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Klo-Ente besser als Herd-Scheuermittel

Innovation eines Preises


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Als gute Hausfrau hat man die Pflicht, sich regelmäßig über neue Produkte im Bilde zu halten, die das Leben vereinfachen. Was wären die deutschen Haushalte heute, wenn Meister Propper damals nicht massiv Werbung geschaltet hätte? Es kann immer passieren, dass plötzlich eine Erfindung in die Welt tritt, auf die jedermann und –frau gewartet haben.


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Als gute Hausfrau hat man die Pflicht, sich regelmäßig über neue Produkte im Bilde zu halten, die das Leben vereinfachen. Was wären die deutschen Haushalte heute, wenn Meister Propper damals nicht massiv Werbung geschaltet hätte? Es kann immer passieren, dass plötzlich eine Erfindung in die Welt tritt, auf die jedermann und –frau gewartet haben.

Zum Beispiel der Glaskeramik-Putzstein von Dr. Beckmann. Bislang schworen Hausfrauen auf den Putzstein, der nicht nur Edelstahl wieder blank polieren, sondern auch kleine Macken und jeden stark angebrannten Fleck vom Kochfeld entfernen kann. Der Putzstein – eine Kombination aus verklumptem Scheuermittel und einem feinporigen Schwamm – führte seit einigen Jahren sein Dasein als Geheimtipp. Bis die Werbeleute von Dr. Beckmann herausfanden, dass mehr Geld zu verdienen sei, wenn man für jeden Fleck ein eigenes Putzmittel anbietet. So kam 2011 der „Dr. Beckmann Glaskeramik-Putzstein“ auf die Welt. Nur keinen hat es interessiert.

Keinen? Stimmt nicht ganz. Die Leser des dm-Werbemagazins „Alverde“ können auf einer ganzseitigen Anzeige von den Wirkungen „Schnell, hochwirksam, glänzend“ lesen. Einen Preis hat der Stein auch bekommen, steht daneben in einem Logo. Den zweiten Platz des „BSB Innovation Prize Household 2011“ erhielt die Erfindung, einen Putzstein ausschließlich als Glaskeramik-fähig zu verkaufen. „Jippie!“, sagt die Hausfrau, fährt zum dm, Rossmann oder Schlecker um die Ecke, kauft den Stein und freut sich wie Schnitzel, dass sie nun mit dem zweiten Preis ihren Herd polieren kann.

Der Skeptiker dagegen überlegt, woher er „BSB“ kennt und wieso ein Preis dieser Institution dem Putzmittel eine besondere Auszeichnung sein soll. Und was eigentlich dann der erste Preis sei.

Mit der Farbgebung und der Anordnung auf dem Preis-Schildchen könnte man vermuten, es sei eine öffentliche Einrichtung wie „Stiftung Warentest“, die Produkte vergleicht und testet. Rote Linien und drei Buchstaben, von denen der erste ein „B“ ist, lassen eine Bundesbehörde annehmen. „BSB“ – eine „Bundes-Sicherheits-Behörde“? Eine Grassroot-Initiative, die „Bürger-Sparbüchse“? Oder, eine Lobbygruppe, „Bundesverband der Seifen-Bastler“? Unwahrscheinlich sachfremd ist auch der „Bundesfachverband Saunabau“, den es tatsächlich gibt. Womöglich ein Eigenlob - „Beckmanns sauberste Beratung“? Alles ergibt nicht so wirklich einen Sinn, bekannt als „BSB“ bleiben nur die „Backstreet Boys“.

Eine Internet-Suche ergibt Treffer immerhin bei Youtube. Dort spricht ein von unten gefilmter, breitschultriger Krawattenträger in misslungener Nachrichtensprecher-Pose seine Parodie auf sich selbst. Leider, wie die weitere Recherche ergibt, meint der Herr sein Werbevideo ernst. Er selbst entpuppt sich als Dr. rer. nat. Jan-H. Riedel, Gründer des „Beratungs- und Servicebüros“. Weitere Mitarbeiter ergeben sich nicht aus dem Profil. Von der vermuteten Institution bleibt keine Spur.

Auf der Homepage dieses „BSB Cosmetic“, dessen Adresse Riedel im Werbevideo nennt, dürfen wir endlich erfahren, was es mit dem „BSB Innovation Prize Household 2011“ auf sich hat. Seine „Innovationsfachpreise“ vergibt Riedel bereits seit einigen Jahren. Firmen dürfen sich mit ihren Produkten bewerben. Im „würdigen Rahmen“ – einem nett dekorierten Restaurant in Fulda – findet die Verleihung statt. Präsentiert wird der „europäische Innovationspreis für Haushalt, I&I und chemische Rohstoffe in den Kategorien ‚Innovativstes Rohstoffkonzept’ und ‚Innovativstes Endprodukt’“. Gesponsert vom Chemiekonzern BASF. Am Schluss kommt dann heraus, dass die „WC-Ente Frische Siegel“ beim „Endprodukt“ auf dem Siegertreppchen ganz oben steht, gefolgt vom „Glaskeramik Putzstein“ und, drittplatziert, einem „Sport+Outdoor Funktions-Waschmittel“ von „AlmaWin“. Jeweils mit den Siegern abgebildet, freuen wir uns über das kosmetische Lächeln von Dr. rer. nat. Jan-H. Riedel.

Den zweiten Preis der anderen Kategorie, „Innovativstes Rohstoffkonzept“, erhielt übrigens ein Produkt des Sponsors BASF. Bewertungsmaßstäbe und Auszeichnungskriterien werden – abgesehen von den Mitgliedern der „zwei unabhängigen Jurys“ – nicht publiziert. Vielleicht wäre hier „price“ die ehrlichere Übersetzung?

Der Hausfrau dürfte das egal sein.

Zum Beispiel der Glaskeramik-Putzstein von Dr. Beckmann. Bislang schworen Hausfrauen auf den Putzstein, der nicht nur Edelstahl wieder blank polieren, sondern auch kleine Macken und jeden stark angebrannten Fleck vom Kochfeld entfernen kann. Der Putzstein – eine Kombination aus verklumptem Scheuermittel und einem feinporigen Schwamm – führte seit einigen Jahren sein Dasein als Geheimtipp. Bis die Werbeleute von Dr. Beckmann herausfanden, dass mehr Geld zu verdienen sei, wenn man für jeden Fleck ein eigenes Putzmittel anbietet. So kam 2011 der „Dr. Beckmann Glaskeramik-Putzstein“ auf die Welt. Nur keinen hat es interessiert.

Keinen? Stimmt nicht ganz. Die Leser des dm-Werbemagazins „Alverde“ können auf einer ganzseitigen Anzeige von den Wirkungen „Schnell, hochwirksam, glänzend“ lesen. Einen Preis hat der Stein auch bekommen, steht daneben in einem Logo. Den zweiten Platz des „BSB Innovation Prize Household 2011“ erhielt die Erfindung, einen Putzstein ausschließlich als Glaskeramik-fähig zu verkaufen. „Jippie!“, sagt die Hausfrau, fährt zum dm, Rossmann oder Schlecker um die Ecke, kauft den Stein und freut sich wie Schnitzel, dass sie nun mit dem zweiten Preis ihren Herd polieren kann.

Der Skeptiker dagegen überlegt, woher er „BSB“ kennt und wieso ein Preis dieser Institution dem Putzmittel eine besondere Auszeichnung sein soll. Und was eigentlich dann der erste Preis sei.

Mit der Farbgebung und der Anordnung auf dem Preis-Schildchen könnte man vermuten, es sei eine öffentliche Einrichtung wie „Stiftung Warentest“, die Produkte vergleicht und testet. Rote Linien und drei Buchstaben, von denen der erste ein „B“ ist, lassen eine Bundesbehörde annehmen. „BSB“ – eine „Bundes-Sicherheits-Behörde“? Eine Grassroot-Initiative, die „Bürger-Sparbüchse“? Oder, eine Lobbygruppe, „Bundesverband der Seifen-Bastler“? Unwahrscheinlich sachfremd ist auch der „Bundesfachverband Saunabau“, den es tatsächlich gibt. Womöglich ein Eigenlob - „Beckmanns sauberste Beratung“? Alles ergibt nicht so wirklich einen Sinn, bekannt als „BSB“ bleiben nur die „Backstreet Boys“.

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Uli in Medien am 05.01.2012 um 10.46 Uhr

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Kommentare

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Na das ist mal ein Fundstück

Bosso am 08.01.2012 um 22.23 Uhr.