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Rezension: Japanischer Kinofilm holt den Tod ins Leben

Nokan - Die Kunst des Ausklangs


Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Ein junger Cellist verliert seinen Job im Orchester. Verzweifelt bewirbt er sich bei einer vermeintlichen Reiseagentur. Und wird genommen. Als Begleiter auf der Reise in den Tod richtet er die Verstorbenen so schön her, wie sie zu Lebzeiten nicht waren. Dafür hat seine Frau zunächst keinerlei Verständnis. Am Schluss aber verehrt sie ihn umso mehr.


Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Ein junger Cellist verliert seinen Job im Orchester. Verzweifelt bewirbt er sich bei einer vermeintlichen Reiseagentur. Und wird genommen. Als Begleiter auf der Reise in den Tod richtet er die Verstorbenen so schön her, wie sie zu Lebzeiten nicht waren. Dafür hat seine Frau zunächst keinerlei Verständnis. Am Schluss aber verehrt sie ihn umso mehr.

Die Thematik des Sterbens hat seine Berechtigung, im Film umgesetzt zu werden. Nokan gelingt es, auf stille Weise auszusagen, dass der Tod zum Leben dazugehört. Auf immer gleiche Weise zeigt es den Hauptdarsteller bei den Leichenwaschungen. Abwechslung aus der Monotonie schafft einzig die Darstellung des verschiedenen Umgangs der Angehörigen mit dem Tod. In diesen Szenen wird einerseits Vertrautheit geschaffen. Andererseits baut das Ritual der Waschung in seiner wiederholten Gleichheit eine Komik auf. Vom unterschiedlichen Reagieren, teils kindischer Gelöstheit der Hinterbliebenen, wird diese noch gesteigert. Ohne solche humorvolle Szenen wäre das eigentlich nicht lustige Thema in dieser Zubereitung nicht erträglich.

Was sich am Anfang als guter Aufhänger und Einstieg vorstellt, wird beim Fortschreiten der Handlung immer unpassender. Das Cello, einst Beruf und Lebensinhalt des Protagonisten, ist als Leitmotiv ungeeignet. Eng verknüpft mit der Vergangenheit, stellt sich die Frage, wie die ruhige Art der Hauptfigur mit dem Hass auf den Vater vereinbar ist. Der Vater spielt die ganze Zeit keine Rolle; er ist geradezu egal. Und so stört der Schluss mit der so unwichtigen Randfigur.

Schlecht gespielt ist die Frau. Eine überbetonte Schwangerschaft macht die eheliche Kommunikation in der letzten Filmhälfte aus. Zuvor entsteht nicht der Eindruck, dass hier jemals Liebe im Spiel gewesen wäre. Überhaupt bleibt die Ehefrau konsequent unverständlich. Vielleicht zu unrecht bleibt sie als dumm im Gedächtnis.

Konzentriert man sich auf die Waschungs-Szenen, so wirkt der Film im Zusammenschnitt tatsächlich meditativ. Ein Schüler, vom immer schweigenden Meister eingewiesen, lernt die Kunst des Ausklangs. Die höchste Weisheit mit ihrer Geltung über den Film hinaus lässt der Wegbegleiter der Badhaus-Frau im Krematorium vernehmen. Hier wird mit wenigen Worten eine Wahrheit geschaffen, welche die Monotonie des Lebensabschieds durchbricht.

Die Thematik des Sterbens hat seine Berechtigung, im Film umgesetzt zu werden. Nokan gelingt es, auf stille Weise auszusagen, dass der Tod zum Leben dazugehört. Auf immer gleiche Weise zeigt es den Hauptdarsteller bei den Leichenwaschungen. Abwechslung aus der Monotonie schafft einzig die Darstellung des verschiedenen Umgangs der Angehörigen mit dem Tod. In diesen Szenen wird einerseits Vertrautheit geschaffen. Andererseits baut das Ritual der Waschung in seiner wiederholten Gleichheit eine Komik auf. Vom unterschiedlichen Reagieren, teils kindischer Gelöstheit der Hinterbliebenen, wird diese noch gesteigert. Ohne solche humorvolle Szenen wäre das eigentlich nicht lustige Thema in dieser Zubereitung nicht erträglich.

Was sich am Anfang als guter Aufhänger und Einstieg vorstellt, wird beim Fortschreiten der Handlung immer unpassender. Das Cello, einst Beruf und Lebensinhalt des Protagonisten, ist als Leitmotiv ungeeignet. Eng verknüpft mit der Vergangenheit, stellt sich die Frage, wie die ruhige Art der Hauptfigur mit dem Hass auf den Vater vereinbar ist. Der Vater spielt die ganze Zeit keine Rolle; er ist geradezu egal. Und so stört der Schluss mit der so unwichtigen Randfigur.

Schlecht gespielt ist die Frau. Eine überbetonte Schwangerschaft macht die eheliche Kommunikation in der letzten Filmhälfte aus. Zuvor entsteht nicht der Eindruck, dass hier jemals Liebe im Spiel gewesen wäre. Überhaupt bleibt die Ehefrau konsequent unverständlich. Vielleicht zu unrecht bleibt sie als dumm im Gedächtnis.

Konzentriert man sich auf die Waschungs-Szenen, so wirkt der Film im Zusammenschnitt tatsächlich meditativ. Ein Schüler, vom immer schweigenden Meister eingewiesen, lernt die Kunst des Ausklangs. Die höchste Weisheit mit ihrer Geltung über den Film hinaus lässt der Wegbegleiter der Badhaus-Frau im Krematorium vernehmen. Hier wird mit wenigen Worten eine Wahrheit geschaffen, welche die Monotonie des Lebensabschieds durchbricht.

Uli in Kunstkultur am 02.01.2010 um 19.57 Uhr

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