene Lebendige in die Transzendenz. Er verschwindet von der Erde in den Himmel.

Spätestens seit es bemannte Flugkörper gibt, hätten wir ein Bild für diese Himmelfahrt. Er hebt ab, wie ein Astronaut. Um das kurzzeitige Entfliehen und über den Dingen Schweben geht es hier aber nicht. Ein Astronaut landet wieder. Ein Astronaut macht keine Himmelfahrt, sondern eine Raumfahrt. Der Himmel Juri Gagarins ist nicht der Himmel, in den die Lebenden und die Toten aufgenommen werden.

Bei Christi Himmelfahrt geht es auch darum, dass Jesus, der auch nach seinem Tod noch vollumfänglich unterwegs war, den Menschen zutraut, den Weg ohne sein körperliches Dabeisein weiter zu gehen. Was gesagt werden musste, ist gesagt. Was geschehen sollte, ist geschehen. Jesus stirbt nicht nochmals oder endgültig, sondern entzieht seine irdische Existenz allen Ansprüchen und Erwartungen. Jesus fährt auf von der Erde, aber nicht aus der Welt.

Sichtbar wird der Unterschied in einem Experiment, das kürzlich gezeigt wurde: Ein Astronaut kann einen Roboter auf der Erde von der ISS aus fernsteuern. Basis bleibt die Erde, Handlungsort bleibt der Raum. Der Astronaut kann nur Einfluss nehmen, wenn ihm von der Erde aus die Verbindung gelegt wurde. Der Raumfahrer mag zwar abgehoben wirken, aber sein Menschsein hält ihn auf dem Boden.

Jesus Christus ist kein Raumfahrer, sondern ein Himmelfahrer. Darum ist sein Gehen kein Weggehen aus der Welt, sondern ein Übergehen. Zugleich mit dem Auffahren in den Himmel kündet er an, dass er den Paraklet senden wird, einen Tröster und Beistand. Dieser wird als Heiliger Geist erfahren. In ihm ist Gott Weggefährte der Menschen, begleitet die Gemeinde auf dem Weg durch geistig-geistlichen Beistand. Nicht nur in der Erinnerung an Jesu Worte und Taten finden wir nach der Himmelfahrt Geleit. Aktiv und andauernd leitet Gott mit Eingebungen, Wahrnehmungen, Impulsen, Kraftschöpfungen des Heiliges Geistes an. Auch heute noch.

„Ich heb ab, nichts hält mich am Boden, alles blass und grau, bin zu lange nicht geflogen, wie ein Astronaut“, singt Andreas Bourani im Kehrvers des Sido-Lieds aus dem vergangenen Jahr. Die Hymnenstimme ist ein Garant für einen Volltreffer, zumal der Text mit ethischen Appellen und Sehnsüchten spielt.

Der Versuch, diesem Lied religiösen Beiklang zu entnehmen, erschöpft sich darin, dass hier durchs Abheben der schrecklichen Wirklichkeit der Welt entkommen wird. Ein Astronaut: In eine Raketenkapsel oder einen Raumanzug gesperrt, angewiesen auf Maschinen, um atmen zu können. Die Freiheit ist in diesem Bild nicht vollkommen. Die Transzendenz wird in Worte des technisch Möglichen gefasst.

Wie denn auch sonst? Transzendenz zeichnet sich ja eben dadurch aus, dass sie die Grenzen der Welt überschreitet. Worte sind rein weltlicher Natur (abgesehen von der Macht, die sie über unsere Gefühle haben). Will ich die Hintergrenzwelt beschreiben, kann ich mich nur der diesseitigen Sprache bedienen. Transzendenz aus diesseitiger Warte bleibt, zumindest sprachlich, auf dem Boden weltlicher Tatsachen.

Genau das macht die Himmelfahrt Christi zu einem sperrigen Ereignis. Der Osterbericht ist noch sehr klar. Die Evangelien sprechen davon, dass das Grab leer ist, dass die Tücher zusammengelegt sind und der Auferstandene herumgeht. Bei der Himmelfahrt, 40 Tage später, ist die frühe Gemeinde versammelt. Vor aller Augen geht der gestorbene Lebendige in die Transzendenz. Er verschwindet von der Erde in den Himmel.

Spätestens seit es bemannte Flugkörper gibt, hätten wir ein Bild für diese Himmelfahrt. Er hebt ab, wie ein Astronaut. Um das kurzzeitige Entfliehen und über den Dingen Schweben geht es hier aber nicht. Ein Astronaut landet wieder. Ein Astronaut macht keine Himmelfahrt, sondern eine Raumfahrt. Der Himmel Juri Gagarins ist nicht der Himmel, in den die Lebenden und die Toten aufgenommen werden.

Bei Christi Himmelfahrt geht es auch darum, dass Jesus, der auch nach seinem Tod noch vollumfänglich unterwegs war, den Menschen zutraut, den Weg ohne sein körperliches Dabeisein weiter zu gehen. Was gesagt werden musste, ist gesagt. Was geschehen sollte, ist geschehen. Jesus stirbt nicht nochmals oder endgültig, sondern entzieht seine irdische Existenz allen Ansprüchen und Erwartungen. Jesus fährt auf von der Erde, aber nicht aus der Welt.

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Uli in st.eckdose am 05.05.2016 um 10.32 Uhr

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