Der Blog des Goldseelchen-Verlags
für Tagfalter und Nachtdenker

Der Blog des Goldseelchen-Verlags für Tagfalter und Nachtdenker

Der Blog des Goldseelchen-Verlags



Die Fehlenden


Für eine größere Ansicht anklicken.
Urheber: Reinraum (commons.wikimedia.org/
wiki/File:Kathrein_UFD_08.jpg)
 (Creative Commons)


Für eine größere Ansicht anklicken.
Urheber: Reinraum (commons.wikimedia.org/
wiki/File:Kathrein_UFD_08.jpg)
 (Creative Commons)

Er kam kürzlich von seinem Urlaub in Rumänien zurück. Jedes Jahr verbringt er einen Großteil seines Urlaubs dort. Schließlich ist es sein Heimatland. Viele Freunde hat er dort zurückgelassen.

Er ist Deutscher, wie auch seine Frau und seine Kinder. Sie sind zweisprachig aufgewachsen. Zuhause wurde deutsch, auf der Straße und auf der Arbeit wurde rumänisch gesprochen. Auch nach 23 Jahren hat er die Sprache seines Heimatlandes nicht verlernt. Er sieht regelmäßig Nachrichten aus Rumänien. An Feiertagen werden Freunde angerufen. Da wird dann mit Spanien, Österreich, Rumänien telefoniert und ein wenig gequatscht – auf Rumänisch.

Jetzt war er wieder dort, in seiner Heimatstadt, die länger einen deutschen Namen trägt als Berlin.

„Auf welcher Sprache haben Sie jetzt die meiste Zeit gesprochen?“

„Rumänisch.“

„Gibt es keinen mehr, der deutsch spricht?“

„Sind ja alle gegangen. Nur noch die Rumänen sind geblieben.“

„Fällt es Ihnen leicht, in die Sprache zurückzukommen, wenn Sie dort sind?“

„Wenn ich jedes Jahr dorthin fahre, habe ich ja regelmäßig Übung.“

Nur die Zeit, die hat sich weiter gedreht. Seit 1990, als die Deutschen gegangen waren, kamen Computer, separate Bildschirme, digitale Anschlüsse, mobile Endgeräte auch nach Rumänien.

Er wollte einen Receiver für ein rumänisches Bezahlfernsehen kaufen. Er kannte die Worte nicht, obwohl er die Sprache fließend beherrscht und seine regelmäßige Übung hat.

Sprache verändert sich. Schnell. Sie unterliegt den Bedürfnissen der jeweiligen Zeit.

Worte verschwinden. Mancher trauert ihnen nach. Die Worte, die dazukommen, sollen die Dinge benennen, die dazukamen.

Andere Dinge ändern sich nie.

„Was kostet so ein Receiver in Rumänien?“

„Es gibt keinen zu kaufen. Der Laden, der welche vertrieben hat, hat seit zwei Jahren kein neues Gerät mehr bekommen. Die sagten mir, ich soll jemanden finden, der auf Kabelempfang umgestellt hat. Wenn der sein Gerät nicht mehr braucht, soll ich es kaufen. Dann machen sie einen Vertrag mit mir.“

„Sie haben einen gefunden?“

„Ich hatte Glück. Kurz vor Ladenschluss ging ich hin. Einer hatte sein Gerät verkauft. Der es reserviert hatte und holen wollte, ist nicht gekommen. Dann habe ich den alten Kasten für 50 Euro gekauft.“

„Sind Sie nicht gegangen, als damals der Kommunismus zusammengebrochen ist?“

„Manche Dinge ändern sich nie.“

Er kam kürzlich von seinem Urlaub in Rumänien zurück. Jedes Jahr verbringt er einen Großteil seines Urlaubs dort. Schließlich ist es sein Heimatland. Viele Freunde hat er dort zurückgelassen.

Er ist Deutscher, wie auch seine Frau und seine Kinder. Sie sind zweisprachig aufgewachsen. Zuhause wurde deutsch, auf der Straße und auf der Arbeit wurde rumänisch gesprochen. Auch nach 23 Jahren hat er die Sprache seines Heimatlandes nicht verlernt. Er sieht regelmäßig Nachrichten aus Rumänien. An Feiertagen werden Freunde angerufen. Da wird dann mit Spanien, Österreich, Rumänien telefoniert und ein wenig gequatscht – auf Rumänisch.

Jetzt war er wieder dort, in seiner Heimatstadt, die länger einen deutschen Namen trägt als Berlin.

„Auf welcher Sprache haben Sie jetzt die meiste Zeit gesprochen?“

„Rumänisch.“

„Gibt es keinen mehr, der deutsch spricht?“

„Sind ja alle gegangen. Nur noch die Rumänen sind geblieben.“

„Fällt es Ihnen leicht, in die Sprache zurückzukommen, wenn Sie dort sind?“

„Wenn ich jedes Jahr dorthin fahre, habe ich ja regelmäßig Übung.“

Nur die Zeit, die hat sich weiter gedreht. Seit 1990, als die Deutschen gegangen waren, kamen Computer, separate Bildschirme, digitale Anschlüsse, mobile Endgeräte auch nach Rumänien.

Er wollte einen Receiver für ein rumänisches Bezahlfernsehen kaufen. Er kannte die Worte nicht, obwohl er die Sprache fließend beherrscht und seine regelmäßige Übung hat.

Sprache verändert sich. Schnell. Sie unterliegt den Bedürfnissen der jeweiligen Zeit.

Worte verschwinden. Mancher trauert ihnen nach. Die Worte, die dazukommen, sollen die Dinge benennen, die dazukamen.

Andere Dinge ändern sich nie.

„Was kostet so ein Receiver in Rumänien?“

„Es gibt keinen zu kaufen. Der Laden, der welche vertrieben hat, hat seit zwei Jahren kein neues Gerät mehr bekommen. Die sagten mir, ich soll jemanden finden, der auf Kabelempfang umgestellt hat. Wenn der sein Gerät nicht mehr braucht, soll ich es kaufen. Dann machen sie einen Vertrag mit mir.“

„Sie haben einen gefunden?“

„Ich hatte Glück. Kurz vor Ladenschluss ging ich hin. Einer hatte sein Gerät verkauft. Der es reserviert hatte und holen wollte, ist nicht gekommen. Dann habe ich den alten Kasten für 50 Euro gekauft.“

„Sind Sie nicht gegangen, als damals der Kommunismus zusammengebrochen ist?“

„Manche Dinge ändern sich nie.“

Uli in Geschichte am 19.07.2013 um 09.45 Uhr

 Drucken | 

Auch ansehen: