Der Blog des Goldseelchen-Verlags
für Tagfalter und Nachtdenker

Der Blog des Goldseelchen-Verlags für Tagfalter und Nachtdenker

Der Blog des Goldseelchen-Verlags



Was Elias am Ostermorgen findet

Die Suche

Aprilmorgen. Schwach scheint die Sonne zwischen grauen Wolken hervor, taucht die taunasse Wiese in mattes Licht.

Elias macht große Schritte auf den Steinplatten im Rasen, damit seine Socken nicht nass werden. Am großen Busch mit den hängenden Blüten geht er in die Hocke und sieht nach, ob am Stamm etwas liegt. Wieder nichts. Also stakst er weiter, jetzt auf dem Rindenmulch, und sieht bei dem Bänkchen nach. Da wäre ein gutes Versteck. Aber auch hier: Nichts. Zumindest nicht das Richtige. Er findet ein vor Tautropfen schillerndes Schneckenhaus und steckt es in seine Hosentasche.

Elias hat jetzt schon den ganzen Bereich abgesucht, in dem er das Nestchen verstecken würde. Im Haus war nichts. Das hat er schon vorm Anziehen überprüft. Es muss hier im Garten sein. Irgendwo. Hier muss es doch sein. Elias schlurft den Weg zurück, die Hände tief in die Hosentaschen geschoben.

Da! Ein Grün hinter den Moos bewachsenen Randsteinen. Neben der Terrasse. Das Grün ist anders. Ganz anders als das Frühjahrsgartenpflanzengrün. Es ist das Grün von Papierstreifen im Osternest. Elias hat es gefunden! Er kniet sich auf den dunklen Pflasterboden und schiebt den Stein zur Seite. Da ist das Nest! Das Osternest! An einer Stelle, die er gar nicht als Versteck gewählt hätte.

Jetzt zieht er das Körbchen mit den grünen Papierstreifen hervor. Keine bunt gefärbten Eier sichtbar. Keine Schokolade. Kein Schokohase. Vielleicht unter dem Grün? Mit einem tastenden Griff ist Elias klar: Das Nest ist leer.

Enttäuschung macht sich breit.

Hat womöglich ein Tier das Nest gefunden und ausgeräumt?

Oder liegen die feinen Sächelchen hinter den Steinen? Noch einmal das prüfende Tasten, doch hinter dem Stein ist nur Moos. Sonst nichts. Elias hält das leere Nest in der Hand.

„Opa!“, ruft er empört. „Das Nest ist leer. Da ist nichts drin!“

Opa schmunzelt. „Wieso denn leer? Da ist doch etwas.“

Elias schüttelt den Kopf. „Nein. Das ist doch nur Papier. Da ist nichts drin. Es ist ganz leer.“

„Ja, was soll denn drin sein?“, fragt Opa.

„Oh Opa. Das weißt du doch. Da ist immer was drin: Bunte Eier. Schokolade. Und der Schokohase.“

Opa grinst jetzt richtig: „Hast du denn die Sachen gesucht? Oder hast du nur ein Nest gesucht?“

Bedröppelt senkt Elias sein Gesicht zur Erde. „Ich habe ein Nest gesucht. Aber ich will doch die Sachen!“

„Dann schau das Nest doch noch mal genau an.“

Elias hebt das Papier. Dort steht ein Text, der ihm bekannt vorkommt:

Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. Und als sie darüber bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.

Aprilmorgen. Schwach scheint die Sonne zwischen grauen Wolken hervor, taucht die taunasse Wiese in mattes Licht.

Elias macht große Schritte auf den Steinplatten im Rasen, damit seine Socken nicht nass werden. Am großen Busch mit den hängenden Blüten geht er in die Hocke und sieht nach, ob am Stamm etwas liegt. Wieder nichts. Also stakst er weiter, jetzt auf dem Rindenmulch, und sieht bei dem Bänkchen nach. Da wäre ein gutes Versteck. Aber auch hier: Nichts. Zumindest nicht das Richtige. Er findet ein vor Tautropfen schillerndes Schneckenhaus und steckt es in seine Hosentasche.

Elias hat jetzt schon den ganzen Bereich abgesucht, in dem er das Nestchen verstecken würde. Im Haus war nichts. Das hat er schon vorm Anziehen überprüft. Es muss hier im Garten sein. Irgendwo. Hier muss es doch sein. Elias schlurft den Weg zurück, die Hände tief in die Hosentaschen geschoben.

Da! Ein Grün hinter den Moos bewachsenen Randsteinen. Neben der Terrasse. Das Grün ist anders. Ganz anders als das Frühjahrsgartenpflanzengrün. Es ist das Grün von Papierstreifen im Osternest. Elias hat es gefunden! Er kniet sich auf den dunklen Pflasterboden und schiebt den Stein zur Seite. Da ist das Nest! Das Osternest! An einer Stelle, die er gar nicht als Versteck gewählt hätte.

Jetzt zieht er das Körbchen mit den grünen Papierstreifen hervor. Keine bunt gefärbten Eier sichtbar. Keine Schokolade. Kein Schokohase. Vielleicht unter dem Grün? Mit einem tastenden Griff ist Elias klar: Das Nest ist leer.

Enttäuschung macht sich breit.

Hat womöglich ein Tier das Nest gefunden und ausgeräumt?

Oder liegen die feinen Sächelchen hinter den Steinen? Noch einmal das prüfende Tasten, doch hinter dem Stein ist nur Moos. Sonst nichts. Elias hält das leere Nest in der Hand.

„Opa!“, ruft er empört. „Das Nest ist leer. Da ist nichts drin!“

Opa schmunzelt. „Wieso denn leer? Da ist doch etwas.“

Elias schüttelt den Kopf. „Nein. Das ist doch nur Papier. Da ist nichts drin. Es ist ganz leer.“

„Ja, was soll denn drin sein?“, fragt Opa.

Artikel-Seite:
12

Uli in st.eckdose am 20.04.2014 um 14.03 Uhr

 Drucken | 

Auch ansehen: