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Die blasphemische Antwort auf ein Titelbild

Leider keine Witzfiguren


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)


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Eine Comicfigur mit Vollbart, Turban und Thawb hält ein Solidaritätsschild nach den Anschlägen von Paris hoch. Eine Träne läuft ihr aus dem Auge. Soweit das Titelbild von Charlie Hebdo. Nahezu alle europäischen Zeitungen haben es reproduziert. Es dürfte schwer gewesen sein, sich dieser Grafik zu entziehen.

Nüchtern betrachtet ist das Bild die Karikatur eines Menschen aus dem Orient. Das Stereotyp eines Arabers sähe so aus. Es müsste nicht einmal ein Muslim sein.

Für die Herausgeber der Pariser Satirezeitschrift soll das der islamische Prophet Mohammed sein. In seinem Namen hatten Gewalttäter ein Massaker in der Redaktion angerichtet. Die Botschaft des Bildes soll zweierlei vermitteln: Man lasse seine Meinungsfreiheit nicht durch Gewalttäter einschränken. Man sei diese Solidarität den für die Meinungsfreiheit Verstorben schuldig. Und: Auch der islamische Prophet Mohammed solidarisiere sich (aus Sicht der Redaktion) mit den Opfern der Anschläge.

Einige Muslime können da gar nicht lachen. Zum einen hatten sie wohl gedacht, die Gewalttat habe den Redakteuren nun ein für alle Mal klar gemacht, dass man ihren Propheten nicht abbilden dürfe. Andererseits solidarisieren sie sich mit den Tätern – und gehen auch von einer Identifizierung seitens ihres Religionsstifters aus.

Der erneute Versuch einer „Mohammedkarikatur“ auf dem Titelbild war der erwartbare Reflex der Charlie-Hebdo-Redaktion. Was hätte, nach einem Mord wegen missbilligter Äußerungen, dort anderes sein sollen?

Die Reaktionen auf das Titelbild, etwa in Niger und Pakistan, zeigen, neben der vorgeblichen Meinung der Wütenden, der ganzen Welt, wie es um den Intellekt dieser Menschen steht. Auch ihre Reaktion ist ein Reflex, ein sehr plumper Reflex. Ohne eine Sekunde des Nachdenkens strömten die Menschen aus ihren Freitagsversammlungen und zeigten sich als unbeherrschter Mob. Sie sind es, die die Provokation zu einer solchen machen. Sie lassen sich provozieren und von einem französischen Witzblatt diktieren, wie ihr Prophet Mohammed aussieht. Sie lassen sich von einer Zeitschrift, die gerade einmal eine fünfstellige Auflage erreicht, dazu nötigen, sich von ihrem Heiligen ein Bild zu machen.

Mich erinnert dieses Ausrasten auf Knopfdruck anlässlich eines dummen, schlecht gezeichneten Bildes an eine Anekdote aus meiner frühen Kindheit. Meine ältere Schwester war genervt, dass ich immer nach oben schielte, um den schwarzen Rand über meinen Augen zu sehen. Sie sagte, wenn ich nicht aufhöre, würde sie mich fortan auf ihren Bildern immer mit nur einem Bein malen. Darüber war ich derart entsetzt, dass ich sofort mit dem Schielen aufhörte, und sie anflehte, das nicht zu tun. Welcher Vierjährige will schließlich nur ein Bein haben!

Unter der Comicfigur mit Vollbart, Turban und Thawb steht nirgendwo, dass das Mohammed sein soll. Es steht kein arabisches Glaubensbekenntnis, auch kein weiterer Hinweis dabei. Die Witzfigur wird erst in der reflexartigen Reaktion zum Bild eines Propheten. Und selbst, wenn die Zeichner erklärten, es sei Mohammed – wieso lassen sich die Gläubigen von Atheisten erklären, wie Mohammed aussieht?

Die eigentliche Blasphemie liegt nicht im Karikieren eines weinenden Arabers. Indem ein Muslim in dem Bild seinen Propheten Mohammed erkennt, hat er sich das Bild gemacht.

Eine Comicfigur mit Vollbart, Turban und Thawb hält ein Solidaritätsschild nach den Anschlägen von Paris hoch. Eine Träne läuft ihr aus dem Auge. Soweit das Titelbild von Charlie Hebdo. Nahezu alle europäischen Zeitungen haben es reproduziert. Es dürfte schwer gewesen sein, sich dieser Grafik zu entziehen.

Nüchtern betrachtet ist das Bild die Karikatur eines Menschen aus dem Orient. Das Stereotyp eines Arabers sähe so aus. Es müsste nicht einmal ein Muslim sein.

Für die Herausgeber der Pariser Satirezeitschrift soll das der islamische Prophet Mohammed sein. In seinem Namen hatten Gewalttäter ein Massaker in der Redaktion angerichtet. Die Botschaft des Bildes soll zweierlei vermitteln: Man lasse seine Meinungsfreiheit nicht durch Gewalttäter einschränken. Man sei diese Solidarität den für die Meinungsfreiheit Verstorben schuldig. Und: Auch der islamische Prophet Mohammed solidarisiere sich (aus Sicht der Redaktion) mit den Opfern der Anschläge.

Einige Muslime können da gar nicht lachen. Zum einen hatten sie wohl gedacht, die Gewalttat habe den Redakteuren nun ein für alle Mal klar gemacht, dass man ihren Propheten nicht abbilden dürfe. Andererseits solidarisieren sie sich mit den Tätern – und gehen auch von einer Identifizierung seitens ihres Religionsstifters aus.

Der erneute Versuch einer „Mohammedkarikatur“ auf dem Titelbild war der erwartbare Reflex der Charlie-Hebdo-Redaktion. Was hätte, nach einem Mord wegen missbilligter Äußerungen, dort anderes sein sollen?

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Uli in Gesellschaft am 17.01.2015 um 12.13 Uhr

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