Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Nachrichten aus unerwarteter Richtung

Zeitpost


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)


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Mit dem Treffen will es einfach nicht so klappen. Kate folgert, dass Alex und sie nicht füreinander bestimmt sind, und bittet ihn, keinen Kontakt mehr mit ihr aufzunehmen. „Das Haus am See“ mit Sandra Bullock und Keanu Reeves wäre eine langweilige Liebesschnulze. Wäre da nicht der Aspekt der Zeit: Über einen Briefkasten am kleinen Haus am See geschieht der Postwechsel durch den zweijährigen Zeitabstand hinweg. Was Kate schreibt, liest Alex zwei Jahre vorher. So erhält er Einblicke in seine Zukunft und kann mögliche Fehler vermeiden.

In der Wirklichkeit wird die Gesprächsrichtung eher einseitig bleiben. Alex könnte bestenfalls den Briefkasten ausstaffieren mit Botschaften an Kate, die nach einiger Zeit sein damaliges Wissen und seine Gefühle der Vergangenheit konserviert und unverändert lesen kann. Solche Botschaften können bewusst an die Zukunft gerichtet werden. In sicheren Gefäßen aufbewahrt – Zeitkapsel genannt – sollen Informationen die Zeiten überdauern. Nach festgelegten Fristen darf die Nachwelt die Vergangenheit aufdecken. Vorausgesetzt, es erinnert sich noch jemand der Zeitkapsel.

Häufiger als diese bewussten Zeitdokumente für die Zukunft sind „zufällige“ Mitteilungen aus der Vergangenheit. Dies können Zettel sein, die aus Büchern purzeln. Liegengelassene Notizen, tauchen beim Aufräumen unter einem Stapel just im rechten Moment wieder auf. Die Kündigungsfrist wird gerade noch eingehalten. Alte Briefe oder Zeitungsausschnitte enthalten Botschaften oder Beobachtungen, die merkwürdig passend und aktuell sind. Wer Tagebuch führt, wird beim Lesen alter Einträge verwundert feststellen, dass diese offenbar die Gegenwart ganz gut abbilden...

Mag sein, dass solche Zufälle, wo der Brief eines Verstorbenen auftaucht und mit merkwürdigen Worten Trost spendet, wo rechtzeitig eine verloren geglaubte Notiz über die Kündigungsanschrift des Abonnements gefunden wird, wo längst niedergeschriebene Worte das Ausdrücken, was gerade angesagt ist, dass diese Zufälle nur deswegen auffallen, weil sie uns unmittelbar betreffen. Vielleicht sind massenweise unwichtige „Nachrichten“ aus der Vergangenheit täglich auf unserem Schreibtisch. Wir nehmen sie mangels Relevanz nur nicht wahr.

Wieso aber sollte der Mensch nicht ein unterbewusstes Postfach haben? Ein Postfach, in dem er sämtliche Nachrichten archiviert und zur rechten Zeit unbedacht öffnet, durch einen plötzlichen Einfall, den Schreibtisch aufzuräumen oder jenes unscheinbare Buch aus dem Regal zu ziehen?

Mir gefällt der Gedanke meines eigenen Zeitpostfachs. Vielleicht stoße ich auf ihn in zwei Jahren, wenn der Text längst vergessen ist, ich ihn eigentümlicher Weise brauchen kann.

Mit dem Treffen will es einfach nicht so klappen. Kate folgert, dass Alex und sie nicht füreinander bestimmt sind, und bittet ihn, keinen Kontakt mehr mit ihr aufzunehmen. „Das Haus am See“ mit Sandra Bullock und Keanu Reeves wäre eine langweilige Liebesschnulze. Wäre da nicht der Aspekt der Zeit: Über einen Briefkasten am kleinen Haus am See geschieht der Postwechsel durch den zweijährigen Zeitabstand hinweg. Was Kate schreibt, liest Alex zwei Jahre vorher. So erhält er Einblicke in seine Zukunft und kann mögliche Fehler vermeiden.

In der Wirklichkeit wird die Gesprächsrichtung eher einseitig bleiben. Alex könnte bestenfalls den Briefkasten ausstaffieren mit Botschaften an Kate, die nach einiger Zeit sein damaliges Wissen und seine Gefühle der Vergangenheit konserviert und unverändert lesen kann. Solche Botschaften können bewusst an die Zukunft gerichtet werden. In sicheren Gefäßen aufbewahrt – Zeitkapsel genannt – sollen Informationen die Zeiten überdauern. Nach festgelegten Fristen darf die Nachwelt die Vergangenheit aufdecken. Vorausgesetzt, es erinnert sich noch jemand der Zeitkapsel.

Häufiger als diese bewussten Zeitdokumente für die Zukunft sind „zufällige“ Mitteilungen aus der Vergangenheit. Dies können Zettel sein, die aus Büchern purzeln. Liegengelassene Notizen, tauchen beim Aufräumen unter einem Stapel just im rechten Moment wieder auf. Die Kündigungsfrist wird gerade noch eingehalten. Alte Briefe oder Zeitungsausschnitte enthalten Botschaften oder Beobachtungen, die merkwürdig passend und aktuell sind. Wer Tagebuch führt, wird beim Lesen alter Einträge verwundert feststellen, dass diese offenbar die Gegenwart ganz gut abbilden...

Mag sein, dass solche Zufälle, wo der Brief eines Verstorbenen auftaucht und mit merkwürdigen Worten Trost spendet, wo rechtzeitig eine verloren geglaubte Notiz über die Kündigungsanschrift des Abonnements gefunden wird, wo längst niedergeschriebene Worte das Ausdrücken, was gerade angesagt ist, dass diese Zufälle nur deswegen auffallen, weil sie uns unmittelbar betreffen. Vielleicht sind massenweise unwichtige „Nachrichten“ aus der Vergangenheit täglich auf unserem Schreibtisch. Wir nehmen sie mangels Relevanz nur nicht wahr.

Wieso aber sollte der Mensch nicht ein unterbewusstes Postfach haben? Ein Postfach, in dem er sämtliche Nachrichten archiviert und zur rechten Zeit unbedacht öffnet, durch einen plötzlichen Einfall, den Schreibtisch aufzuräumen oder jenes unscheinbare Buch aus dem Regal zu ziehen?

Mir gefällt der Gedanke meines eigenen Zeitpostfachs. Vielleicht stoße ich auf ihn in zwei Jahren, wenn der Text längst vergessen ist, ich ihn eigentümlicher Weise brauchen kann.

Uli in Philosophie am 26.08.2011 um 10.53 Uhr

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