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Wenn die Mehrheit unterdrückt wird

Reizende Toleranz


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)


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Toleranz ist ein schönes Schlag- und Modewort der letzten Jahre. Insbesondere in der Debatte über Integration und im Nebeneinander verschiedener politischer Einstellungen fällt der Begriff. Wer Toleranz übe, so die These, sichere ein offenes Zusammenleben innerhalb einer Unmenge kultureller Strömungen. Verkürzt lässt sich sagen, eine Mehrheit soll einer Minderheit gegenüber tolerant sein.

Einer lässt den anderen in Ruhe

Grundsätzlich lässt sich wenig einwenden, wenn „tolerieren“ mit dem deutschen Wort „dulden“ gleichgesetzt wird. Man duldet, dass bei einbrechender Dunkelheit Männer mit Glatze und Springerstiefel ihre Kampfhunde Spazieren führen. Man duldet, dass im großen Haus neben der Kirche arabisch sprechende Frauen mit Kopftüchern wohnen. Man duldet, dass ein Christdemokrat die Überwachung öffentlicher Plätze fordert. Man duldet, dass lässig gekleidete Jugendliche am Samstagnachmittag vor dem Supermarkt sitzen und Alkohol trinken.

Solange einer den anderen in Ruhe lässt, ihn in seinem Dasein nicht stört, ist Toleranz in Ordnung. Die mit den Kampfhunden haben das gleiche Recht, Gassi zu gehen, wie die alte Dame von nebenan. Die Frauen dürfen Kopftücher tragen, wie sie wollen, und ebenso unter sich eine Fremdsprache sprechen, wie es die amerikanischen Gastschüler tun. Der Christdemokrat kann sich wünschen, was er will, so wie sich auch der lässig gekleidete Jugendliche wünschen darf, dass Marihuana legalisiert wird.

Freiheit begrenzt Freiheit

Die Freiheit dieser aller endet in der Freiheit des Anderen, seine eigene Auffassung von der Welt zu haben. Deswegen ist Toleranz reizend, weil diese Offenheit jede Haltung angreift und „aufhebt“. Nazis, die in der Dämmerung mit ihren Kampfhunden patrouillieren, gehen vielleicht nur in erster Linie Gassi. Mit Kampfhunden und Springerstiefeln signalisieren sie deutlich ihre militärische Absicht. Einem dunkelhäutigen Menschen dann vorzuwerfen, er sei intolerant, wenn er sich zu dieser Zeit nicht mehr auf die Straße traut, verkennt die Lage.

Die Ordnung der Mehrheit

Wichtig und richtig ist es, dass die deutsche Gesellschaft jedem Menschen seine Würde zuspricht und deutlich macht, dass niemand aufgrund seiner Überzeugungen und seines Aussehens benachteiligt werden darf. Doch das bedeutet nicht, dass geschützt oder gefördert werden muss, wenn sich jemand absichtlich mit seinem Aussehen und Verhalten ab- und ausgrenzt. Er darf dies tun, stellt sich damit jedoch bewusst gegen die Ordnung. Und die Ordnung ist das, was die Mehrheit bestimmt – so hat es eine Demokratie an sich. Eine Frau mit Irokesenfrisur, ein langhaariger Mann oder eine komplett Verschleierte sind die Ausnahme und daher im Auge Konservativer eine Provokation. Wer sich eine Glatze rasiert und Springerstiefel trägt, weicht genauso von der Norm ab wie der Punk.

Natürlich soll nicht jeder auf die Norm getrimmt werden. Denjenigen, die bewusst abweichen, sollte jedoch nicht der Spielraum gewährt werden, andere mit ihren Randmeinungen zu konfrontieren, wenn diese Randmeinungen sogar gegen die Grundordnungen verstoßen. Dass manche Menschen mehr wert seien als andere, verstößt gegen die Gleichheit. Der deutsche Staat basiert bewusst nicht auf der Weltsicht einer Religion, sondern gründet sich in der Gleichberechtigung von Individuen. Frauen zählen staatlicherseits so viel wie Männer. Familien sind zu schützen, doch dann nicht, wenn durch sie Einzelne in ihrer Selbstbestimmung eingeengt werden. Jeder hat Recht auf seine eigene Weltauffassung.

Toleranz wird intolerant

Toleranz gegen Fremdenfeindlichkeit ist intolerant. Toleranz gegenüber einer Religion, die Frauen Männern unterordnet und anderen Religionen die Existenzberechtigung abspricht, ist intolerant. Solange dies nicht verstanden wird, wird weiterhin die Mehrheit der Menschen in Deutschland unterdrückt.

Toleranz ist ein schönes Schlag- und Modewort der letzten Jahre. Insbesondere in der Debatte über Integration und im Nebeneinander verschiedener politischer Einstellungen fällt der Begriff. Wer Toleranz übe, so die These, sichere ein offenes Zusammenleben innerhalb einer Unmenge kultureller Strömungen. Verkürzt lässt sich sagen, eine Mehrheit soll einer Minderheit gegenüber tolerant sein.

Einer lässt den anderen in Ruhe

Grundsätzlich lässt sich wenig einwenden, wenn „tolerieren“ mit dem deutschen Wort „dulden“ gleichgesetzt wird. Man duldet, dass bei einbrechender Dunkelheit Männer mit Glatze und Springerstiefel ihre Kampfhunde Spazieren führen. Man duldet, dass im großen Haus neben der Kirche arabisch sprechende Frauen mit Kopftüchern wohnen. Man duldet, dass ein Christdemokrat die Überwachung öffentlicher Plätze fordert. Man duldet, dass lässig gekleidete Jugendliche am Samstagnachmittag vor dem Supermarkt sitzen und Alkohol trinken.

Solange einer den anderen in Ruhe lässt, ihn in seinem Dasein nicht stört, ist Toleranz in Ordnung. Die mit den Kampfhunden haben das gleiche Recht, Gassi zu gehen, wie die alte Dame von nebenan. Die Frauen dürfen Kopftücher tragen, wie sie wollen, und ebenso unter sich eine Fremdsprache sprechen, wie es die amerikanischen Gastschüler tun. Der Christdemokrat kann sich wünschen, was er will, so wie sich auch der lässig gekleidete Jugendliche wünschen darf, dass Marihuana legalisiert wird.

Freiheit begrenzt Freiheit

Die Freiheit dieser aller endet in der Freiheit des Anderen, seine eigene Auffassung von der Welt zu haben. Deswegen ist Toleranz reizend, weil diese Offenheit jede Haltung angreift und „aufhebt“. Nazis, die in der Dämmerung mit ihren Kampfhunden patrouillieren, gehen vielleicht nur in erster Linie Gassi. Mit Kampfhunden und Springerstiefeln signalisieren sie deutlich ihre militärische Absicht. Einem dunkelhäutigen Menschen dann vorzuwerfen, er sei intolerant, wenn er sich zu dieser Zeit nicht mehr auf die Straße traut, verkennt die Lage.

Die Ordnung der Mehrheit

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Uli in Gesellschaft am 11.11.2011 um 12.22 Uhr

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Kommentare

Kommentar:

Hallo Uli,

zum Artikel, Freisinn und Toleranz...Was passiert, wenn die Sozialisierungs-Vorgabe den Menschen von Geburt in sein Weltbild drängt?
Klar: Selber denken, weiterbilden sich emanzipieren und unabhängig machen...garnicht so einfach, wenn ich sogar in Deutschland im 21 Jhd. beispielsweise an die Frauen denke, die nur auf Grund ihres Geschlechtes oft mehr als ein Drittel weniger verdienen, obwohl doch angeblich händeringend weiblicher Führungskräftenachwuchs gesucht wird...von der Glaubenszugehörigkeit ganz zu schweigen.

Hieße das also weiter wie bisher, doppelte fachliche Kompetenz und Leistung für gleichen Lohn?

Liebe Grüße Astrid

P.S.: In Deinem Email account liegt auch ePost von mir...vorhin abgesandt.

Astrid am 22.06.2013 um 07.22 Uhr.