Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Weltsafari auf begrenztem Raum

Ein Tag im Zoo


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)


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Manche, besonders umweltethisch bewusste Menschen boykottieren Zirkus und Zoo. Nicht weil diese Belustigungsinstitutionen beide mit „Z“ wie „Zebra“ anheben, sondern weil Tiere ihrer Freiheit beraubt sind. Lebensunwürdige Quartiere in den Tiergärten, niedrige Lebenserwartungen und ausbleibender Tier-Nachwuchs hatten aber in den Zoodirektionen zu einem Umdenken geführt. Ein Gang durch den Zoo ist längst mehr als ein Freiluft-Zirkus mit Gattern, wie noch in einigen Cartoons als Zoo-Klischee gezeigt wird. Der Besuch im Berliner Zoo gestaltet sich als Fußweg-Safari durch verschiedene Erdteile und geologische Zonen. Grönländische Felskargheit bei Knut, flache Sumpffläche bei den Flusspferden, steinige Kliffs bei den Pinguinen und weite Savannen-Ödnis bei den Giraffen und den Elefanten.

Die möglichst artgerechte Haltung erfordert große Kosten. In den Exotenhäusern gibt es eigene Küchen. Auch die darf man, durch eine Glasscheibe, besichtigen. Bei den Raubtieren werden zerlegte Kadaver Groß- und Kleinkatzengerecht zurechtgeschnitten. Bei den Affen werden Südfrüchte mit Tomaten und Kartoffeln wie in einer Großküche geschnippelt und vermengt. Als Zwischensnack erhalten die Meerkatzen ihre Erdnüsse. Doch nicht nur die Nahrung ist teuer. Die Strandvögel etwa haben ein eigenes Gehege mit ihrer Bucht. Zwölf Stunden am Tag ist die Wellenanlage aktiv, um den Möven, den unglaublich hässlichen Meerenten und den staksigen Stelzenläufern Heimat vorzugaukeln.

Den Kostendruck tragen Spenden und die Besucher mit ihren Eintrittspreisen. Zwölf Euro zahlt ein Erwachsener für einen Tag Weltsafari im Berliner Zoo. Neun Euro sind die reduzierten Preise, etwa für Studenten. Wer sich als Kunde der Berliner Volksbank für eine Tierfoto-Kontokarte entschieden hat, bekommt zehn Prozent Rabatt. Da haben die Seebären (die gibt’s wirklich, sehen aus wie glatthäutige kleine Bären mit Flossen an den Tatzen) ganz schön zu schlucken, wenn man auch noch zwei bankgesponserte Freikarten für den regulären Eintritt dabei hat. Im Umtausch und mit allen Rabatten kommt der Tag im Zoo für vier Studenten und einen Zooführer mit Farbbildern auf 10,20 Euro.

Ein Zoobesuch wird dann interessant, wenn Zeit bleibt, neben alten Bekannten auch neue Tierarten zu entdecken. Alpakas glotzen von der Ferne blöd zu den schrägen Vögeln, die nur Blicke für die indischen Elefanten haben, herüber. Die Dickhäuter zeigen wenigstens Aktion, indem sie ihre Rücken mit Gras bestreut haben. Belustigend sind die kleinen Felsziegen, die, kaum stehen könnend, dem Muttertier den Berg hinauf folgen wollen.

Vor dem Giraffenhaus steht ein stilvoller Brunnen, der zu den korbfressenden Basketballprofis im Fleckentrickot – Giraffen – wohl genauso wenig passt wie zum benachbarten Affenhaus. Gut erkennbar ist dort die Ähnlichkeit der Menschenaffen ihren Familiengenossen auf der anderen Seite der Scheibe. Die Fähigkeiten der vollbehaarten Säuglinge sind dabei um einiges ausgeprägter als die bei Nacktaffen, die bekanntlich nur wimmern und plärren können. Das Orang-Utan-Kleine hat größte Mühe, sich im Fell der Mutter festzuklammern. Mit Füßen und Händen hängt es und versucht, bei den vielen Schwingschritten nicht herunter zu fallen. Wie dumm nur, dass ein Orang-Utan-Po unbehaart ist!

Ruhiger geht es bei den Lisztäffchen zu. Die sehen so aus wie kleine, putzige Plüschtiere, haben ein zerfurchtes Gesicht und eine Frisur, dass man sie für achtzigjährige Zwergengreise halten könnte. Entsprechend behäbig verharrt ein bärtiges Wesen in seinem Kleinurwald, die Menschen beobachtend, während nebenan ein sehr buntes Urwaldhörnchen mit offenen Augen insektenhaft schläft, geklammert an einen geschwungenen Ast. Unidentifizierbar ist bei den Makis mit den Riesenglubschern, ob das kauernde Fellbüschel auf dem Schlafbrett zwei Tiere oder nur eines ist.

Die Tour führt weiter zu den Raubtieren. Erdmännchen lassen sich verwöhnen im Terrarium mit nachgebauten Termitenhügeln. Sogar deren Wärmekammern, bei denen sie sich gerne aufhalten, hat der Zoo ihnen bereitgestellt. Im Rotlicht harren die Rattengesichtigen aus, stets den zweibeinigen Feind hinter der Scheibe im Blick. Gegenüber wuseln vermehrungswillige Schmalstreifen-Mungos, denen vier Gehege zur Verfügung stehen. Keine Ruhe. Immer Neues gibt’s im Sand zu entdecken. Die Sandkatze dagegen lässt’s vollkommen kalt. Beide einzelgängerischen Exemplare ihrer Art werden schlafend vorgetroffen. Wie eine Hauskatze, nur ganz sandfarben, mit kleinem Körper und plüschigem Fell. Vor dem „großen Bruder“ vier Käfige weiter muss dagegen gewarnt sein. Gelangweilt lehnt sich der König der Tiere ans Gitter. Die einzige Gefahr geht von seinem Harnstrahl aus, der ab und an wohl aus dem Käfig spritzt. Ein Schild warnt die Besucher.

Qualhaltung für Wesen, die sonst weite Strecken laufen, ist der Zoo trotz noch so liebevollen Gehegen. Den Tiger frustriert die Gefangenschaft sichtbar. Er liegt an seiner Betonmauer und versucht, die Welt zu verschlafen. Den Zwergmangusten, die an Monchhichis erinnern, ist jeder Raum recht. Interessant ist die Sozialstruktur laut Artbeschreibung: Während das älteste Weibchen für Nachwuchs sorgt, kümmert sich der Rest um die Kleinen oder wuselt durch die Wildnis. Fortpflanzungsaktiv sind die Familienmitglieder selbst nicht.

Vorbei geht draußen der Weg an den glatten Nashörnern, den Kappinguinen, den Seesäugern, zotteligen Büffeln zum Flusspferdhaus. Entspannt liegen die schweineverwandten Zwergflusspferde in der Herbstsonne, während im Inneren des Nilhauses die großen Flusspferde (mit einem Kind, das aussieht, wie einer der Zwerge) kraftfahrzeuggroß unter Wasser stapfen.

Eine abschließende Runde führt an den Schweinen vorbei. Es reicht nicht, dass die ostafrikanischen Warzenschweine, die man aus dem Disney-Film kennt, wie deplazierte Comicfiguren in ihrem Gehege Wettrennen veranstalten. Nebenan frisst ein Tapir, seine spitze Nase will er im Augenblick nicht zeigen. Interessanter sind die Fantasy-Filmfiguren namens Pinselohrschweine, oder südostasiatische Bartschweine, die aussehen wie Hausschweine, nur haben sie das bezeichnende Haarbüschel auf der Schnauze.

Die Bären grummeln in allen Arten vor sich hin. Knut ist ein Langweiler. Er ist riesig groß, hat ein hellbraunes Sommerfell und flackt. Schön sind die weißen Wölfe, die im Rudel umherziehen und lange Unterhaltung bieten, ehe es über die Fasanerien mit hyperaktiven Buntvögeln in Richtung Ausgang geht.

Manche, besonders umweltethisch bewusste Menschen boykottieren Zirkus und Zoo. Nicht weil diese Belustigungsinstitutionen beide mit „Z“ wie „Zebra“ anheben, sondern weil Tiere ihrer Freiheit beraubt sind. Lebensunwürdige Quartiere in den Tiergärten, niedrige Lebenserwartungen und ausbleibender Tier-Nachwuchs hatten aber in den Zoodirektionen zu einem Umdenken geführt. Ein Gang durch den Zoo ist längst mehr als ein Freiluft-Zirkus mit Gattern, wie noch in einigen Cartoons als Zoo-Klischee gezeigt wird. Der Besuch im Berliner Zoo gestaltet sich als Fußweg-Safari durch verschiedene Erdteile und geologische Zonen. Grönländische Felskargheit bei Knut, flache Sumpffläche bei den Flusspferden, steinige Kliffs bei den Pinguinen und weite Savannen-Ödnis bei den Giraffen und den Elefanten.

Die möglichst artgerechte Haltung erfordert große Kosten. In den Exotenhäusern gibt es eigene Küchen. Auch die darf man, durch eine Glasscheibe, besichtigen. Bei den Raubtieren werden zerlegte Kadaver Groß- und Kleinkatzengerecht zurechtgeschnitten. Bei den Affen werden Südfrüchte mit Tomaten und Kartoffeln wie in einer Großküche geschnippelt und vermengt. Als Zwischensnack erhalten die Meerkatzen ihre Erdnüsse. Doch nicht nur die Nahrung ist teuer. Die Strandvögel etwa haben ein eigenes Gehege mit ihrer Bucht. Zwölf Stunden am Tag ist die Wellenanlage aktiv, um den Möven, den unglaublich hässlichen Meerenten und den staksigen Stelzenläufern Heimat vorzugaukeln.

Den Kostendruck tragen Spenden und die Besucher mit ihren Eintrittspreisen. Zwölf Euro zahlt ein Erwachsener für einen Tag Weltsafari im Berliner Zoo. Neun Euro sind die reduzierten Preise, etwa für Studenten. Wer sich als Kunde der Berliner Volksbank für eine Tierfoto-Kontokarte entschieden hat, bekommt zehn Prozent Rabatt. Da haben die Seebären (die gibt’s wirklich, sehen aus wie glatthäutige kleine Bären mit Flossen an den Tatzen) ganz schön zu schlucken, wenn man auch noch zwei bankgesponserte Freikarten für den regulären Eintritt dabei hat. Im Umtausch und mit allen Rabatten kommt der Tag im Zoo für vier Studenten und einen Zooführer mit Farbbildern auf 10,20 Euro.

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Uli in Kunstkultur am 06.09.2010 um 11.27 Uhr

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