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Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Hat konfessioneller Religionsunterricht eine Zukunft?

Die letztgültige Wahrheit


Bild: Uli
 (© Eckdose)

In Berlin ist er schon abgeschafft, der konfessionelle Religionsunterricht. Dieser Essay beschäftigt sich damit, ob er generell in Deutschland zukunftsfähig ist.

Gegenwärtig ist der Religionsunterricht an Deutschlands staatlichen Schulen ein bunter Flickenteppich. Während die einen Bundesländer nach Art. 7 Abs. 3 GG von den Kirchen vorgegebene Inhalte in konfessionell sortierten Klassen unterrichten lassen, sind andere Länder, nach Art. 141 GG, auf einem anderen Weg und erteilen allgemeinverbindlichen Werteunterricht.

Fokus der Diskussionen um diesen Zustand war besonders Berlin. In der Bundeshauptstadt hatten sich die großen Kirchen dafür stark gemacht, dass der traditionelle konfessionelle Religionsunterricht wieder eingeführt werden solle – anstatt des nach der Wende eingesetzten verbindlichen LER (Lebensgestaltung – Ethik – Religionskunde). Die Volksabstimmung hatte ein klares Votum gegen den konfessionsgebundenen Unterricht gezeigt. Die Argumentation im Vorfeld hatte darüber hinaus offen gelegt, wie schwach die Begründungen für eine Trennung nach Glaubensgemeinschaften in der schulischen Werteerziehung sind.

Aufgrund nicht gleichartiger Schulsysteme in den Ländern gibt es unterschiedliche Perspektiven und Möglichkeiten, den Religionsunterricht zu organisieren und zu gestalten. Das meist verbreitete Modell ist das Aufteilen der Schüler. Je nach Zugehörigkeit (von Erziehungsberechtigten bestimmt) ist der Unterricht zu besuchen. Auffällig breit macht sich besonders in Grundschulen im ländlichen Raum die Diaspora-Situation. Ist die Region überwiegend evangelisch geprägt, findet sich häufig nur eine Klasse für die Katholiken; umgekehrt in katholischen Gebieten. Das Problem, das hier durch die Trennung nach Konfessionen entsteht, wirkt sich auch auf organisatorischer Ebene aus. Oft unterrichten die Klassenlehrer auch in Religion. Flexibilität in der Stundengestaltung verschwindet, wenn ein Bruchteil der Schülerzahl zu festen Zeiten der Klassengemeinschaft entzogen wird. Dazu kommt, dass für den Unterrichtenden der Diaspora-Gemeinschaft ein Vorgehen nach Lehrplan kaum möglich ist, wenn Schüler unterschiedlicher Jahrgangsstufen in einer Gruppe gemischt sind. Mancherorts entfällt der Unterricht für kleine Religionsgruppen komplett, sofern es an entsprechenden Lehrkräften fehlt. Muslime z.B. erhalten darum in vielen deutschen Kleinstädten gar keine Werteerziehung.

Beim islamischen Religionsunterricht, der den geltenden Prinzipien nach in sämtlichen Bundesländern mit konfessioneller schulischer Werteerziehung erteilt werden sollte, liegt das nächste Problem. Fehlende Organisationsstruktur der islamischen Gemeinschaften in Deutschland lässt Ansprechpartner und kompetente Autoritäten nicht zu. Anders als bei den Großkirchen bestehen keine verbindlichen Lehrplankommissionen. Die muslimischen Kinder müssten demnach den Unterricht für Konfessionsfreie besuchen – in Bayern „Ethik“ genannt. Damit ist de facto das System bereits ausgehebelt. Konfessioneller Religionsunterricht existiert an den Schulen in Deutschland aktuell nahezu nur für evangelische und römisch-katholische Schüler.

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Uli in Philosophie am 30.09.2009 um 17.59 Uhr


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