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Theodizee ist keine Frage des Atheismus

Es gibt keinen Gott und er ist gut


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)


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Nicht nur der Spaziergänger gehobenen Alters mit dem Hund brachte diese Begründung. Sie taucht auch ständig unter Jugendlichen auf. Jedes Mal, wenn sich die Frage um Glauben oder Nichtglauben dreht, fällt sie, die Aussage:

„Es passiert auf der Welt so viel Schlechtes. Da kann es keinen Gott geben.“

Der Satz klingt nach einer Antwort auf die Theodizee-Frage. Das ist die Frage, inwiefern Gott gerecht sein kann, obwohl Leid in der Welt ist.

Verständnisvoll will man nicken. Nicht alles, was passiert, lässt sich schön reden. Wer weiß, was der Mensch alles erlebt hat, dass er nicht an einen Gott glauben kann?

Doch ist die Aussage nicht als Aussage des Glaubens gemeint. Wer sie heute spricht, will damit logisch argumentieren. Er meint, sein Nichtglaube sei berechtigt, weil er beweisbar wäre.

Die Begründung, Gott würde nicht existieren, weil Schlechtes geschieht, ist eine unvollständige Aussage. Sie beginnt mit der Annahme, dass es Gott gibt. Zudem wird ihm Allmacht und Güte zugesprochen. Nur über einen allmächtigen, allwissenden und zugleich gütigen Gott lässt sich sagen, dass es ihn nicht geben könne, weil Schlechtes geschieht. Die Theodizee-Debatte macht es richtig vor, indem sie ein höchstes Wesen voraussetzt. Sie überlegt anhand dieser Annahme:

„Weil Schlechtes auf der Welt passiert, muss Gott böse sein.“

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Höchstes Wesen

Das höchste Wesen ist Gegenstand der Philosophie. Man überlegt, dass alle Dinge einen Grund haben.

Ein Ding ist wie ein Dominostein. Jeder Dominostein wird von seinem Vorgänger in Bewegung gebracht. Aber wer bringt alles in Bewegung? Das kann kein Dominostein sein. Es ist etwas anderes, was außerhalb der Stein-Welt liegt.

Das höchste Wesen ist der erste Beweger der Welt oder der letzte Grund aller Dinge.

Zum Glück passiert aber nicht nur Schlechtes auf der Welt. Manchmal geschieht auch sehr viel Gutes. Die Frage wäre nun: Wieso gibt es Gutes auf der Welt, wo das höchste Wesen doch böse wäre? Eine weitere Aussage müsste formuliert werden:

„Weil Gutes auf der Welt passiert, muss Gott gut sein.“

Zwei Anforderungen stehen nun da, die logisch aus dem Geschehen in der Welt geschlossen wurden. Die Anforderungen widersprechen sich: Gott soll böse und gut sein. Das Schlechte schließt das Gute aus. Es gibt kein solches Wesen, das gut und schlecht ist. Nun ist man versucht, daraus die Nichtexistenz zu folgern.

Das wäre nur ein Trugschluss. Aus Eigenschaften kann nicht auf die Existenz oder Nichtexistenz geschlossen werden.

Ein Beispiel. Die Aussagen

„Die Ampel ist grün.“

„Die Ampel ist rot.“

schließen sich zwar logisch aus. Sie wären aber nicht ausreichend, um zu begründen, dass es die Ampel nicht gibt.

Bei einer Ampel kann gemessen werden, ob sie grün oder rot oder beides ist. Bei einem höchsten Wesen geht dies nicht. Keine Aussage über Gott ist beweisbar. Das liegt bereits in der Eigenschaft als höchstes Wesen.

Jede Eigenschaft, die jemand dem höchsten Wesen zuspricht, ist Glaube.

„Es passiert auf der Welt so viel Schlechtes. Da kann es keinen Gott geben.“

Diese Aussage ist eine implizite Aussage über eine Eigenschaft Gottes: Schlechtes auf der Welt steht nicht im Widerspruch zu Gott. Das Schlechte auf der Welt steht im Widerspruch zu einem Gott, der gut ist.

Wer aus dem Schlechten, das auf der Welt passiert, folgert, dass es keinen Gott gibt,

glaubt, dass der Gott, den es nicht gibt, gut ist.

Der Gott, den es nicht gibt, erhält damit eine Existenz außerhalb der Existenz zugeschrieben. Das wiederum liegt nahe bei der Vorstellung eines Schöpfergottes. Das höchste Wesen hat ein Sein außerhalb des Seins.

Theodizee ist keine Frage des Atheismus. Wer sie stellt, bewegt sich bereits auf dem Boden von Glauben und Glaubenszweifeln. Das ist weit entfernt vom Atheismus, der gänzlich ohne Gott mit dem Schlechten auf der Welt zurechtkommen muss.

Nicht nur der Spaziergänger gehobenen Alters mit dem Hund brachte diese Begründung. Sie taucht auch ständig unter Jugendlichen auf. Jedes Mal, wenn sich die Frage um Glauben oder Nichtglauben dreht, fällt sie, die Aussage:

„Es passiert auf der Welt so viel Schlechtes. Da kann es keinen Gott geben.“

Der Satz klingt nach einer Antwort auf die Theodizee-Frage. Das ist die Frage, inwiefern Gott gerecht sein kann, obwohl Leid in der Welt ist.

Verständnisvoll will man nicken. Nicht alles, was passiert, lässt sich schön reden. Wer weiß, was der Mensch alles erlebt hat, dass er nicht an einen Gott glauben kann?

Doch ist die Aussage nicht als Aussage des Glaubens gemeint. Wer sie heute spricht, will damit logisch argumentieren. Er meint, sein Nichtglaube sei berechtigt, weil er beweisbar wäre.

Die Begründung, Gott würde nicht existieren, weil Schlechtes geschieht, ist eine unvollständige Aussage. Sie beginnt mit der Annahme, dass es Gott gibt. Zudem wird ihm Allmacht und Güte zugesprochen. Nur über einen allmächtigen, allwissenden und zugleich gütigen Gott lässt sich sagen, dass es ihn nicht geben könne, weil Schlechtes geschieht. Die Theodizee-Debatte macht es richtig vor, indem sie ein höchstes Wesen voraussetzt. Sie überlegt anhand dieser Annahme:

„Weil Schlechtes auf der Welt passiert, muss Gott böse sein.“

Zum Glück passiert aber nicht nur Schlechtes auf der Welt. Manchmal geschieht auch sehr viel Gutes. Die Frage wäre nun: Wieso gibt es Gutes auf der Welt, wo das höchste Wesen doch böse wäre? Eine weitere Aussage müsste formuliert werden:

„Weil Gutes auf der Welt passiert, muss Gott gut sein.“

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Uli und sophie in Philosophie am 07.09.2013 um 11.59 Uhr

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