Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Oder: Der versperrte Weg

Regenwurm


Für eine größere Ansicht anklicken.
Fotograf: Uli
 (© Eckdose)


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Nach dem Regen sind die geteerten Straßen voll mit ihnen: Regenwürmer krümmen sich auf dem Asphalt. Sie scheinen irgendwie verpasst haben, dass die Wolken weiter gezogen sind. Kommt dann die Sonne, schafft es kein Würmchen mehr an den sicheren Rand ins feuchte, kühle Erdreich. Täglich sterben auf diese Weise Millionen dieser nützlichen Gartenhelferchen ihren Asphalttod.

Aber warum? Sind die Würmer so langsam, dass es nicht zum Ende der Straße reicht, ehe sie vertrocknen?

Wer am Ende eines Regens hinausgeht und aufmerksam auf den Straßen geht, wird feststellen, dass die Zeit nach den letzen Tropfen meist gut reichen würde, zum sicheren Rand zu kommen, ehe der Asphalt ausgetrocknet ist. Statt dessen verharren die Würmer in seltsamen Krümmungen kriechend in einem kleinen Bereich. Sind das besonders morbide Tiere?

Regenwürmer sind weder suizidal noch sonst irgendwie krank. Sie sind einfach nur dreidimensionale Lebewesen. Ihr Verhalten ist bestens an die natürliche Umwelt angepasst. Nehmen sie stärkeren Regen wahr, kriechen sie nach oben.

Hört dann der Regen auf, entkommt ein Regenwurm auf dem schnellsten Fluchtweg: senkrecht nach unten. Der Regenwurm ist nicht wie die Schlange aus dem alten Handyspiel Snake nur auf einer Ebene unterwegs. Die Straßen sind ein unbekanntes Element für ihn, sie grenzen ihn ein. Verzweifelt sucht er seinen Ausweg nach unten, findet aber keinen. Dass er gerettet wäre, wenn er einfach „zum Rand“ kriecht, kann er nicht wissen. Den Überblick, den ein Mensch über die Straße hat, kann ein Wurm nicht erhalten. Es dürfte ihm nicht einmal bekannt sein, in welche Richtungen die Ränder liegen, in welche Richtungen die Teerflächen unendlich reichen. Er hat keine Ausbildung im Tiefbau hinter sich, auch wenn das sozusagen sein Beruf ist.

Der Regenwurm, ein dreidimensionales Wesen, geht zugrunde, wenn er von unseren Straßen von seiner dritten Bewegungsachse – oben und unten – abgeschnitten wird.

Ein Glück, meint da der Mensch, dass er den Überblick hat und das Ausmaß der Straße erkennen kann.

Vielleicht geht es aber dem Menschen genauso wie dem Regenwurm – nur mit einer weiteren Dimension. Der Mensch gräbt keine Tunnel unter der Erde und flieht bei Niederschlag in die Höhe. Nein. Der Mensch bewegt sich frei auf der Erde, lebt gesellig mit seinen Mitmenschen zusammen und ist in der Lage, sich Gedanken zu machen und Empfindungen nachzuspüren. Der Mensch ist auf der Suche nach dem Sinn seiner Existenz. Er strebt danach, mehr zu sein als ein Kleidung tragendes Tier. Er „bewegt“ sich in einer vierten Dimension.

Diese Bewegung wird von vielem gehemmt. Oft hält es der Mensch gar nicht aus, dass er mehr verspürt, als er begreifen kann. Er missachtet seine Umwelt, schließt die Augen vor Offensichtlichem, dröhnt sich zu mit Belanglosem. Wie der Regenwurm krümmt er sich auf der Barriere, abgehalten von seinem geraden Weg, bis er schließlich eingeht.

Nach dem nächsten Regen werde ich die Regenwürmer auf der Straße einsammeln und sie auf die Erde setzen.

Nach dem Regen sind die geteerten Straßen voll mit ihnen: Regenwürmer krümmen sich auf dem Asphalt. Sie scheinen irgendwie verpasst haben, dass die Wolken weiter gezogen sind. Kommt dann die Sonne, schafft es kein Würmchen mehr an den sicheren Rand ins feuchte, kühle Erdreich. Täglich sterben auf diese Weise Millionen dieser nützlichen Gartenhelferchen ihren Asphalttod.

Aber warum? Sind die Würmer so langsam, dass es nicht zum Ende der Straße reicht, ehe sie vertrocknen?

Wer am Ende eines Regens hinausgeht und aufmerksam auf den Straßen geht, wird feststellen, dass die Zeit nach den letzen Tropfen meist gut reichen würde, zum sicheren Rand zu kommen, ehe der Asphalt ausgetrocknet ist. Statt dessen verharren die Würmer in seltsamen Krümmungen kriechend in einem kleinen Bereich. Sind das besonders morbide Tiere?

Regenwürmer sind weder suizidal noch sonst irgendwie krank. Sie sind einfach nur dreidimensionale Lebewesen. Ihr Verhalten ist bestens an die natürliche Umwelt angepasst. Nehmen sie stärkeren Regen wahr, kriechen sie nach oben.

Hört dann der Regen auf, entkommt ein Regenwurm auf dem schnellsten Fluchtweg: senkrecht nach unten. Der Regenwurm ist nicht wie die Schlange aus dem alten Handyspiel Snake nur auf einer Ebene unterwegs. Die Straßen sind ein unbekanntes Element für ihn, sie grenzen ihn ein. Verzweifelt sucht er seinen Ausweg nach unten, findet aber keinen. Dass er gerettet wäre, wenn er einfach „zum Rand“ kriecht, kann er nicht wissen. Den Überblick, den ein Mensch über die Straße hat, kann ein Wurm nicht erhalten. Es dürfte ihm nicht einmal bekannt sein, in welche Richtungen die Ränder liegen, in welche Richtungen die Teerflächen unendlich reichen. Er hat keine Ausbildung im Tiefbau hinter sich, auch wenn das sozusagen sein Beruf ist.

Der Regenwurm, ein dreidimensionales Wesen, geht zugrunde, wenn er von unseren Straßen von seiner dritten Bewegungsachse – oben und unten – abgeschnitten wird.

Ein Glück, meint da der Mensch, dass er den Überblick hat und das Ausmaß der Straße erkennen kann.

Vielleicht geht es aber dem Menschen genauso wie dem Regenwurm – nur mit einer weiteren Dimension. Der Mensch gräbt keine Tunnel unter der Erde und flieht bei Niederschlag in die Höhe. Nein. Der Mensch bewegt sich frei auf der Erde, lebt gesellig mit seinen Mitmenschen zusammen und ist in der Lage, sich Gedanken zu machen und Empfindungen nachzuspüren. Der Mensch ist auf der Suche nach dem Sinn seiner Existenz. Er strebt danach, mehr zu sein als ein Kleidung tragendes Tier. Er „bewegt“ sich in einer vierten Dimension.

Diese Bewegung wird von vielem gehemmt. Oft hält es der Mensch gar nicht aus, dass er mehr verspürt, als er begreifen kann. Er missachtet seine Umwelt, schließt die Augen vor Offensichtlichem, dröhnt sich zu mit Belanglosem. Wie der Regenwurm krümmt er sich auf der Barriere, abgehalten von seinem geraden Weg, bis er schließlich eingeht.

Nach dem nächsten Regen werde ich die Regenwürmer auf der Straße einsammeln und sie auf die Erde setzen.

Uli in Philosophie am 23.10.2013 um 10.15 Uhr

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