Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Kinderzeche kritisch kommentiert

Schallet heute, Jubellieder


Fotograf: Uli
 (© Eckdose)


Fotograf: Uli
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Freitag der Dreizehnte. Mitten in einem Juli, der verregnet ist, dass es sich gewaschen hat. Wir haben das Jahr Zweitausendundsieben mit monatlich wechselnden Regen- und Trockenzeiten. Letztes Jahr hatten wir das auch schon, der Juni war kalt und nass, der Juli war warm bis heiß. Und die Kinderzeche fiel letztes Jahr genau in diese Hitzewelle aus WM-Euphorie, Mediterranismus und Trockenzeit. Heuer dürfen wir von Glück reden, wenn es gerade einmal im Juli regenfrei sein sollte. Von Wärme oder gar Hitze braucht niemand zu träumen.

Wer weiß, was besser ist? Neun Tage andauernde Betrunkenheit in nassen Klamotten, weil einem die Schweißbrühe in Niagarafall-Intensivität unter dem stinkenden Schwedenhut hervorströmt oder neun Tage andauernde Betrunkenheit in nassen Klamotten, weil die historischen Kostüme aus dem neuen Kornschrannen-Domizil in der Dinkelsbühl Altstadt sich beim winzigsten Getröpfel vom Himmel so dermaßen mit liquidem Dihydroxid voll saugen? Vollkommen egal, das Resultat, es ist schließlich Kinderzeche.

Freitag der Dreizehnte bedeutet für Abergläubische Pech. Das kann in Dinkelsbühl heute niemand verstehen, denn OB Hammer hämmert mit dem Vorschlaghammer das behämmerte Freibierfass im Hauf-Festzelt auf dem Schießwasen auf. Und wer als Franke sein Bier kriegt, hat kein Pech. Nicht einmal dann, wenn exzessiv das nächste mit dem Konsum winkt und dank gestiegener Sprit- und Maßpreise (Ölkrise wirkt sich auch für Sony-Boy Papert aus) von Glück reden kann, wer vorher gespart hat.

Neun Tage – respektive sechs Tage Festplatzbetrieb – Zeit hat ein Dinkelsbühler, ohne dämliche Ausreden und Krankschreibungen dauerbetrunken und arbeitsabwesend zu sein. Schließlich war der Chef ja im Weinzelt bei Gabi und Heinz am Nebentisch gesessen. Und es dient schließlich der Kultur, das historische Festspiel. Der Erinnerung an den letzten Sieg der einstigen Reichsstadt durch ein Heer von Kindern wird jedes Jahr aufs neue gedacht. Jedes Jahr aufs neue halten die ererbten mauerinternen Streitigkeiten Einzug in den Bereich zwischen Segringer Tor und Bayrischem Warenlager. Die Schweden haben neun Tage vor den Mauern zu bleiben; alle anderen neun Tage hinter den Mauern.

Da wird dem Zugezogenen auf einmal klar, da fällt es ihm wie Schuppen vom blaugesottenen Karpfen, welche Bewandtnis die zwei Kinos in der Elftausendsiebenhundertundfünfzig-Einwohner-Stadt haben. Und warum Feuchtwangen mit zweihundertfünfzig (oder einem Kuhdorf) mehr Einwohnern nur ein Kino hat: Das Kino vor den Mauern ist für die Schweden; falls einmal Erholung von so viel Kultur und historischem Lokalkolorit von Nöten ist. Und das Kino in der Stadt ist für Zunftreigen und andere Daheimgebliebene, damit sich kein Spießrutenlauf durch das Gustav-Adolph’sche Quartier ergibt.

Das ist auch der Grund, warum kürzlich eine weitere Apotheke (neben den bislang bestehenden fünf) außerhalb der Schutzmauern eröffnet wurde: Auch ein Schwede fällt einmal vom Pferd; beziehungsweise benötigt eine Schachtel Aspirin, frühmorgens. Die Wahrscheinlichkeit, dass man ein Pferd vor einer Apotheke brechen sieht, ist übrigens groß. Rein Mathematisch gesehen schon. Denn die fünf Apotheken für die fünfte Dinkelsbühler Jahreszeit (man beachte die mystische Kongruenz der Anzahl) verteilen sich optimal entlang der Festzugstrecke. Nicht nur neun Tage Dauerrausch sind so auszuhalten (kein normaler Mensch hält das aus), sondern auch die sengende Sonne über der plötzlich so mediterran wirkenden Kleinstadt wird dann gut erträglich (wenn kein Bier zum Kühlen bereitsteht).

Enge Gassen, eine Gluthitze von Zenit her (dieses Jahr warten wir wohl vergeblich darauf), italienische Ristoranti an allen Ecken und Enden, in Abwechslung mit Eisbuden, und dieser Duft. Der süßliche, so mittelmeertypische Duft in den engen, schattigen Gassen mit der flirrenden Luft. Der Duft von trocknendem, faulenden Pferdemist – verbunden mit dem entfernten Klackern von Hufen, der Sehnsucht nach kühlem Festbier im stickigen Festzelt. Wenn schlaksige Buben in anachronischen Gewändern über das Heiße Pflaster ziehen und mitten unter der Woche alle Geschäfte geschlossen haben, ist klar, dass endlich wieder Kinderzeche ist.

Schallet heute, Jubellieder.

Mit Dank an Matyes für die Ideen.

Freitag der Dreizehnte. Mitten in einem Juli, der verregnet ist, dass es sich gewaschen hat. Wir haben das Jahr Zweitausendundsieben mit monatlich wechselnden Regen- und Trockenzeiten. Letztes Jahr hatten wir das auch schon, der Juni war kalt und nass, der Juli war warm bis heiß. Und die Kinderzeche fiel letztes Jahr genau in diese Hitzewelle aus WM-Euphorie, Mediterranismus und Trockenzeit. Heuer dürfen wir von Glück reden, wenn es gerade einmal im Juli regenfrei sein sollte. Von Wärme oder gar Hitze braucht niemand zu träumen.

Wer weiß, was besser ist? Neun Tage andauernde Betrunkenheit in nassen Klamotten, weil einem die Schweißbrühe in Niagarafall-Intensivität unter dem stinkenden Schwedenhut hervorströmt oder neun Tage andauernde Betrunkenheit in nassen Klamotten, weil die historischen Kostüme aus dem neuen Kornschrannen-Domizil in der Dinkelsbühl Altstadt sich beim winzigsten Getröpfel vom Himmel so dermaßen mit liquidem Dihydroxid voll saugen? Vollkommen egal, das Resultat, es ist schließlich Kinderzeche.

Freitag der Dreizehnte bedeutet für Abergläubische Pech. Das kann in Dinkelsbühl heute niemand verstehen, denn OB Hammer hämmert mit dem Vorschlaghammer das behämmerte Freibierfass im Hauf-Festzelt auf dem Schießwasen auf. Und wer als Franke sein Bier kriegt, hat kein Pech. Nicht einmal dann, wenn exzessiv das nächste mit dem Konsum winkt und dank gestiegener Sprit- und Maßpreise (Ölkrise wirkt sich auch für Sony-Boy Papert aus) von Glück reden kann, wer vorher gespart hat.

Neun Tage – respektive sechs Tage Festplatzbetrieb – Zeit hat ein Dinkelsbühler, ohne dämliche Ausreden und Krankschreibungen dauerbetrunken und arbeitsabwesend zu sein. Schließlich war der Chef ja im Weinzelt bei Gabi und Heinz am Nebentisch gesessen. Und es dient schließlich der Kultur, das historische Festspiel. Der Erinnerung an den letzten Sieg der einstigen Reichsstadt durch ein Heer von Kindern wird jedes Jahr aufs neue gedacht. Jedes Jahr aufs neue halten die ererbten mauerinternen Streitigkeiten Einzug in den Bereich zwischen Segringer Tor und Bayrischem Warenlager. Die Schweden haben neun Tage vor den Mauern zu bleiben; alle anderen neun Tage hinter den Mauern.

Da wird dem Zugezogenen auf einmal klar, da fällt es ihm wie Schuppen vom blaugesottenen Karpfen, welche Bewandtnis die zwei Kinos in der Elftausendsiebenhundertundfünfzig-Einwohner-Stadt haben. Und warum Feuchtwangen mit zweihundertfünfzig (oder einem Kuhdorf) mehr Einwohnern nur ein Kino hat: Das Kino vor den Mauern ist für die Schweden; falls einmal Erholung von so viel Kultur und historischem Lokalkolorit von Nöten ist. Und das Kino in der Stadt ist für Zunftreigen und andere Daheimgebliebene, damit sich kein Spießrutenlauf durch das Gustav-Adolph’sche Quartier ergibt.

Das ist auch der Grund, warum kürzlich eine weitere Apotheke (neben den bislang bestehenden fünf) außerhalb der Schutzmauern eröffnet wurde: Auch ein Schwede fällt einmal vom Pferd; beziehungsweise benötigt eine Schachtel Aspirin, frühmorgens. Die Wahrscheinlichkeit, dass man ein Pferd vor einer Apotheke brechen sieht, ist übrigens groß. Rein Mathematisch gesehen schon. Denn die fünf Apotheken für die fünfte Dinkelsbühler Jahreszeit (man beachte die mystische Kongruenz der Anzahl) verteilen sich optimal entlang der Festzugstrecke. Nicht nur neun Tage Dauerrausch sind so auszuhalten (kein normaler Mensch hält das aus), sondern auch die sengende Sonne über der plötzlich so mediterran wirkenden Kleinstadt wird dann gut erträglich (wenn kein Bier zum Kühlen bereitsteht).

Enge Gassen, eine Gluthitze von Zenit her (dieses Jahr warten wir wohl vergeblich darauf), italienische Ristoranti an allen Ecken und Enden, in Abwechslung mit Eisbuden, und dieser Duft. Der süßliche, so mittelmeertypische Duft in den engen, schattigen Gassen mit der flirrenden Luft. Der Duft von trocknendem, faulenden Pferdemist – verbunden mit dem entfernten Klackern von Hufen, der Sehnsucht nach kühlem Festbier im stickigen Festzelt. Wenn schlaksige Buben in anachronischen Gewändern über das Heiße Pflaster ziehen und mitten unter der Woche alle Geschäfte geschlossen haben, ist klar, dass endlich wieder Kinderzeche ist.

Schallet heute, Jubellieder.

Mit Dank an Matyes für die Ideen.

Anna in MAT: Region am 13.07.2007 um 14.27 Uhr

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Kommentare

Kommentar:

Endlich wieder die Kinderzeche!!!!

Kizekiz am 18.07.2015 um 14.26 Uhr.