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Ausweg aus dem Post-Preisdikat

Mitpostzentrale


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)


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Gute Leistung lässt man sich gerne etwas kosten. Gute Leistung ist es zum Beispiel, wenn jemand für mich einen Briefumschlag mit einer Rechnung beim Empfänger einwirft. Der Empfänger wohnt 200 Kilometer von mir entfernt. Ist der Brief dort eingeworfen, unterschreibt der Brief-Austräger auf seinem Gerät. So erfahre ich, dass und wann der Empfänger meine Post erhalten hat. „Einschreiben“ nennt sich diese Dienstleistung der Deutschen Post, die bei normalen Briefen einen Aufschlag von 2,05 Euro erfordert.

Unzufrieden mit der Deutschen Post

Im Zeitalter des Internets sind wir ziemlich verwöhnt, was Geschwindigkeit angeht. Erst zwei Tage nach Eintreffen konnte ich den Einwurfzeitpunkt in Erfahrung bringen. Die Unterschrift war da noch nicht abrufbar. Als Kunde sehe ich da gerne drüber hinweg, schließlich braucht die Deutsche Post ihre Ressourcen, um ihren E-Postbrief zu bewerben. Sie möchte, dass ich für eine Dienstleistung bezahle, die den meisten anderen Anbietern kostenlos gelingt. „500 Jahre Erfahrung“ steckt sie nun in das Medium E-Mail, das mit dem Brief nur die Verwendung der Schrift gemeinsam hat.

Der gewaltige logistische Aufwand, der hinter dem Senden von normalen Briefen steckt, bleibt dem normalsterblichen Kunden verborgen. Lange Schlangen in den verbliebenen „Filialen“ sind Normalität. Was sichtbar ist, sind undurchsichtige Preise für Päckchen und Pakete, manchmal unlogisch lange Lieferzeiten bei erstaunlich kurzen Strecken – generell die Erfahrung, dass man sich nicht verlassen kann, wann ein Brief oder ein Paket ankommt. Auch der Nachsendeservice, obwohl kostenpflichtig, läuft nicht zuverlässig. Das kann manchmal ganz schön heikel sein.

Logistischer Aufwand

Anstatt zu meckern, muss man es erstmal selber machen. Schneller wird wohl kaum die Brieflogistik gelingen. Das Einsammeln, Umsortieren und Austeilen der Briefe ist eine teure Angelegenheit, weswegen sich bislang nur wenige Konkurrenten hierin versucht haben. Einen Brief von A nach B zu bringen ist vom Zeitaufwand her gesehen so teuer, wie ein Paket zu transportieren. Für ein Paket zahlt der Kunde jedoch 4 Euro. Für ein Din-A4-Blatt nur ungern. Hermes, DPD, UPS: Nicht selten hat die Post neidisch auf diese Segment-Logistiker geschielt, die sich nicht mit dem Grundversorgungsauftrag herumärgern müssen.

Die Briefsegment-Konkurrenten der Post sind räumlich sehr begrenzt. Deren Porto und Dienstleistung ist nur dann günstiger, wenn der Brief im selben Ort verschickt wird. Also haben grüne und rote Briefkästen in Großstädten ihre Heimat. Eine ernst zu nehmende Alternative bieten diese privaten Anbieter nicht. Sie lohnen sich am meisten für Bürgerämter oder andere große Behörden.

Eine kostenlose Alternative?

Angenommen, man möchte Briefe kostenlos zustellen, um sich den Aufwand mit Markendruck und –verkauf sowie der Portokontrolle zu ersparen. Ein solches Modell gelänge nur, wenn Leistungsempfänger zugleich Dienstleister wären. Das wäre ein System auf Gegenseitigkeit – mit gewisser Verpflichtung, denn sonst werden Einzelne gnadenlos ausgenutzt. Vorbild für diese kostenlose Post ist ein System aus der Antike. Jemand reist von einer Gemeinde zu einer anderen. Er teilt dies vorher den Menschen mit und erhält dann einen Stapel an Briefen, die er mitnimmt und am Zielort verteilt.

Nichts spricht dagegen, dass dieses System wieder aufleben könnte; vorausgesetzt, es fänden sich genügend Menschen, die sich daran beteiligen möchten. Für zeitkritische – d.h. eilige – Post würde es sich nicht eignen. Doch innerhalb von vier Tagen könnte ein Brief durch ganz Deutschland gereist sein, um beim Zielort zu sein. Man müsste nur früh genug verschicken. Früher hat es doch auch geklappt, seine Post rechtzeitig aufzugeben. Auch heute noch sollte man für Pakete in die Vereinigten Staaten einen guten Monat rechnen. Als Sendungen kämen in Frage z.B. langfristige Feier-Einladungen, Nachsenden von Post an die studierenden Kinder, Brieffreundschaften, kleine Päckchen und Pakete mit etwa weitergegebener Kleidung.

Die Mitpostzentrale

Die Post-Verteiler wären Menschen wie Du und ich. Auf einem Online-Portal meldet man seine regelmäßigen Pendelfahrten oder einzelne Reisen möglichst frühzeitig an. Willkommen bei der Mitpostzentrale. Die Post-Teilnehmer werfen ihre Sendungen am Vortag in den Privat-Briefkasten. Dann steigt man in sein Auto oder mit einer Reisetasche voll Sendungen in den Zug, fährt zum Zielort. Dort trägt man seine Post zur „Hauptpost“ – der zentral gelegenen Wohnung des hauptverantwortlichen Teilnehmers vor Ort. Und der sortiert es weiter für die nächsten Strecken oder benachrichtigt andere Orts-Teilnehmer über ihre Sendungen bzw. gibt diese an freiwillige Orts-Austräger weiter. Flexibel könnte die nächst kürzeste Verbindung, die jemand fährt, genutzt werden. Bei einem dichten Netz würde so mindestens einmal pro Woche die Post zuverlässig ankommen.

Zuverlässig? Ja, denn für ein ausgeklügeltes System könnte jeder Post-Weiterbringer auf dem Online-Portal angeben, wann und an wen er die jeweilige Sendung abgegeben habe. Damit er keinen Blödsinn erzählt, bekommt er vom nächsten Weiterträger seine Quittung. Das Prinzip des Staffellaufs wird hier angewandt, am besten ohne große Umwege.

Entstehende Kosten decken

Ab hier würde das System gewisse Kosten produzieren. Manche Weiterträger, insbesondere Pendler über große Strecken, würden deutlich mehr Aufwand haben, als der Einzelne vor Ort, der in seinem Viertel abends beim Gassi-Gehen die drei Sendungen bis zu den Briefkästen transportiert. Ausgleich könnte geschaffen werden, indem die weniger Belasteten das Online-System warten oder weitere Teilnehmer werben. Weil das auch nicht für jeden etwas ist, könnten Umschläge mit Werbe-Anzeigen bedruckt werden. Diese würden für einen geringen Stückpreis (fünf bis zehn Cent oder freiwillig mehr) an schreibende Kunden verkauft werden. So wären vielleicht laufende Kosten für Server-Betrieb, Quittungsdrucke, evtl. Gerätschafen für Codes in den „Zentralen“ und einen kleinen Mitnahme-Obulus für die Vielfahrer zu decken.

Indem jeder Brief an jeder Station im System gespeichert wird, ergibt sich eine weitere, hoffentlich überflüssige Möglichkeit. Falls einem Teilnehmer einfällt, dass seine Sendung nun doch schneller ankommen müsse, könnte er den weiteren Weg per Deutsche Post beauftragen und aus der Ferne das Porto zahlen.

Gute Leistung lässt man sich gerne etwas kosten. Gute Leistung ist es zum Beispiel, wenn jemand für mich einen Briefumschlag mit einer Rechnung beim Empfänger einwirft. Der Empfänger wohnt 200 Kilometer von mir entfernt. Ist der Brief dort eingeworfen, unterschreibt der Brief-Austräger auf seinem Gerät. So erfahre ich, dass und wann der Empfänger meine Post erhalten hat. „Einschreiben“ nennt sich diese Dienstleistung der Deutschen Post, die bei normalen Briefen einen Aufschlag von 2,05 Euro erfordert.

Unzufrieden mit der Deutschen Post

Im Zeitalter des Internets sind wir ziemlich verwöhnt, was Geschwindigkeit angeht. Erst zwei Tage nach Eintreffen konnte ich den Einwurfzeitpunkt in Erfahrung bringen. Die Unterschrift war da noch nicht abrufbar. Als Kunde sehe ich da gerne drüber hinweg, schließlich braucht die Deutsche Post ihre Ressourcen, um ihren E-Postbrief zu bewerben. Sie möchte, dass ich für eine Dienstleistung bezahle, die den meisten anderen Anbietern kostenlos gelingt. „500 Jahre Erfahrung“ steckt sie nun in das Medium E-Mail, das mit dem Brief nur die Verwendung der Schrift gemeinsam hat.

Der gewaltige logistische Aufwand, der hinter dem Senden von normalen Briefen steckt, bleibt dem normalsterblichen Kunden verborgen. Lange Schlangen in den verbliebenen „Filialen“ sind Normalität. Was sichtbar ist, sind undurchsichtige Preise für Päckchen und Pakete, manchmal unlogisch lange Lieferzeiten bei erstaunlich kurzen Strecken – generell die Erfahrung, dass man sich nicht verlassen kann, wann ein Brief oder ein Paket ankommt. Auch der Nachsendeservice, obwohl kostenpflichtig, läuft nicht zuverlässig. Das kann manchmal ganz schön heikel sein.

Logistischer Aufwand

Anstatt zu meckern, muss man es erstmal selber machen. Schneller wird wohl kaum die Brieflogistik gelingen. Das Einsammeln, Umsortieren und Austeilen der Briefe ist eine teure Angelegenheit, weswegen sich bislang nur wenige Konkurrenten hierin versucht haben. Einen Brief von A nach B zu bringen ist vom Zeitaufwand her gesehen so teuer, wie ein Paket zu transportieren. Für ein Paket zahlt der Kunde jedoch 4 Euro. Für ein Din-A4-Blatt nur ungern. Hermes, DPD, UPS: Nicht selten hat die Post neidisch auf diese Segment-Logistiker geschielt, die sich nicht mit dem Grundversorgungsauftrag herumärgern müssen.

Die Briefsegment-Konkurrenten der Post sind räumlich sehr begrenzt. Deren Porto und Dienstleistung ist nur dann günstiger, wenn der Brief im selben Ort verschickt wird. Also haben grüne und rote Briefkästen in Großstädten ihre Heimat. Eine ernst zu nehmende Alternative bieten diese privaten Anbieter nicht. Sie lohnen sich am meisten für Bürgerämter oder andere große Behörden.

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Uli in Medien am 05.11.2011 um 11.05 Uhr

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